AI Forensics deckt massiven Handel mit Nacktbildern auf Telegram auf
Bericht dokumentiert Verbreitung von intimen Aufnahmen und Deepfakes in Chatgruppen
Auf einen Blick
- Die Organisation AI Forensics hat aufgedeckt, dass auf Telegram zehntausende Nacktbilder von Frauen ohne Zustimmung gehandelt werden.
- Die Untersuchung zeigt ein System aus Bezahl-Abos, Deepfakes und gezielter Belästigung, bei dem Telegrams Kontrollmechanismen als unzureichend kritisiert werden.
KI-generierte Zusammenfassung
Warum es wichtig ist
AI Forensics ist eine Non-Profit-Organisation, die Algorithmen großer Tech-Plattformen untersucht. Telegram steht aufgrund seiner Verschlüsselung und moderaten Inhaltskontrolle häufig in der Kritik von Sicherheitsbehörden und Aktivisten.
Die gemeinnützige Organisation AI Forensics hat in einem Bericht aufgedeckt, dass in dem Messengerdienst Telegram offenbar Zehntausende Nacktbilder von Frauen ohne Zustimmung der Betroffenen getauscht und gehandelt worden sind.
Sie seien bei einer sechswöchigen Untersuchung von spanischen und italienischen Chatgruppen auf fast 25.000 aktive Nutzer gestoßen, die derartige Aufnahmen weiterverbreiteten, teilen die Experten mit. Häufig seien die Aufnahmen gegen Bezahlung gehandelt worden. Die Wissenschaftler fordern Telegram auf, konsequent gegen die illegalen Praktiken vorzugehen.
AI Forensics zufolge wurden in dem Zeitraum auf den 16 untersuchten Telegram-Kanälen mehr als 80.000 Foto-, Video- und Audiodateien ausgetauscht. Auf einigen Aufnahmen waren demnach Minderjährige zu sehen. Ein Teil der Fotos und Videos war echt, bei anderen handelte es sich den Experten zufolge um mithilfe künstlicher Intelligenz erzeugte Deepfakes.
Die mutmaßlichen Täter sind dem Bericht zufolge »überwiegend junge heterosexuelle Männer«. Die Opfer hingegen seien »überwiegend Frauen, darunter Partnerinnen, Bekannte und ehemalige Partnerinnen« der mutmaßlichen Täter sowie Personen des öffentlichen Lebens. »Sie werden oft namentlich genannt, getaggt und sind über geteilte Profil-Links auffindbar«, heißt es in dem Bericht weiter.
Die Fotos und Videos würden dem Bericht zufolge durch einmalige Gebühren von 20 bis 50 Euro für den vollständigen Zugriff auf Kanäle und Archive oder durch monatliche Abonnements zu einem Preis von fünf Euro zu Geld gemacht.
Den Autoren der Untersuchung zufolge betrieben einige Mitglieder der Telegram-Gruppen koordinierte Kampagnen, um weibliche Opfer zu belästigen und zu bedrängen. Einige Nutzer riefen zur Vergewaltigung der gezeigten Frauen auf.
Viele der über Telegram verbreiteten Aufnahmen stammten ursprünglich von anderen Onlinediensten wie TikTok, Instagram oder Snapchat, wie die Experten berichten. »Social-Media-Plattformen oder andere Messenger-Apps dienen als Quelle für Rohmaterial, während Telegram als Plattform für die Organisation, Verstärkung und Verbreitung von missbräuchlichen Inhalten dient.«
Die Experten warfen Telegram vor, nur mangelhaft gegen die Chatgruppen vorzugehen. Während des Beobachtungszeitraums seien einige der untersuchten Gruppen zwar von Telegram geschlossen worden, hätten aber nur Stunden später unter gleichem Namen weitergemacht, kritisierte AI Forensics. Das zeige, dass die Kontroll- und Aufsichtsmechanismen bei dem Onlinedienst nicht ausreichten.
Telegram-Besonderheiten förderten das Gefühl von »Sicherheit und Straflosigkeit« und damit bei einigen Nutzern ein »Missbrauchsverhalten«, warnen die Aktivisten. Dazu zähle unter anderem die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, bei der Daten auf dem Gerät des Senders ver- und erst auf dem Gerät des Empfängers entschlüsselt werden.
Ein Telegram-Sprecher erklärte AFP, die Verbreitung »nicht einvernehmlicher intimer Aufnahmen, einschließlich pornografischer Deepfakes« sei gemäß den Nutzungsbedingungen »strikt untersagt«. Das Vorgehen gegen Deepfakes sei jedoch »für alle Plattformen kompliziert«.
Worauf zu achten ist
KI-Ausblick — Möglichkeiten, keine Fakten
Erhöhter politischer Druck auf Telegram zur Verschärfung der Inhaltsmoderation.
Sehr wahrscheinlich · Innerhalb von Monaten
Offene Fragen
- Welche konkreten rechtlichen Schritte planen Behörden gegen die identifizierten Gruppen?
- Wie reagieren andere Plattformen wie TikTok oder Instagram auf die Nutzung ihrer Inhalte als Quelle für den Missbrauch?
