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Alan Greenspans Erbe und die Herausforderungen der modernen Geldpolitik
NACHRICHT
Handelsblatt26.06.2026Business1 dk okumaGermany

Alan Greenspans Erbe und die Herausforderungen der modernen Geldpolitik

Auf einen Blick

  • Nach dem Tod von Alan Greenspan bilanzieren Handelsblatt-Chefökonom Bert Rürup und Michael Hüther vom Institut der deutschen Wirtschaft die Entwicklung der Geldpolitik kritisch.
  • Sie diskutieren Greenspans Erbe, die Rolle der Notenbanken bei der Marktstabilisierung und die These, dass Inflation heute eher ein strukturelles als ein monetäres Problem sei, was die Unabhängigkeit der Zentralbanken herausfordert.

KI-generierte Zusammenfassung

Warum es wichtig ist

Der Tod von Alan Greenspan dient als Anlass für eine kritische Bilanz der Geldpolitik der letzten Jahrzehnte durch deutsche Ökonomen.

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Alan Greenspan, fast 19 Jahre Chairman der US-Notenbank Fed, ist am 22. Juni im Alter von 100 Jahren gestorben. In dieser Folge von Economic Challenges nehmen Handelsblatt-Chefökonom Bert Rürup und Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft, seinen Tod zum Anlass, die Entwicklung der Geldpolitik der vergangenen Jahrzehnte kritisch zu bilanzieren – von der Geldmengensteuerung nach Milton Friedman über das Inflation-Targeting bis zum Quantitative Easing.

Hüther erinnert daran, dass Greenspan die Aufgaben der Geldpolitik entscheidend erweiterte: Nach dem Schwarzen Montag 1987 – dem größten Tagesverlust der New Yorker Börse – griff er stabilisierend ein und begründete damit den sogenannten „Greenspan Put“, die Erwartung, dass die Notenbank Finanzmärkte in Krisen stützt. „Wie jede Versicherung hat das dann auch einen Moral Hazard“, sagt Hüther. Am Ende, so sein Urteil, sei auch Greenspans Credo des nachträglichen „Mopping up“ geplatzter Blasen gescheitert – mit hohen volkswirtschaftlichen Kosten.

Rürup stellt eine provokante These in den Raum: Inflation sei heute weniger ein monetäres als ein strukturelles Problem. Der Ölpreis, nicht der Leitzins, sei zum entscheidenden Preistreiber geworden. „Preisniveaustabilität kann nicht mehr allein durch die Geldpolitik gewährleistet werden“, sagt er. Hüther widerspricht zwar dem Befund in dieser Absolutheit, teilt aber die Diagnose, dass drei Megatrends – demografische Alterung, Dekarbonisierung und Deglobalisierung – das Wachstum schwächen und den Inflationsdruck strukturell erhöhen. In einer solchen Stagflationsperspektive sei eine Notenbank „besonders herausgefordert“.

Im Zentrum steht die Frage, ob das klassische Konzept der unabhängigen Zentralbank als alleinige Hüterin der Geldwertstabilität noch zeitgemäß ist. Hüther plädiert dafür, die Unabhängigkeit als hohes Gut zu bewahren – fordert aber eine stärkere Verzahnung von Geld-, Fiskal- und Lohnpolitik. Rürup geht weiter und fragt, ob nationale Institutionen mit dieser Aufgabe nicht schlicht überfordert sind.

Offene Fragen

  • Wie kann Geld-, Fiskal- und Lohnpolitik besser verzahnt werden?
  • Sind nationale Institutionen mit der Geldwertstabilität überfordert?

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This article was originally published by Handelsblatt.

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