Andrij Melnyk kann sich Rückkehr als Botschafter vorstellen
Auf einen Blick
- Der ehemalige ukrainische Botschafter Andrij Melnyk äußert im "Spiegel" den Wunsch, erneut als Botschafter in Deutschland tätig zu sein.
- Er bedauert einige seiner früheren drastischen Aussagen, verteidigt aber die ukrainischen Angriffe auf russische Energieinfrastruktur.
KI-generierte Zusammenfassung
Warum es wichtig ist
Andrij Melnyk, ehemaliger ukrainischer Botschafter in Deutschland, äußert sich zu seiner möglichen Rückkehr ins Amt und zum aktuellen Kriegsgeschehen. Er bereut einige seiner früheren kontroversen Aussagen.
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Der ehemalige Botschafter der Ukraine in Deutschland, Andrij Melnyk, kann sich eine Rückkehr in sein Amt vorstellen. „Wenn sich eine Chance bieten würde, wäre ich gerne ein zweites Mal Botschafter hier“, erklärte er im Gespräch mit dem „Spiegel“.
Melnyk sagte, Deutschland sei für ihn eine „zweite Heimat“. Er vermisse die Menschen, die Wurst und auch die Politik. „Ich liebe Deutschland“, und als Botschafter könne man nur in einem Land erfolgreich sein, „das man mag“. Eine erneute Berufung als Botschafter sei aber „eher unrealistisch“.
Melnyk war von 2014 bis 2022 Botschafter in Berlin, danach kurze Zeit Vizeaußenminister in Kiew sowie Botschafter in Brasilien. Seit Mai 2025 ist er Ständiger Vertreter der Ukraine bei den Vereinten Nationen.
Nach Beginn der russischen Vollinvasion der Ukraine im März 2022 sorgte Melnyk immer wieder mit drastischen Aussagen über deutsche Politiker für Aufsehen. Den damaligen SPD-Fraktionsvorsitzenden Rolf Mützenich nannte er etwa „den widerlichsten Politiker“ und den Ex-General und einstmaligen militärpolitischen Berater Angela Merkels, Erich Vad, einen „erbärmlichen Loser“. Während er zu diesen Aussagen stehe, gebe es andere, die er bereue. So sei es etwa „nicht in Ordnung“ gewesen, Sahra Wagenknecht (damals Linke, heute BSW) „eine widerliche Hexe“ genannt zu haben. Auch eine Beleidigung des SPD-Außenpolitikers Michael Roth bereue er. Dass dieser die Politik verlassen habe, sei „schade“.
Melnyks Abberufung erfolgte 2022 nach umstrittenen Aussagen über den ukrainischen Nationalisten Stepan Bandera. Im Zweiten Weltkrieg war dessen Organisation, die OUN, Historikern zufolge an Massenmorden an Polen und Juden beteiligt. Melnyk hatte als Botschafter Kritikern zufolge den Eindruck erweckt, diese Verbrechen zu leugnen.
Zwar blieb Melnyk im Gespräch mit dem „Spiegel“ bei der Position, dass Bandera „persönlich kein Massenmörder von Juden und Polen war“, es gebe aber „blinde Flecken“ in der Geschichte der Ukraine, die es aufzuarbeiten gelte. Seine Äußerungen über Bandera bereue er, sie seien „nicht glücklich“ gewesen. „Viele Sachen würde ich heute nicht mehr tun, auch aus Respekt vor den Opfern.“ So sei es „ein falscher Schritt“ gewesen, Blumen am Grab von Bandera abzulegen.
In Bezug auf den Ukraine-Krieg sagte Melnyk: „Wir erleben gerade diese neue Dimension des Krieges.“ Die schweren russischen Angriffe auf Kiew seien „schwer vergleichbar mit dem, was wir am Anfang erlebt haben“. In der ukrainischen Hauptstadt zu leben, gleiche heute „Russischem Roulette“.
Die Angriffe der Ukraine auf die russische Energieversorgung weit hinter der Front verteidigte Melnyk. „Die Russen merken, viele von ihnen vielleicht zum ersten Mal, dass etwas los ist.“ Diese Strategie verstoße auch nicht gegen das Völkerrecht: „Wir verteidigen uns selbst“.
Zur Beendigung des Krieges könne auch der ehemalige Bundeskanzler Gerhard Schröder beitragen. Schröder, der wegen seiner Nähe zu Putin immer wieder scharfe Kritik erfährt, sei zwar „eine tragische Figur“. Er könne mit seinem direkten Draht in den Kreml aber „seinen persönlichen Beitrag dazu leisten, dass wir vielleicht doch näherkommen“. Bundeskanzler Merz solle Gerhard Schröder nach Moskau schicken. „Ich hoffe, dass Herr Merz das auch tut, dass er diesen Kanal nutzt“, so Melnyk.
Worauf zu achten ist
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