Ärzte ohne Grenzen: Alarmierende Mangelernährung bei Kindern in Somalia
In Vertriebenencamps in Baidoa ist jedes zweite Kind akut mangelernährt. Hilfsorganisationen beklagen drastische Kürzungen der internationalen Gelder.
Auf einen Blick
- In Somalia leiden laut Ärzte ohne Grenzen in Vertriebenencamps in Baidoa zahlreiche Kinder an schwerer Mangelernährung.
- Während die Fallzahlen steigen, kürzen internationale Geldgeber wie die USA drastisch die finanzielle Unterstützung.
KI-generierte Zusammenfassung
Warum es wichtig ist
Dürre und ausbleibende Regenfälle zwingen in Somalia immer mehr Menschen zur Flucht aus ihren Wohnorten.
In Somalia leiden nach Einschätzung der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen etliche Kinder an Mangelernährung. So sei in den Vertriebenencamps in Baidoa im Südwesten des Landes jedes zweite Kind akut mangelernährt, teilte die Organisation mit.
Den Angaben zufolge untersuchten Teams von Ärzte ohne Grenzen von Januar bis Juli 21.000 Kinder unter fünf Jahren in den Ernährungszentren in Baidoa. Demnach war jedes vierte Kind sogar schwer mangelernährt. Akute Mangelernährung ist zwar weniger gravierend als schwere Mangelernährung, geht jedoch ebenfalls mit einem plötzlichen Gewichtsverlust einher und kann lebensbedrohlich sein.
Hinter jeder Zahl stehe ein Kind, sagte Allara Ali, Projektkoordinatorin von Ärzte ohne Grenzen in Somalia. »Was wir hier sehen, geht weit über die Schwelle einer extremen Notsituation hinaus. Trotzdem reduzieren Geldgeber ihre Unterstützung für Somalia«, kritisierte sie. Laut der Hilfsorganisation sind die Mittel zur Bekämpfung von Unterernährung in Teilen Somalias in diesem Jahr um mehr als 80 Prozent zurückgegangen.
Die USA etwa hätten ihre Unterstützung für Hilfsorganisationen in Somalia von 70 Millionen Dollar im vergangenen Jahr auf null in diesem Jahr gekürzt , sagte Mitchell Sangma, Gesundheitsberater bei Ärzte ohne Grenzen. Dadurch können die Hilfsorganisationen angesichts des steigenden Bedarfs nur noch mit Mühe reagieren.
Die aufgenommenen Fälle von Mangelernährung seien im Vorjahresvergleich wiederum um 80 Prozent gestiegen, sagte Sangma. »Gerade jetzt, wo wir eine massive Ausweitung der Hilfsmaßnahmen benötigen, stellen wir fest, dass das Interesse der Geldgeber an einer Unterstützung nachlässt«, sagte der Gesundheitsberater.
Dürre zwingt Menschen zur Flucht
Ausbleibende Regenfälle und Dürre zwingen in Somalia immer mehr Menschen zur Flucht. Nach Angaben der Vereinten Nationen verließen von Januar bis März 2026 mehr als eine halbe Million Menschen ihre Wohnorte. Bei 93 Prozent war Dürre der Grund. Frauen und Kinder stellten etwa 85 Prozent der Vertriebenen dar.
Die aktuelle Krise erinnert an die drohende Hungersnot in Somalia aus dem Jahr 2022. Doch laut Hilfsorganisationen vor Ort werden die Hilfsmaßnahmen in diesem Jahr durch die erheblichen Finanzierungslücken eingeschränkt.
»Die Welt kann nicht erst auf den Titel ›Hungersnot‹ warten, bevor sie handelt«, sagte Projektkoordinatorin Ali. »Es muss jetzt gehandelt werden, um den Verlust von Menschenleben zu verhindern.«
Offene Fragen
- Wie reagieren andere internationale Geldgeber auf die sinkenden Mittel?
- Werden die Kürzungen bei der US-Hilfe revidiert?





