Börse erholt sich nach Rücksetzer – Ölpreise steigen wegen Nahost-Konflikt
Auf einen Blick
- Nach einem Rücksetzer am Vortag steigt der DAX zur Eröffnung um rund ein Prozent.
- Chip-Aktien sind gefragt, gestützt von positiven Exportzahlen.
- Die Spannungen im Persischen Golf und steigende Ölpreise verunsichern Anleger, während Volkswagen Sparpläne diskutiert und Deutz einen Rüstungskonzern übernimmt.
KI-generierte Zusammenfassung
Warum es wichtig ist
Die Spannungen zwischen den USA und dem Iran haben sich verschärft, was zu militärischen Aktionen und einer erhöhten geopolitischen Unsicherheit führt. Dies beeinflusst die globalen Märkte, insbesondere die Ölpreise.
Nach dem Rücksetzer vom Vortag geht es heute an der Börse wieder bergauf. Der DAX steigt zur Eröffnung rund ein Prozent. Aktuell liegt das Plus wieder etwas darunter, aber weiter knapp über der Marke von 25.000 Punkten.
Der Index kann damit zumindest einen Teil seiner Vortagesverluste von immerhin 2,2 Prozent auf 24.897 Zähler wieder wettmachen. Gefragt sind vor allem Chip-Aktien, die zuletzt unter Druck standen. Rückenwind kommt auch von einer überraschend besser als erwartet ausgefallenen deutschen Exportstatistik im Mai.
Trotzdem bleibt die Lage in Anbetracht der wieder aufgeflammten Kämpfe am Persischen Golf angespannt. "Monatelang entwickelte sich der Iran-Konflikt in eine Richtung, die auf ein diplomatisches Endspiel hindeutete. Die Ereignisse der letzten Tage gehen allerdings in die falsche Richtung", kommentierte Marktanalyst Jochen Stanzl von der Consorsbank die jüngsten Entwicklungen. "Das geopolitische Risiko hat spürbar zugenommen."
Die US-Streitkräfte haben im Konflikt mit Iran um die Straße von Hormus in zweiter Nacht in Folge Ziele in der islamischen Republik bombardiert. Trump hatte zuvor am Rande des NATO-Gipfels in Ankara die mit dem Iran vereinbarte Feuerpause für beendet erklärt und neue Angriffe angeordnet. Zugleich ließ er die Tür für weitere Verhandlungen aber offen.
In der Nacht reagierten die Überseebörsen relativ gelassen, was auch den DAX heute stützt. An der Wall Street gab der Dow Jones-Leitindex moderat rund 1,1 Prozent nach, S&P 500 und die Tech-Börse Nasdaq 100 verloren nur leicht rund 0,3 Prozent. In Tokio legte der Nikkei-Index 1,4 Prozent zu.
"Die erneute Eskalation der bewaffneten Auseinandersetzungen im Nahen Osten dürfte die Marktaussichten nicht grundlegend verändern", schrieb Elliot Hentov, Politikstratege beim Vermögensverwalter State Street. Seit April gebe es kaum neue Erkenntnisse hinsichtlich des Kriegsinteresses beider Seiten und der Wahrscheinlichkeit einer Eskalation.
"Im Klartext: Keine der beiden Seiten strebt eine vollständige Wiederaufnahme des Krieges an, sodass sich die Auseinandersetzungen letztendlich wahrscheinlich beruhigen werden", argumentierte Hentov.
Die Eskalation des Konflikts zwischen den USA und dem Iran hat die Ölpreise allerdings auf den höchsten Stand seit Wochen getrieben und die Anleger verunsichert. Am Vormittag fällt die Notierung zwar wieder etwas, ein Fass der Nordseesorte Brent kostet aber immer noch rund 77 Dollar - nach rund 72 Dollar zum Wochenanfang.
Die jüngste Eskalation untergrabe das Vertrauen in die Waffenruhe, schrieben die Analysten von ING in einem Kommentar. Der Öltransport, der in den letzten Wochen in der Wasserstraße von Hormus wieder angelaufen sei, dürfte vorerst vorbei sein, sagte IG-Analyst Tony Sycamore. Die Schiffseigner dürften wieder vorsichtiger werden.
Der Anstieg der Ölpreise schürt zudem Inflationssorgen und nährte die Erwartung, dass die US-Notenbank Fed die Zinsen in diesem Jahr doch noch anheben könnte.
Vor dem Hintergrund von Sparmaßnahmen bei Volkswagen kommt heute der Aufsichtsrat des Wolfsburger Konzerns zu einer Sitzung zusammen. Dabei will der Vorstand den Aufsichtsrat Medienberichten zufolge über seine Pläne für die Zukunft des Autobauers informieren, die auf Gewerkschaftsseite Befürchtungen vor einem Kahlschlag wecken.
Medienberichten zufolge gibt es bei Volkswagen drastische Sparpläne. Bis zu 100.000 Stellen könnten zur Disposition stehen. Der Konzern bestätigte die Zahlen nicht, sprach zuletzt jedoch von "tiefgreifenden" Veränderungen, die bevorstünden. Mit der schwierigen Lage für die Autoindustrie befasst sich am Donnerstag auch der Bundestag in einer Aktuellen Stunde (ab 15.05 Uhr).
Die Aktien von Deutz gehen auf Erholungskurs.Im MDAX gewinnen sie gegenüber dem Xetra-Schluss vom Mittwoch über vier Prozent. Deutz peilt den größten Zukauf seiner gut 160-jährigen Firmengeschichte an und hat eine Vereinbarung zur Übernahme des Rüstungskonzerns FFG Flensburger Fahrzeugbau GmbH geschlossen.
Der Kaufpreis liegt bei rund 1,6 Milliarden Euro. Er soll teilweise in Aktien bezahlt werden, die Deutz neu ausgibt. Die Holsteiner produzieren, warten und modernisieren Schützenpanzer, Mannschaftstransporter und andere Militärfahrzeuge - unter anderem für die Bundeswehr.
Worauf zu achten ist
KI-Ausblick — Möglichkeiten, keine Fakten
Die Auseinandersetzungen zwischen den USA und dem Iran werden sich wahrscheinlich beruhigen, da keine Seite einen vollständigen Krieg anstrebt.
Wahrscheinlich · Mittelfristig
Die US-Notenbank Fed könnte die Zinsen in diesem Jahr doch noch anheben.
Möglich · Langfristig
Offene Fragen
- Wie wird der Iran auf die erneuten Angriffe reagieren?
- Welche weiteren diplomatischen Bemühungen sind zu erwarten?
- Wie stark werden die Ölpreise weiter steigen?


