Börsenexperten: Sommer könnte an der Börse "ruppig" werden
Auf einen Blick
- Börsenexperten warnen vor einem "rauen" Sommer an den Märkten.
- Geringere Handelsumsätze und weniger Börsengänge sind typisch, doch geopolitische Unsicherheiten und die KI-Bewertung könnten für Volatilität sorgen.
- Ein Ausverkauf im Technologiesektor ist nicht ausgeschlossen.
KI-generierte Zusammenfassung
Warum es wichtig ist
Traditionell ruhigere Sommermonate an der Börse könnten durch aktuelle geopolitische Spannungen und die Bewertung von KI-Aktien durchbrochen werden. Experten warnen vor erhöhter Volatilität.
Jochen Stanzl von der Consorsbank kennt das Geschäft. Er arbeitet seit vielen Jahren an der Börse. "Die Sommermonate sind eine besondere Zeit", sagt er. Die Handelsumsätze sind dünner. Es gibt weniger Börsengänge. Auch die Terminkalender sind nicht mehr so voll. "Da hat man einfach weniger Impulse, die von außen auf die Börse einströmen. Die Leute sind am Strand und erholen sich."
Raus aufs Land
Früher gab es mal so etwas wie eine richtige "Sommerpause". Dafür muss man weit zurückschauen: Im 17. oder 18. Jahrhundert waren vor allem adlige Herren an der Börse aktiv. Sie gönnten sich den Luxus, sind im Sommer mit Sack und Pack aufs Land gefahren um ihren Vergnügungen nachzugehen und kamen dann erst im Herbst zurück, um sich wieder um ihre Aktiengeschäfte zu kümmern.
Aktienstratege Robert Halver von der Baader Bank muss darüber schmunzeln. Heute bewegen nicht mehr einzelne Adelsfamilien die Märkte, sondern Millionen Anleger auf der ganzen Welt. Unternehmen mischen mit, auch große Fondsgesellschaften.
Börsenhandel rund um die Uhr
"Börse ist ein 24-Stunden-Geschäft geworden, egal ob die Sonne scheint oder Straßen und Wege zugefroren sind", so Halver. Auch an den äußeren Rahmenbedingungen hat sich viel geändert. Die Börse ist kein Marktplatz mehr, wo sich Händler in einem Raum treffen, miteinander verhandeln und Geschäfte per Handschlag besiegeln.
Längst sind die Handelssysteme computergestützt. Vieles läuft vollautomatisch ab. Handelsaufträge, so genannte Orders, werden innerhalb von Bruchteilen von Sekunden ausgeführt. "Wenn weniger Menschen unterwegs sind, heißt das ja nicht, dass die Maschinen nicht weiterarbeiten."
Die Welt ist unberechenbarer geworden
Was diesen Sommer so besonderes macht? Es gibt viel Unruhe. In der Ukraine wird immer noch gekämpft. Dann die Lage in Iran und damit verbunden die Frage, wie es um die Energieversorgung und um die Energiepreise bestellt ist. Das hat Auswirkungen auf die Inflationsentwicklung, und es stellt sich die Frage, wie die Notenbanken darauf reagieren werden.
Künstliche Intelligenz bleibt großes Thema
Für den Leiter des Bereichs Kapitalmärkte und Strategie bei der DekaBank, Joachim Schallmayer, bleibt Künstliche Intelligenz auch in den Sommermonaten ein zentrales Börsenthema. "Das wird nicht nur die kommenden Wochen, sondern auch im zweiten Halbjahr die Richtung vorgeben."
Das hat viel damit zu tun, dass Milliarden in die Chipproduktion, in den Bau von Rechenzentren und in die Stromversorgung investiert werden. Das gilt auch für alles, was die entsprechende Infrastruktur gewährleistet.
"Und da wird spannend, wenn man nach China schaut", sagt die Ökonomin Sandra Ebner von Union Investment im Gespräch mit der ARD-Finanzredaktion. "China hat das Ziel, diese Technologie so schnell wie möglich in die breite Wirtschaft, in die Anwendung zu bekommen. Und wenn man darauf schaut, würde ich sagen, dass China tatsächlich die Nase vorn hat." Es geht um die Anwendung in die industrielle Prozesse und Roboter zu nutzen. Auch vernetze Städte sind ein großes Thema in China. Die Amerikaner wollen da mithalten, im besten Fall sogar die Nase vorn haben.
Droht ein großer Ausverkauf?
Wenn man auf die Kurstafeln schaut, dann sind es vor allem Aktien von Unternehmen aus dem Technologiebereich, die zuletzt von dem Boom rund um das Thema Künstliche Intelligenz profitieren konnten.
"Die Branche ist hoch bewertet", sagt Robert Halver. "Und weil ja auch die Nörgler zunehmen nach dem Motto, wie können diese Abermilliarden jemals wirtschaftlichen Erfolg zeigen, reicht natürlich nur das falsche Husten des Vorstandschefs eines Chipherstellers oder das falsche Schauen in die Kamera, um den Knüppel aus dem Sack zu holen und die Branche kräftig nach unten zu bewegen." Mit anderen Worten, es könnte zu deutlichen Kurskorrekturen kommen - und das ist in den Sommermonaten nicht ausgeschlossen.
Fazit: Sich entspannt zurückzulehnen, die Sommermonate auf dem Land zu verbringen um sich erst im Herbst wieder um die Geschäfte zu kümmern, so wie es wohlhabende Adlige im 17. und 18. Jahrhundert getan haben, könnte unangenehme Überraschungen mit sich bringen. Es könnte ruppig werden an der Börse.
Worauf zu achten ist
KI-Ausblick — Möglichkeiten, keine Fakten
Deutliche Kurskorrekturen im Technologiesektor sind möglich.
Möglich · Innerhalb von Wochen
Offene Fragen
- Wie werden die Notenbanken auf Inflation reagieren?
- Kann China die KI-Entwicklung dominieren?
- Drohen deutliche Kurskorrekturen bei Tech-Aktien?





