DAX verliert an Schwung nach Rekordlauf – Quartalsbilanzen und Konjunktur im Fokus
Der DAX beendet den Handel mit einem leichten Minus. Während RWE, SMA Solar und ThyssenKrupp Zahlen vorlegen, genehmigt die EU den VW-Deal für Everllence.
Auf einen Blick
- Nach einem Rekordhoch verliert der DAX an Schwung und schließt leicht im Minus.
- Marktbeobachter blicken auf robuste Unternehmensbilanzen von RWE, SMA Solar und ThyssenKrupp sowie auf die Freigabe des VW-Verkaufs von Everllence durch die EU.
KI-generierte Zusammenfassung
Warum es wichtig ist
Der DAX erreichte zuvor ein Allzeithoch bei 26.573 Zählern. Mehrere DAX-Konzerne legen ihre Bilanzen vor.
Der Handel startete am Morgen für den DAX noch mit einem Gewinn von 0,4 Prozent und 26.434 Punkten. Doch im Tagesverlauf bröckelten die Tagesgewinne ab. Der deutsche Leitindex beendete den Handel mit 26.300 Punkten, einem Verlust von 0,1 Prozent.
Nach dem jüngsten Rekordlauf hat der DAX an Schwung eingebüßt, erst am Mittwoch noch hatte das Börsenbarometer ein neues Allzeithoch bei 26.573 Zählern erreicht.
"Für viele Marktteilnehmer scheint die derzeitige Gemengelage eine willkommene Gelegenheit zu sein, um Kasse zu machen", sagte Marktanalyst Timo Emden von Captrader. Eine Konsolidierung hält er zwar angesichts der ambitionierten Kurshöhen für "mehr als gesund", ist jedoch skeptisch, da Gewinnmitnahmen im größeren Stil bislang ausgeblieben sind.
Das liegt auch an einem anderen Punkt: "Die Investoren setzen darauf, dass sich die gestiegenen Energiepreise nicht in Inflationsszenarien zeigen, sondern von den Unternehmen weggedrückt werden und sich die Konjunktur mit wieder konsumfreudigeren Verbrauchern weiter erholen wird", erläuterte Andreas Lipkow, Chefanalyst beim Broker CMC Markets.
Entsprechend fällt an den Terminmärkten auch die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung durch die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) im September. Sie wird bei Marktteilnehmern nur noch mit rund 35 Prozent eingepreist.
Dazu kommen starke Firmenbilanzen: "Hinter dem Anstieg der Börsen, nicht nur in Deutschland, sondern auch in den USA, stecken handfeste Zahlen", meint Chefvolkswirt Ulrich Kater von der Deka-Bank. Es seien die Gewinnentwicklungen der börsennotierten Unternehmen, die stärker als sonst nach oben zeigen würden.
Mit Energieversorger RWE hat heute der letzte DAX-Konzern seine Bilanz vorgelegt. Vorläufige Zahlen aus Juli wurden bestätigt. Demnach stieg das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) im ersten Halbjahr im Vorjahresvergleich um 44 Prozent auf gut drei Milliarden Euro. Unter dem Strich stehen knapp 1,3 Milliarden Euro, ein Plus von fast 60 Prozent.
Auch der Solartechnikkonzern SMA Solar präsentierte heute starke Quartalszahlen. Nach einem Verlust im Vorjahr stand in diesem Jahr ein Gewinn von mehr als 70 Millionen Euro in den Büchern. Einerseits sorgten US-Zollrückerstattungen für einen Sondereffekt. Andererseits machten auch die wegen des Iran-Kriegs deutlich gestiegenen Energiepreise Solaranlagen attraktiver: Die Nachfrage in der Sparte für Haus- und Gewerbeanlagen zog um fast ein Viertel an.
Bei Industriekonzern ThyssenKrupp fällt die Bilanz gemischt aus. Zwar lagen die Umsätze im dritten Quartal über den Erwartungen, der bereinigte operative Gewinn stieg aber lediglich um 18 Prozent auf 183 Millionen Euro - Analysten hatten im Schnitt mit 207 Millionen Euro gerechnet. Vor allem eine starke Stahlsparte sorgte für gute Ergebnisse. Die ThyssenKrupp-Aktie drehte im Tagesverlauf ins Plus.
Die EU-Kommission genehmigt dem Volkswagen-Konzern, eine Mehrheit seiner Großmotorentochter Everllence abzugeben. Der Verkauf von 51 Prozent der Anteile an das Unternehmen an den US-Finanzinvestor Bain Capital werfe keine wettbewerbsrechtlichen Bedenken auf, teilte die Brüsseler Behörde mit.
Ende Juni hatte VW mitgeteilt, sich mit Bain Capital geeinigt zu haben. Bei großen Übernahmen prüft die EU-Kommission dann, ob dadurch unverhältnismäßig große Einschränkungen des freien Wettbewerbs entstehen können. Die Transaktion bringt Volkswagen einen Erlös von 7,4 Milliarden Euro ein. Die fünf deutschen Standorte, früher unter "MAN Energy Solutions" bekannt, sollen mindestens bis 2030 erhalten bleiben.
Deutschlands größte Containerreederei Hapag-Lloyd bekommt die Folgen der Schifffahrtskrise im Nahen Osten finanziell zu spüren. Allein im zweiten Quartal beliefen sich die Kosten infolge der schwierigen Sicherheitslage rund um den Persischen Golf und das Rote Meer auf rund 600 Millionen Dollar, wie der Konzern mitteilte. Die Belastung wurde demnach aber gedämpft durch deutlich höhere Transportmengen und Spotraten. Das Konzernergebnis ist im Vergleich zum Vorjahresquartal trotzdem auf 71 Millionen Euro zurückgegangen.
Auch Moller-Maersk profitierte von höheren Frachtraten und einer starken Nachfrage, trotz Nahost-Krieg. Wie die Reederei meldete, konnten die Verluste durch Wachstum in anderen Regionen wie China mehr als ausgeglichen werden. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum verdoppelte sich der Gewinn auf 1,3 Milliarden Dollar. Bei Anlegern war die Aktie heute gefragt.
Offene Fragen
- Wie entwickeln sich die Energiepreise im kommenden Quartal weiter?
- Wann schließt Volkswagen den Verkauf an Bain Capital ab?







