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BackDeutsche Politiker warnen vor Sicherheitsrisiken nach US-KI-Sperre
Deutsche Politiker warnen vor Sicherheitsrisiken nach US-KI-Sperre
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Handelsblatt16.06.2026Politik6 dk okumaGermany

Deutsche Politiker warnen vor Sicherheitsrisiken nach US-KI-Sperre

Auf einen Blick

  • Nach der US-Sperrung von Anthropic KI-Modellen warnen deutsche Politiker vor Sicherheitsrisiken und Abhängigkeiten.
  • Sie fordern Europas Eigenständigkeit bei KI-Technologien zur Abwehr hybrider Bedrohungen.

KI-generierte Zusammenfassung

Warum es wichtig ist

Die USA haben den Zugang zu neuen KI-Modellen von Anthropic aus Sicherheitsgründen gesperrt. Dies löst in Deutschland Sorgen über technologische Abhängigkeiten und die Notwendigkeit eigener KI-Kapazitäten aus.

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Berlin. Führende Sicherheitspolitiker in Deutschland haben nach der US-Sperrung neuer KI-Modelle des Anbieters Anthropic vor massiven Sicherheitsrisiken gewarnt.

Man lebe aktuell in einem Zeitalter des Wettrüstens bei der Entwicklung von Hochleistungssoftware mit Künstlicher Intelligenz (KI), sagte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU). In so einer Situation sei es gut, wenn man in der Lage sei, technologische Innovationen mitzugestalten. Ansonsten könne es passieren, „dass man sehr schnell zu den Opfern gehört“.

Es sei gut möglich, gab Dobrindt zu bedenken, dass vergleichbare Fähigkeiten demnächst auch in China zur Verfügung stünden. Für Europa sei es besser, sich eine ähnliche Fähigkeit anzueignen, anstatt sich auf Partner und Freunde zu verlassen, sagte der Minister, der am Dienstag in Berlin ein Gemeinsames Zentrum von Bund und Ländern zur Abwehr hybrider Bedrohungen eröffnet hat.

Anthropic hatte am Samstag nach einer Anordnung der US-Regierung den Zugang zu seiner erst vor wenigen Tagen veröffentlichten KI-Software blockiert. Regierungsbehörden hätten es unter Verweis auf die nationale Sicherheit angewiesen, den Zugang aller Ausländer zu den KI-Modellen „Fable 5“ und „Mythos 5“ zu unterbinden, teilte das Unternehmen mit. Weil sich dies technisch nur schwer kurzfristig umsetzen lässt, kappte Anthropic den Zugang zunächst für alle Nutzer weltweit.

Die gesperrten KI-Modelle gelten als besonders geeignet, Schwachstellen und Sicherheitslücken in Software aufzuspüren. Deutschland hatte auch zuvor keinen Zugang zu diesem KI-Modell, war jedoch nach Angaben der Bundesregierung dazu in Gesprächen mit dem Hersteller.

Der Vorsitzende des Geheimdienste-Kontrollgremiums des Bundestags, Marc Henrichmann (CDU), sieht das US-Vorgehen ebenfalls kritisch. „Wenn ein einziger Verwaltungsakt in Washington über Nacht entscheidet, welche KI-Werkzeuge europäischen Behörden, Unternehmen und Forschern zur Verfügung stehen, dann ist das kein technisches Detail, sondern eine sicherheitspolitische Abhängigkeit“, sagte Henrichmann dem Handelsblatt.

„Beim Schutz kritischer Infrastrukturen dürfen wir uns nicht in eine Lage bringen, in der uns ein Partner jederzeit den Stecker ziehen kann“, betonte der CDU-Politiker. Wer im entscheidenden Moment auf ein Werkzeug angewiesen sei, das ein anderer ein- und ausschaltet, sei „erpressbar“.

Der Grünen-Fraktionsvize Konstantin von Notz nannte die US-Anordnung „in höchstem Maße kurzsichtig“. „Es gefährdet nicht nur die weltweite IT-Sicherheit, es wird auch massive negative Auswirkungen auf die Nachfrage nach den Produkten von US-Anbietern haben“, sagte er dem Handelsblatt. „Denn die Entscheidung wird absehbar dazu führen, dass auch Formen der Kooperation in dem Bereich, von denen auch die USA profitieren, offen infrage gestellt werden.“

Die EU-Kommission war seit Wochen in Gesprächen mit Anthropic, um Zugang zu den neusten Modellen zu bekommen. Ein Kommissionssprecher sagte, diese Gespräche gingen ungeachtet der US-Sperre weiter. Tatsächlich hatte die US-Firma demnach bereits Gespräche mit der EU-Cybersicherheitsagentur Enisa begonnen.

Johannes Schätzl, digitalpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, sieht sich durch die Entwicklung rund um Anthropic in seinen Befürchtungen bestätigt. „Die leistungsfähigsten KI-Modelle entwickeln sich zunehmend zu strategischen Technologien, über deren Verfügbarkeit Staaten entscheiden können“, sagte er dem Handelsblatt. „Dies stellt ein großes strategisches Risiko dar.“ Denn Europa verfüge bei den entscheidenden Zukunftstechnologien nicht über ausreichende eigene Handlungsspielräume.

Auch von Notz sieht gefährliche Abhängigkeiten. US-Präsident Donald Trump nutze den digitalen Bereich immer wieder, „um andere Länder und Staatengemeinschaften zu erpressen oder ihnen deutlich zu machen, was ihnen droht, wenn sie seinen Wünschen und Vorstellungen nicht folgen“, sagte er. Zum Schutz kritischer Infrastrukturen und zur Abwehr von IT-Sicherheitsrisiken sei es daher „dringend notwendig, Lücken schnellstmöglich zu identifizieren und international zu kooperieren“.

Der CDU-Politiker Henrichmann hält einen massiven Ausbau europäischer Technologien für unerlässlich. „Deutschland und Europa müssen endlich vom Beschwören der digitalen Souveränität ins Handeln kommen“, sagte er. „Wir brauchen eigene, leistungsfähige KI‑Fähigkeiten für unsere Sicherheitsbehörden, unsere Nachrichtendienste und unsere Wirtschaft.“

Der SPD-Politiker Schätzl plädierte kurzfristig für eine deutliche Stärkung der Cybersicherheitsbehörde des Bundes (BSI) sowie von Forschungseinrichtungen. Sie müssten in die Lage versetzt werden, die Fähigkeiten von leistungsfähigsten KI-Systemen eigenständig zu analysieren und Risiken frühzeitig zu erkennen.

BSI-Präsidentin Claudia Plattner hatte bereits kurz nach der Vorstellung von „Claude Mythos Preview“ im April erklärt, ihre Behörde erwarte mit Blick auf das neue KI-Tool „Umwälzungen im Umgang mit Sicherheitslücken und in der Schwachstellenlandschaft insgesamt“. Es stellten sich auch „Fragen nationaler und europäischer Sicherheit und Souveränität“.

Worauf zu achten ist

KI-Ausblick — Möglichkeiten, keine Fakten

  • Europa wird verstärkt in eigene KI-Fähigkeiten investieren.

    Sehr wahrscheinlich · Mittelfristig

  • Die US-Sperre könnte zu einer stärkeren globalen Fragmentierung im KI-Bereich führen.

    Wahrscheinlich · Mittelfristig

Offene Fragen

  • Wann wird Europa eigene leistungsfähige KI-Modelle entwickeln?
  • Wie wird sich die US-Sperre auf die globale KI-Entwicklung auswirken?
  • Welche konkreten Maßnahmen plant die EU zur Stärkung der digitalen Souveränität?

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This article was originally published by Handelsblatt.

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