Eilmeldung
Newsgather
BackDeutsche Wirtschaft: Insolvenzrekord im ersten Halbjahr
Deutsche Wirtschaft: Insolvenzrekord im ersten Halbjahr
In Entwicklung
Handelsblatt23.06.2026Business3 dk okumaGermany

Deutsche Wirtschaft: Insolvenzrekord im ersten Halbjahr

Auf einen Blick

  • Die Zahl der Firmenpleiten in Deutschland erreicht im ersten Halbjahr 2026 den höchsten Stand seit 2013.
  • Creditreform warnt, dass der Höhepunkt noch nicht erreicht ist und die Stabilisierung frühestens 2027 erwartet wird.
  • Besonders betroffen sind Dienstleister, große Unternehmen und junge Firmen.

KI-generierte Zusammenfassung

Warum es wichtig ist

Die deutsche Wirtschaft leidet unter einer Dauerkrise mit teurer Energie, zurückhaltenden Konsumenten und bürokratischen Lasten. Der Iran-Krieg verschärft die Situation zusätzlich.

Schriftgröße

So viele Insolvenzen gab es im ersten Halbjahr seit mehr als zehn Jahren nicht. Creditreform warnt: Noch hat die Pleitewelle ihren Scheitelpunkt nicht erreicht. Die Liste der Probleme ist lang. 23.06.2026 - 10:30 Uhr Quelle: dpa Artikel anhören

Die Auskunftei Creditreform rechnet damit, dass die Zahl der Firmenpleiten in Deutschland weiter nach oben gehen wird: „Der Pleite-Höhepunkt ist noch nicht erreicht.“ (Symbolbild) Foto: Boris Roessler/dpa

Neuss/Frankfurt. Die Dauerkrise der deutschen Wirtschaft treibt eine wachsende Zahl von Firmen in die Pleite. 12.900 Unternehmen werden nach Hochrechnungen der Auskunftei Creditreform bis zum Ende des ersten Halbjahres Insolvenz angemeldet haben. Das wären fast acht Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum und der höchste Stand seit den ersten sechs Monaten 2013 mit damals 13.310 Fällen, teilte die Auskunftei mit.

„Der Pleite-Höhepunkt ist noch nicht erreicht“, warnte der Leiter der Creditreform Wirtschaftsforschung, Patrik-Ludwig Hantzsch. „Diese Entwicklung wird sich erst dann wieder stabilisieren, wenn die Wirtschaft endlich wächst. Nach jetzigem Stand also frühestens 2027.“ Im laufenden Jahr trauen Ökonomen der deutschen Wirtschaft nur ein Mini-Wachstum zu, die Folgen des Iran-Kriegs bremsen den erhofften Aufschwung aus.

Ölpreisschock trifft ohnehin belastete Wirtschaft

Teure Energie, zurückhaltende Konsumenten, bürokratische Lasten - die Liste der Probleme ist lang. Der Iran-Krieg hat die Krise verschärft. Vor allem der Preissprung bei Energie belastet Unternehmen und Verbraucher. Die meisten Insolvenzen gab es im ersten Halbjahr des laufenden Jahres mit fast 7.900 Fällen im Dienstleistungsbereich, zu dem die Gastronomie zählt.

Einen überdurchschnittlichen Anstieg der Pleitezahlen um 28,6 Prozent verzeichnet Creditreform bei Unternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten. Es traf etwa den Hotelbetreiber Revo-Hospitality-Gruppe, die Baumarktkette Hellweg und den Spielwarenhändler Rofu Kinderland.

Von der Gründung in die Insolvenz

Deutlich mehr Insolvenzen gab es auch bei jungen Unternehmen: Bis zu zwei Jahre nach dem Start am Markt gaben 1.140 Gründerinnen und Gründer auf - gut ein Viertel (25,3 Prozent) mehr als im ersten Halbjahr 2025. „Das schwierige Umfeld verzeiht keine Fehlkalkulationen“, sagt Hantzsch.

Insgesamt 165.000 Jobs stehen infolge der Insolvenzen des ersten Halbjahres hierzulande auf der Kippe und damit mehr als vor Jahresfrist (143.000), wie Creditreform schätzt. Die Schadenssumme lag mit geschätzten 28,5 Milliarden Euro dagegen etwas unter dem Wert des Vorjahreszeitraums (31,2 Mrd Euro).

Auch viele Verbraucher in finanzieller Schieflage

Auch immer mehr Privathaushalte, die zuletzt mit wieder kräftiger steigenden Verbraucherpreisen zu schaffen hatten, geraten in finanzielle Not: Im ersten Halbjahr 2026 zählte Creditreform 38.800 Verbraucherinsolvenzen und damit 2,3 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Der Anstieg fiel jedoch geringer aus als in den beiden Vorjahren und erreichte nicht das Niveau früherer Jahre.

„Zwar belasten die gestiegenen Lebenshaltungskosten und die Inflation viele Verbraucher, der deutsche Arbeitsmarkt zeigt sich jedoch immer noch weitgehend robust, auch wenn zunehmend insbesondere im verarbeitenden Gewerbe gut bezahlte Stellen abgebaut wurden“, analysiert die Auskunftei.

Amtliche Zahlen bestätigen Trend

Für das erste Quartal meldeten die Amtsgerichte Zahlen des Statistischen Bundesamtes zufolge 6.275 beantragte Unternehmensinsolvenzen und damit 6,5 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Im Gesamtjahr 2025 waren amtlichen Zahlen zufolge so viele Unternehmen in Deutschland in die Pleite gerutscht wie seit 2014 nicht: 24.064. Schon 2023 und 2024 hatte die Zahl der Firmenpleiten deutlich zugelegt, nachdem die staatlichen Hilfen aus der Corona-Pandemie ausgelaufen waren, die vielen Betrieben das Überleben gesichert hatten.

Veröffentlicht nach den redaktionellen Standards des Handelsblatts. Mehr Informationen finden Sie in unseren Richtlinien. Mehr Qualität in Ihren Suchergebnissen

Worauf zu achten ist

KI-Ausblick — Möglichkeiten, keine Fakten

  • Die Zahl der Firmenpleiten in Deutschland wird weiter steigen.

    Wahrscheinlich · Innerhalb von Monaten

  • Eine Stabilisierung der Insolvenzzahlen ist frühestens 2027 zu erwarten.

    Möglich · Innerhalb von Jahren

Offene Fragen

  • Wann genau wird die Wirtschaft wieder wachsen?
  • Welche weiteren Unternehmen werden von der Pleitewelle betroffen sein?
  • Wie wird sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt weiterentwickeln?

Verwandte Themen

This article was originally published by Handelsblatt.

Ähnliche Meldungen

Mehr zu diesem ThemaInsolvenz