Deutschland meldet neuen Temperaturhöchstwert von 41,3 Grad Celsius
Hitzewelle führt zu Rekordtemperaturen in mehreren Bundesländern, Beeinträchtigungen im Verkehr und Umweltproblemen; Kernkraftwerk in der Schweiz heruntergefahren.
Auf einen Blick
- Deutschland verzeichnet mit 41,3 Grad Celsius einen neuen Temperaturrekord.
- Die extreme Hitze führt zu Höchstwerten in mehreren Bundesländern, Zugausfällen, Niedrigwasserständen im Bodensee, drohendem Fischsterben in der Mosel und Überlastung der Krankenhäuser.
- Auch die Schweiz und Großbritannien melden Rekorde, wobei in der Schweiz ein Kernkraftwerk heruntergefahren wurde.
KI-generierte Zusammenfassung
Warum es wichtig ist
Am Freitag wurde in Saarbrücken mit 41,3 Grad Celsius die höchste Temperatur in Deutschland seit Beginn der Aufzeichnungen gemessen, was die bisherigen Rekorde von 2019 und 2022 übertraf. Wissenschaftler verbinden die Hitzewelle eindeutig mit dem Klimawandel.
41,3 Grad Celsius gemessen – neuer Temperaturhöchstwert in Deutschland
Mit 41,3 Grad ist am Freitag die bislang höchste Temperatur in Deutschland überhaupt registriert worden. Der Rekordwert wurde gegen 17.00 Uhr in Saarbrücken gemessen, wie eine Sprecherin des Deutschen Wetterdienstes (DWD) der Nachrichtenagentur AFP sagte. Bisher lag die Höchstmarke bei 41,2 Grad – gemessen 2019 in den nordrhein-westfälischen Gemeinden Tönisvorst und Duisburg-Baerl.
Temperaturrekorde in Hessen, Bayern, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz
In mehreren deutschen Bundesländern sind nach vorläufigen Daten des Deutschen Wetterdienstes (DWD) am Freitag neue Höchsttemperaturen gemessen worden. In der hessischen Metropole Frankfurt wurden demnach 40,3 Grad erreicht. Damit wurde der bisherige Rekord an einer DWD-Wetterstation in Hessen von 40,2 Grad aus dem Juli 2019 in Frankfurt übertroffen.
In Bayern hat der DWD nach vorläufigen Angaben mit 40,8 Grad im unterfränkischen Kitzingen die höchste Temperatur registriert, die jemals in Bayern gemessen wurde.
Auch Baden-Württemberg erreicht den Höchstwert seit Beginn der Aufzeichnung der Wetterdaten: In Waghäusel-Kirrlach im Landkreis Karlsruhe sind am Freitag 40,6 Grad gemessen worden, wie der DWD mitteilte. Der bisherige Temperaturrekord lag bei 40,3 Grad am 20. Juli 2022 in Bad Mergentheim (Main-Tauber-Kreis).
Rheinland-Pfalz hat nach Daten des DWD ebenfalls seinen Temperaturrekord geknackt. Am Freitag sind in Bad Kreuznach 40,7 Grad gemessen worden. Damit wurde der bisherige Rekord von 40,6 Grad aus dem Jahr 2019 in Trier übertroffen.
Neuer Hitzerekord in der Schweiz – Kernkraftwerk Beznau heruntergefahren
Auch in der Schweiz ist am Freitag mit 38,8 Grad ein neuer Hitzerekord für den Monat Juni verzeichnet worden. „Die Hitze geht unvermindert weiter“, erklärte der Wetterdienst Meteoschweiz im Onlinedienst X. Demnach war es an der Wetterstation Basel/Binningen sogar „mit 38,8 Grad so heiß wie noch nie seit Messbeginn im Jahr 1897“. Erst am Donnerstag hatte die Schweiz den bisherigen Juni-Rekord von 36,9 Grad aus dem Jahr 1947 gebrochen.
Wegen der starken Hitze wurden am Freitagnachmittag die beiden Reaktoren des Schweizer Kernkraftwerkes Beznau in der Nähe zur deutschen Grenze heruntergefahren. Damit solle ein weiterer Temperaturanstieg der Aare, mit deren Wasser die Reaktoren gekühlt werden, verhindert werden, teilte der Energiekonzern Axpo mit. Sowohl am Donnerstag als auch am Freitag habe die Wassertempreatur 25 Grad betragen. „Eine ausreichende Abkühlung ist nicht in Sicht."
In der Schweiz sind noch vier alte Atomreaktoren in Betrieb. Zwei von ihnen, die Anlagen Beznau 1 und Beznau 2, sollen in den Jahren 2033 beziehungsweise 2032 abgeschaltet werden. Das Akw Beznau liegt nahe der deutschen Grenze. Der dortige Reaktor 1 ist seit 1969 in Betrieb und damit der älteste noch laufende Atomreaktor der Welt.
Kurzschluss und Brand am Stuttgarter Hauptbahnhof
Ein Kurzschluss an einer Oberleitung hat den Bahnverkehr am Stuttgarter Hauptbahnhof zeitweise stark beeinträchtigt. Nach Angaben der Deutschen Bahn waren zwischenzeitlich 12 von 16 Gleisen in dem Kopfbahnhof gesperrt. „Jetzt sind alle wieder offen und können angefahren werden“, sagte ein Unternehmenssprecher.
Die Sperrung hatte deutliche Folgen für den Nah- und Fernverkehr. Die S-Bahn Stuttgart teilte auf X mit, die Sperrung betreffe den gesamten innerstädtischen Verkehr im S-Bahn-Netz. Auf allen Linien gebe es massive Störungen. Rund 45 Minuten nach dem Zwischenfall fuhren demnach die ersten S-Bahnen wieder. Der Fernverkehr wurde zwischenzeitlich über Esslingen umgeleitet.
Die Feuerwehr Stuttgart wurde gegen 15.10 Uhr von der Deutschen Bahn wegen eines Kabelbrandes alarmiert. Weitere Notrufe gingen demzufolge parallel ein. Wegen einer zunächst unklaren Lage seien viele Einsatzkräfte von Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei zum Hauptbahnhof gerufen worden.
Vor Ort stellte die Feuerwehr den Angaben nach einen Vegetationsbrand im Gleisvorfeld fest. Dieser sei von Bahnmitarbeitern bereits gelöscht worden. Die Feuerwehrleute führten Nachlöscharbeiten durch. Gegen 16.45 Uhr sei der Einsatz beendet gewesen. Die Bundespolizei ermittelt zur Brandursache.
475 Passagiere aus Regionalzug evakuriert – zwei Personen mit Kreislaufproblemen
Ein Regionalzug mit defekter Klimaanlage ist bei Bonn wegen einer technischen Störung liegen geblieben. Der Zug mit etwa 475 Passagieren sei evakuriert worden, sagte ein Sprecher der Bundespolizei.
Zwei Menschen hätten wegen der Hitze Kreislaufprobleme erlitten, einer von ihnen sei in ein Krankenhaus gebracht worden. Eine weitere Person habe sich beim Aussteigen leicht verletzt. Rund 350 Passagiere seien mit Bussen zum Hauptbahnhof gebracht worden, die anderen seien auf andere Weise weitergereist.
Der Regionalzug sei am späten Nachmittag zwischen Bonn-Bad Godesberg und Bonn Hauptbahnhof zum Halten gekommen. Außer der Klimaanlage seien auch die Bremsen und der Kompressor kaputt gewesen. Im Rheinland liegt die Außentemperatur derzeit bei 38 Grad. Gegen 18.30 Uhr sei der Einsatz beendet gewesen.
Extreme Hitze in Großbritannien hält an – drei Mal in Folge ein neuer Temperaturhöchstwert
Großbritannien hat am Freitag den dritten Tag in Folge einen neuen Temperaturhöchstwert für den Monat Juni verzeichnet. In Wattisham in der Grafschaft Suffolk im Südosten Englands wurden 36,9 Grad gemessen, wie die Wetterbehörde Met Office mitteilte. „Und die Temperaturen steigen weiter“, erklärte sie im Onlinedienst X. Am Vortag war das Thermometer in Merryfield in der Grafschaft Somerset im Südwesten Englands auf 36,7 Grad gestiegen.
Seit Mittwoch gilt wegen „extremer Hitze“ die Alarmstufe Rot. Sie wurde am Freitag bis Sonntagmorgen 9.00 Uhr (Ortszeit, 10.00 Uhr MESZ) für den Südwesten und Südosten Englands einschließlich der Hauptstadt London verlängert.
Bund Naturschutz: „Es droht ein Massensterben“
Durch die aktuelle Hitze trocknen in Bayern derzeit Moore, Quellen und Tümpel aus. Der Bund Naturschutz warnt deshalb mit deutlichen Worten: „Unsere Feuchtgebiete in Bayern sind in größter Not“, teilte BN-Chef Martin Geilhufe mit. „Wo Moore austrocknen und Quellen und Tümpel versiegen, sterben ganze Lebensgemeinschaften. Amphibien, Wasserinsekten wie Libellen, Wasserkäfer und viele weitere Arten sind in akuter Gefahr – es droht ein Massensterben.“
Französisches Gesundheitsministerium: „Besorgt über Todesfälle zu Hause“
Nach einer Woche mit Extremtemperaturen rechnet die französische Regierung damit, dass zahlreiche Menschen wegen der Hitze in ihren eigenen vier Wänden ums Leben gekommen sind. „Wir sind besorgt über landesweite Todesfälle zu Hause“, erklärte das Gesundheitsministerium am Freitag.
Die jüngste Hitzewelle hat in ihrer Ausdehnung und Intensität bereits eine Hitzewelle von 2003 übertroffen, die in Frankreich zu 15.000 Todesfällen geführt hatte.
„Viele Menschen sterben, bevor sie es ins Krankenhaus schaffen“, sagte Philippe Juvin, Chef einer Pariser Notaufnahme. In seinem Krankenhaus sei die Lage „sehr ernst“. Der Zustrom von Patienten reiße nicht ab.
Paris: Supermärkte liefern Eiswürfel an Rettungskräfte
Angesichts der extremen Hitzewelle stellen mehrere französische Supermarktketten den Rettungskräften in Paris Eiswürfel und Kühlräume zur Verfügung, um Hitzepatienten versorgen zu können. Etwa 20 Tonnen Eiswürfel lagerten derzeit in einer Eissportarena, teilte die Pariser Feuerwehr am Freitag mit. Die Supermarktkette Carrefour ließ – von einer Polizeieskorte begleitet – vier Tonnen Eis aus einem Lager im Umland von Paris in die Hauptstadt bringen, wie Carrefour-Chef Alexandre Bompard mitteilte.
Die auf Tiefkühlprodukte spezialisierte Kette Picard stellte den Pariser Rettungskräften Kühlräume zur Verfügung. Das Eis wird benötigt, um Patienten zu versorgen, die einen Hitzschlag erlitten haben. In Paris herrschten am Donnerstag Temperaturen von bis zu 42 Grad, die Krankenhäuser waren überlastet.
Bahn warnt vor Weichenschäden
Die Bahn bietet an, gebuchte Fernverkehrsfahrten für die Tage bis zum 30. Juni kostenfrei zu stornieren – eine sogenannte erstmalige Hitze-Sonderkulanz. „Allen, die in dieser extremen Wetterlage auf ihre Fahrt verzichten können, legen wir die Sonderregelung zur Stornierung nahe“, hieß es von der Bahn. Weichen sowie Leit- und Sicherheitstechnik können bei den hohen Temperaturen und stundenlanger direkter Sonneneinstrahlung Schaden nehmen. Das kann zu weiteren Problemen auf dem ohnehin stark störanfälligen Netz der Bahn führen.
Bodensee auf historisch niedrigstem Juni-Stand
Das Wasser im Bodensee steht so niedrig wie noch nie im Monat Juni. Laut dem Zweckverband Bodensee-Wasserversorgung betrug der Wasserstand am Pegel Konstanz zuletzt 3,30 Meter. Es werde angesichts der Hitze der letzten Tage mehr Trinkwasser nachgefragt und die Wasserabgabe steige deutlich, wie eine Sprecherin sagte. Die Versorgung im Verbandsgebiet sei aber nicht gefährdet. In 60 Meter Tiefe, wo das Wasser gefördert werde, sei ausreichend Wasser vorhanden.
Laut früheren Angaben der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) steigt der Wasserstand im größten deutschen See in normalen Jahren ab Anfang April langsam und stetig. Zuletzt hatte er aber sogar Wasser verloren. Der aktuelle Wert liege mittlerweile rund einen Meter unter dem langjährigen Mittelwert von 4,32 Metern, hatte die LUBW diese Woche mitgeteilt.
In der Mosel droht ein Fischsterben
Die hohen Wassertemperaturen in der Mosel haben den Sauerstoffgehalt vor allem am Oberlauf des Flusses so sinken lassen, dass dort ein Fischsterben droht. Das teilte das Umweltministerium in Mainz mit. Im Bereich von Palzem im Landkreis Trier-Saarburg liegt die Sauerstoffkonzentration im Wasser demnach mit 2,6 Milligramm pro Liter unter der für Fische kritischen Marke von 3 Milligramm. „An der Obermosel können wir ein Fischsterben nicht ausschließen“, erklärte Landwirtschafts- und Umweltministerin Christine Schneider (CDU).
Die höchsten Wassertemperaturen erreichten sowohl Mosel als auch Rhein laut der Informationsplattform Undine der Bundesanstalt für Gewässerkunde am Freitag um 7.00 Uhr mit 28 Grad in Koblenz, wo beide Flüsse zusammenfließen.
Marburger Bund: Krankenhäuser nicht auf Hitze vorbereitet
Deutschlands Krankenhäuser sind nach Einschätzung des Marburger Bundes schlecht auf Hitzewellen vorbereitet. Nur ein Drittel der Häuser verfüge über klimatisierte Patientenzimmer, sagte die Vorsitzende der Ärztegewerkschaft, Susanne Johna, am Freitag im ZDF-Morgenmagazin. Operationssäle und Radiologie seien aus technischen Gründen gekühlt, erläuterte sie. Und auch die meisten Intensivstationen seien mittlerweile klimatisiert. „Aber dann hört es auch schon fast auf.“ Teilweise würden Angehörige aufgefordert, Kühl-Akkus mitzubringen, um den Patienten Erleichterung zu verschaffen. Ventilatoren seien aus hygienischen Gründen in vielen Krankenhausbereichen problematisch.
Johna forderte Politik, Architekten und auch Klinikketten dazu auf, Hitzewellen stärker bei der Planung von Gebäuden zu berücksichtigen. Die Bundesländer kämen ihrer Pflicht zur vollständigen Finanzierung der Investitionskosten seit Jahrzehnten nicht nach, sagte sie. „Wir bräuchten natürlich im Wesentlichen Raumlufttechnik und dort, wo Patientinnen und Patienten sind, doch mindestens eine Außenbeschattung der Fenster“, sagte die Gewerkschaftsvorsitzende weiter. Selbst bei Neubauten werde das oft nicht mitbedacht. „Scheinbar zählt da manchmal mehr die Repräsentativität als die Vernunft.“
Worauf zu achten ist
KI-Ausblick — Möglichkeiten, keine Fakten
Die Reaktoren Beznau 1 und Beznau 2 werden in den Jahren 2033 bzw. 2032 abgeschaltet.
Sicher · Innerhalb von Jahren
Die Deutsche Bahn wird Fernverkehrsfahrten bis zum 30. Juni kostenfrei stornieren können.
Sicher · Innerhalb von Tagen
Offene Fragen
- Wie viele Menschen sind in Frankreich tatsächlich an der Hitze gestorben?
- Wie werden die Kommunen auf die Forderung nach besserer Vorbereitung reagieren?
- Welche langfristigen Auswirkungen hat das Niedrigwasser auf den Bodensee?


