Erdbeben in Venezuela: Verzweiflung und Wut nach Katastrophe
Auf einen Blick
- Nach einem verheerenden Doppelerdbeben in Venezuela suchen Angehörige verzweifelt nach Vermissten.
- Offizielle Opferzahlen werden angezweifelt, während die Regierung für Korruption und späte Hilfe kritisiert wird.
- Eine Frau hofft vergeblich auf die Rettung ihres Sohnes.
KI-generierte Zusammenfassung
Warum es wichtig ist
Ein verheerendes Doppelerdbeben hat die Küstenregion Venezuelas verwüstet. Die Region ist geologisch instabil, und die Katastrophe wird durch Korruption und mangelhafte Baupolitik verschärft.
Aura Milena Rodríguez steht vor den Trümmern ihres Hauses. Die Palmen sind noch da, die Hauswände sind eingestürzt, im Swimmingpool schwimmt Schutt. Es muss einmal schön gewesen sein hier, in der Stadt La Guaira, an der Karibikküste Venezuelas – bis vor zwei Wochen das größte Erdbeben seit mehr als hundert Jahren die Region verwüstet hat. Aura Milena Rodríguez, Anfang fünfzig, mit dunklen Locken unter ihrer Cap, spricht gefasst mit der Reporterin der ZEIT, doch in ihren Augen liegt Verzweiflung. »Ich habe die Hoffnung, dass ich meinen Sohn mitnehmen kann«, sagt sie. »Er ist 25 Jahre. Er heißt José Miguel González Rodríguez.«
Es ist der zwölfte Tag nach dem verheerenden Doppelerdbeben. Offizielle Statistiken zählen 3.685 Tote. Doch allein angesichts der Vielzahl an eingestürzten Hochhäusern dürften es sehr viel mehr sein. Viele Menschen suchen noch immer nach ihren Angehörigen. Sie sind verzweifelt, aber auch wütend über eine Regierung, die zu spät reagiert hat und wenig auf die Beine stellt, um das Leid zu lindern.
Aber es ist nicht nur die Naturkatastrophe, die für das Ausmaß des Leids verantwortlich ist. Es sind auch die Folgen einer verantwortungslosen Baupolitik, von Korruption und Nachlässigkeit. Die Interimsregierung von Trumps Gnaden, die seit dem Kidnapping von Nicolás Maduro das Land führt, streitet jede Mitverantwortung für das Desaster ab. Politisch scheint der Ausnahmezustand der De-facto-Präsidentin Delcy Rodríguez sogar zu nutzen. Er hilft ihr dabei, an der Macht zu bleiben.
Am achten Tag kamen mexikanische Rettungskräfte
Aura Milena Rodríguez war am 24. Juni um 18.04 Uhr, als die Erde zweimal bebte, in einem Supermarkt ganz in der Nähe, sie arbeitet dort. Rodríguez erzählt, wie sie mit den anderen Angestellten hinauslaufen konnte – und weiter zu ihrem Haus, schreiend, den Namen ihres Sohnes rufend. Die beiden lebten im dritten Stock des Apartmenthauses. Vier Menschen habe Rodríguez an dem Tag mit den Nachbarinnen und Nachbarn lebendig aus den Trümmern gezogen. An die anderen kamen sie nicht heran, es fehlte schweres Räumgerät. In einem Instagram-Video, das am 30. Juni aufgenommen wurde, fleht sie um Hilfe: »Wir brauchen Maschinen, bitte helft uns, ich möchte meinen Sohn zurück, er ist alles, was ich habe!«
Am dritten Tag kamen Leute mit Sonden und stellten fest: Es gibt noch Bewegung in den Trümmern. Dann gingen sie wieder. Eine Woche lang gruben die Hausbewohnerinnen und -bewohner mit Händen und Schaufeln nach weiteren Opfern, sieben Verschüttete haben sie tot bergen können. Am achten Tag kamen endlich mexikanische Rettungskräfte mit Baggern und Meißeln und haben eine weitere tote Frau geborgen. Jetzt fehlt noch deren Ehemann. Und Aura Milena Rodríguez’ Sohn. »Vernünftigerweise kann ich jetzt nicht mehr glauben, dass er noch am Leben ist«, sagt sie.
Im Boden unter Venezuela treffen die karibische und die südamerikanische tektonische Platte aufeinander, die Region ist ein Erdbebengebiet. Das Doppelerdbeben, das in kurzer Folge mit Magnituden von 7,2 bis 7,5 die Küstenstädte La Guaira und Catia La Mar zerstörte, war das schwerste Beben seit dem Jahre 1900.
Offene Fragen
- Wie viele Menschen werden noch vermisst?
- Wird die Regierung Hilfe leisten?
- Wer ist für die verantwortungslose Baupolitik verantwortlich?

