EZB-Pressekonferenz: Lagarde verteidigt Zinserhöhung und blickt auf KI und Irankrieg
Auf einen Blick
- Die EZB erhöht die Zinsen einstimmig, um der Inflation entgegenzuwirken, die durch den Irankrieg angeheizt wird.
- Lagarde betont die Unsicherheit des Ausblicks und die Notwendigkeit, die Wirtschaft vor KI-Angriffen zu schützen.
KI-generierte Zusammenfassung
Warum es wichtig ist
Die EZB hat ihre Zinsen erhöht, um der steigenden Inflation entgegenzuwirken. Die Entscheidung fiel einstimmig, obwohl die genaue Höhe des neutralen Zinssatzes aufgrund externer Schocks wie dem Irankrieg schwer zu bestimmen ist. Die EZB veröffentlicht nun drei Szenarien für die Entwicklung des Krieges.
Timm Seckel
Die Pressekonferenz ist beendet, vielen Dank für Ihr Interesse.
Timm Seckel
Lagarde erwartet, dass die jüngsten KI-Entwicklungen erst der Beginn einer ganzen Welle an technologischen Neuerungen sein werden. Das betreffe sowohl die Notenbanken als auch die Geschäftsbanken in der Euro-Zone. Alle müssten sicherstellen, dass die technischen Systeme gegen Angriffe mit KI-Anwendungen gerüstet sind. Nicht alle Banken und Einrichtungen hätten Zugang zu den neuesten Modellen, eine Absicherung sei aber dennoch möglich.
Timm Seckel
Eine italienische Journalistin weist darauf hin, dass die EZB nicht länger davon schreibe, die Inflationserwartungen seien „stabil verankert“. Lagarde erklärt dazu, dass die kurzfristigen Inflationserwartungen vor allem bei Verbrauchern deutlich gestiegen seien. Langfristig erwarteten Haushalte, Firmen und Märkte allerdings weiterhin, dass die Teuerung zum Zwei-Prozent-Ziel zurückkehrten.
Timm Seckel
Lagarde verteidigt die Zinserhöhung erneut mit deutlichen Worten. Angesichts der aktuellen Erwartung, dass sich die Inflation möglicherweise erst 2028 wieder am Zwei-Prozent-Ziel bewege, könne man nicht von einer Entscheidung der „Absicherung“ sprechen. Vielmehr sei sie angesichts der Daten unausweichlich gewesen.
Timm Seckel
„Wir sehen, dass sich die Inflation langsam in der Wirtschaft ausbreitet“, antwortet Lagarde auf eine Frage. Die EZB werde nun genau darauf achten, wie sich etwa die Lieferketten und Zahlungsströme im Euro-Raum entwickelten.
Timm Seckel
Die Notenbanker haben nicht darüber gesprochen, wo aktuell der sogenannte „neutrale Zins“ liegt. Auf diesem Niveau, so die Theorie, beeinflusst die Geldpolitik die Volkswirtschaft weder in die eine noch in die andere Richtung. Es sei aktuell ohnehin schwer möglich, den neutralen Zins zu bestimmen, weil Schocks durch den Irankrieg die Ergebnisse geldpolitischer Modelle verzerrten.
Timm Seckel
„Wir sehen derzeit noch keine Zweitrundeneffekte“, sagt Lagarde auf die Frage, ob sich durch die Inflation gestiegene Löhne bereits als zusätzlicher Antrieb für die Teuerung zeigen. Sie schließt aber nicht aus, dass sich das bald ändern könnte.
Timm Seckel
Die EZB veröffentlicht nun drei statt zwei Szenarien: eines für einen milden Verlauf, eines für einen mittleren Verlauf und eines für einen schweren Verlauf des Irankriegs. Die Zinserhöhung wäre auch dann gekommen, wenn die Notenbank nur auf das mildeste Szenario geschaut hätte, sagt Lagarde. Sie versucht klarzumachen: Wir hatten keine Wahl.
Timm Seckel
Es ist üblich, dass sich die EZB darauf zurückzieht, bei jedem Treffen des obersten Zinsgremiums neu und allein auf Grundlage aktueller Daten zu entscheiden. Lagarde fügt aber hinzu, dass diese Zinserhöhung entgegen anderslautender Medienberichte keine „Absicherung“ war – sondern eine unmittelbare Folge des Irankriegs. Der Schock auf dem Energiemarkt habe sich deutlich ausgewirkt, sodass die neuen Szenarien keine andere Wahl gelassen habe.
Bloomberg
Timm Seckel
Die Entscheidung, die Zinsen zu erhöhen, war einstimmig, sagt Lagarde. Über andere Optionen sei nicht diskutiert worden, die Notenbanker seien sich absolut einig gewesen.
Timm Seckel
Lagarde betont, wie unsicher der aktuelle Ausblick ist. Ein langer oder gar noch intensiverer Irankrieg könnte die Inflation stärker erhöhen und das Wachstum stärker verringern als gedacht. Sollte der Krieg schneller enden, wären die Effekte naturgemäß weniger stark.
Timm Seckel
Die EZB geht weiter davon aus, dass die Löhne in der Euro-Zone sich moderat entwickeln und nicht maßgeblich zu einer höheren Teuerung beitragen. Die höheren Energiepreise dürften allerdings Firmen dazu zwingen, ihre Verkaufspreise anzuheben, sodass die Inflation bis mindestens in die erste Hälfte des Jahres 2027 deutlich oberhalb des Zwei-Prozent-Ziels bleiben werde, erwartet Lagarde.
Die EZB-Chefin betont, dass alle diese Erwartungen vom Irankrieg abhängen. Je länger dieser dauert, desto stärker werden die Auswirkungen auf das Preisniveau, erwarten die Notenbanker.
Timm Seckel
Lagarde betont einerseits, dass politische Schritte zur Unterstützung der europäischen Wirtschaft dringend nötig seien. Gleichzeitig sollten fiskalische Interventionen, die die Energiepreise für Firmen und Haushalte künstlich verringern, begrenzt bleiben – auch, um die Staatshaushalte nicht zu sehr zu belasten.
Timm Seckel
Die Wirtschaft in der Euro-Zone zeige sich nach wie vor robust, sagt Lagarde. Rechnet man Irland heraus, wuchs das BIP zuletzt, die Arbeitslosigkeit ist nach wie vor niedrig und die Haushalte stehen finanziell solide dar. Während höhere Energiepreise die wirtschaftliche Aktivität zu bremsen drohen, helfen die staatlichen Ausgaben für Verteidigung und Infrastruktur.
Timm Seckel
Erstmals ist der neue kroatische EZB-Vizepräsident Boris Vucic mit Christine Lagarde bei einer Pressekonferenz. Sie verliest nun die schriftliche Erklärung, mit der die Notenbank die Zinserhöhung begründet. „Der Ausblick bleibt unsicher“ ist die Kernbotschaft Lagardes.
Worauf zu achten ist
KI-Ausblick — Möglichkeiten, keine Fakten
Die Inflation wird bis mindestens in die erste Hälfte des Jahres 2027 deutlich oberhalb des Zwei-Prozent-Ziels bleiben.
Sehr wahrscheinlich · Langfristig
Die EZB wird die Entwicklung der Lieferketten und Zahlungsströme im Euro-Raum genau beobachten.
Sehr wahrscheinlich · Mittelfristig
Die technischen Systeme von Banken und Finanzinstitutionen müssen gegen Angriffe mit KI-Anwendungen gerüstet werden.
Sehr wahrscheinlich · Mittelfristig
Offene Fragen
- Wie stark werden die "Zweitrundeneffekte" der Inflation auf die Löhne ausfallen?
- Welche spezifischen Maßnahmen werden die Regierungen zur Unterstützung der Wirtschaft ergreifen?
- Wie werden sich die KI-Entwicklungen konkret auf die Finanzsysteme auswirken?
- Wann wird die Inflation voraussichtlich wieder das Zwei-Prozent-Ziel erreichen, falls der Irankrieg mild verläuft?






