FIFA führt Halbzeit-Show bei WM-Finale ein: Kritik und Anpassung
Die Verlängerung der Halbzeitpause auf über 25 Minuten für eine Show sorgt für Diskussionen und Vergleiche mit dem Super Bowl.
Auf einen Blick
- Die FIFA führte beim WM-Finale in East Rutherford erstmals eine Halbzeit-Show ein, die die Pause auf über 25 Minuten verlängerte.
- Dies, inspiriert vom NFL Super Bowl, stieß auf Kritik von Trainern wie Nestor Lorenzo, während Spaniens Trainer Luis de la Fuente es als mögliche Zukunft des Fußballs akzeptierte.
KI-generierte Zusammenfassung
Warum es wichtig ist
Die FIFA führte beim WM-Finale 2024 erstmals eine Halbzeit-Show ein, die die übliche 15-minütige Pause auf über 25 Minuten verlängerte, inspiriert vom NFL Super Bowl.
Nach 27 Minuten und 22 Sekunden rollte der Ball wieder auf dem Rasen in East Rutherford. Deutlich länger als üblich mussten die 22 Fußballspieler aus Spanien und Argentinien warten, bis sie das Finale der Weltmeisterschaft am Sonntag, das um 15.06 Uhr Ortszeit sowieso mit sechs Minuten Verspätung begonnen hatte, mit der zweiten Halbzeit fortsetzen durften. Nicht, weil Unvorhergesehenes passierte, sondern weil der Weltverband FIFA es wollte: um erstmals eine Halbzeit-Show bei einem WM-Endspiel zu präsentieren.
Als Schiedsrichter Slavko Vinčić um 15.55 Uhr die erste Hälfte beendete, begann der Countdown auf den vier Videowänden: „Don't miss the show!“ Verpasst die Show nicht! Genau vier Minuten nach dem Abpfiff wurde eine bunte Plane auf den Rasen gezogen, die den gesamten Platz bedeckte. Drei Minuten danach begann die Show, natürlich präsentiert von einem Sponsor. Laut FIFA sollte die eigentliche Show elf Minuten dauern, es wurden zwölf.
Coldplay-Sänger Chris Martin hatte die Stars für die WM-Show ausgesucht: die amerikanische Sängerin Madonna, die südkoreanische Gruppe BTS, der kanadische Sänger Justin Bieber, die kolumbianische Musikerin Shakira, der nigerianische Musiker Burna Boy, der venezolanische Dirigent Gustavo Dudamel und PS22, ein Grundschulchor der Public School 22 aus New York.
Für die Rasenpflege, die üblicherweise in den Stadien in den Halbzeitpausen betrieben worden war, blieb kaum Zeit. Sonst gehen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über das Grün, legen herausgerissene Rasenstücke an ihre Positionen. Auch das Wässern, das aufgrund der Hitze und Trockenheit bei diesem Turnier ein enorm wichtiges Thema war, fiel sehr kurz aus.
Abgeschaut hatte sich die FIFA das beim Super Bowl der National Football League (NFL). Wenn die größte Footballliga ihr größtes Spiel austrägt, gehört die Halftime Show seit der ersten Ausgabe 1967 zum Programm. Sie begann im kleinen Rahmen, seit 1993 allerdings Popstar Michael Jackson auftrat, wurde die Show immer opulenter. Das zahlt sich für die NFL aus. Selbst Zuschauer, die sonst keine NFL verfolgen, schalten ein, um die Show mit prominenter Besetzung zwischen den Halbzeiten nicht zu verpassen.
Dadurch können die TV-Sender die Werbeblöcke im direkten Umfeld der Show noch teurer verkaufen. Und nicht zuletzt bedeutet ein Auftritt für die Künstler in so einer Show beim Super Bowl eine enorme Reichweite, jedoch mit Folgen für die Spieler. Die Pause dauert bei regulären Saisonspielen 13 Minuten – beim Super Bowl aufgrund der Halftime Show allerdings rund doppelt so lange. Wobei die eigentliche Show meist auf die Hälfte dieser Zeit beschränkt ist, der Rest wird für den Auf- und Abbau benötigt.
Die Show beim WM-Finale ist ein weiterer Schritt zur Amerikanisierung des Fußballs, der während des Turniers schon zu beobachten war. Die FIFA führte zur Hälfte der Halbzeit jeweils eine verpflichtende Trinkpause ein, die „Hydration Break“, egal, ob es im Stadion 38, 28 oder nur 18 Grad Celsius waren, egal, ob die Sonne knallte, es regnete oder gar dunkel war. Damit nahm sie dem Fußballspiel das Merkmal, das ihn mehr als alle anderen von den amerikanischen Sportarten unterscheidet: den Fluss des Spiels.
Trotz der Trinkpausen dauerten die Halbzeitpausen maximal eine Viertelstunde. Das war am Sonntag anders. Dabei legt das International Football Association Board (IFAB), die Regelhüter des Fußballs, in seinem Regelwerk fest, dass die Halbzeitpause 15 Minuten nicht überschreiten darf und dass diese Pause „nur mit Erlaubnis des Schiedsrichters geändert werden darf“. Slavko Vinčić sorgte also genau genommen dafür, dass Spanier und Argentinier erst nach rund 25 Minuten auf den Rasen zurückkehrten.
Was sich außer der Länge der Unterbrechung für sie änderte, wird sich zeigen, wenn sie nach dem Finale darüber reden. Aus der NFL sind indes Erfahrungen bekannt. Manche Trainer legten ins Training extra eine Pause von 30 Minuten, damit sich die Spieler daran gewöhnen. Andere wiederum kamen erst verspätet in die Kabine und begannen danach ihren Routineablauf bis zum Wiederbeginn. Manche Spieler wiederum gingen unter die Dusche. Und einige lugten sogar um die Ecke – um die Halftime Show auch zu sehen.
Auch der Fußball hat erste Erfahrungen mit Showelementen in der Halbzeit gesammelt. Die FIFA probte bei der Klub-WM im vergangenen Jahr, auch beim Finale. Seinerzeit war eine Bühne indes auf der Tribüne des Stadions in East Rutherford, in dem nun auch das WM-Endspiel gespielt wird, aufgebaut. Die Show dauerte zehn Minuten, die Pause aber dennoch 24 Minuten. Noch zwei Minuten länger mussten Argentinien und Kolumbien im Finale der Copa América im Jahr 2024 warten nach dem Auftritt von Shakira in Miami.
Das brachte Kolumbiens Trainer Nestor Lorenzo, der mit seiner Mannschaft nach einer Verlängerung 0:1 verlor, schon vorher in Rage. „Ich finde, die Halbzeitpause sollte 15 Minuten betragen, so sind die Regeln“, sagte er und spielte auf eine Geldstrafe an, die seine Mannschaft einst bekam, weil sie „16 Minuten später auf den Platz zurückkehrte“. Nun aber, „wegen des Konzerts, sollen wir anscheinend 20 bis 25 Minuten später wieder rauskommen“. Er sorgte sich durch die lange Pause um die Gesundheit seiner Spieler.
Auch im deutschen Fußball gab es den Versuch, musikalische Unterhaltung und Sport zu verbinden – mit einem verheerenden Echo. Sängerin Helene Fischer trat beim DFB-Pokalfinale 2017 zwischen Borussia Dortmund und Eintracht Frankfurt in der Halbzeit auf. Die Bühnenshow wurde von vielen der 75.000 Zuschauer im Olympiastadion in Berlin von lauten Pfiffen übertönt. Das richtete sich weniger gegen Fischer; es war ein Protest gegen die Eventisierung des Fußballs. Der DFB schaffte das Element wieder ab.
Spaniens Trainer Luis de la Fuente reagierte schon am Freitag anders. Er nahm die Show schlicht als Teil des Spiels hin. „Ich glaube, dass all das, was wir heute noch als seltsam oder ungewöhnlich empfinden – Trinkpausen, die 30-minütige Halbzeitpause – vielleicht in 30 Jahren zur Normalität gehören“, sagte er. Seine Spieler seien auf die längere Pause eingestellt. „Vielleicht entwickelt sich der Fußball in diese Richtung. Wir wissen es nicht. Es ist, wie es ist. Wir können das nicht ändern, also müssen wir es einfach genießen.“
Nicht viele der später anwesenden 80.663 Zuschauer genossen eine weitere Show vor der Show. 85 Minuten vor dem Anpfiff hatte die FIFA ihre übliche, zehnminütige WM-Abschlusszeremonie auf dem Rasen angesetzt mit Post Malone und dem YouTuber IShowSpeed. Und kurz vor Anpfiff gab es einen Auftritt von Robbie Williams, Nicole Scherzinger und Laura Pausini, zudem sang Grammy-Gewinnerin Jennifer Hudson die US-Nationalhymne.
Worauf zu achten ist
KI-Ausblick — Möglichkeiten, keine Fakten
Die verlängerte Halbzeitpause und Trinkpausen könnten in 30 Jahren zur Normalität im Fußball gehören.
Spekulativ · Innerhalb von Jahren
Offene Fragen
- Wie werden die Spieler und Trainer langfristig auf die verlängerten Pausen reagieren?
- Wird die FIFA diese Praxis bei zukünftigen Turnieren beibehalten oder anpassen?
- Welche weiteren Auswirkungen hat die "Amerikanisierung" auf den Fußball?






