Fußball-WM in den USA: Das Geheimnis heißt Fußball
Auf einen Blick
- Trotz FIFA-Kritik erleben die USA während der Fußball-WM eine Welle der Begeisterung und Völkerverständigung.
- Fans aus aller Welt und überraschte Amerikaner feiern gemeinsam, was die verbindende Kraft des Fußballs unterstreicht.
KI-generierte Zusammenfassung
Warum es wichtig ist
FIFA-Präsident Gianni Infantino betont stets die völkerverbindende Wirkung des Fußballs, um umstrittene Entscheidungen wie Langstrecken-WCs und hohe Ticketpreise zu rechtfertigen.
Es war irgendwann während der Vorrunde auf dem Pier von Santa Monica: Touristen fotografierten das Ende der Route 66, Breakdancer und Sängerinnen gaben alles, Straßenprediger verkündeten Jesu Rettung. Unten am Strand rollten die Wellen heran und Rettungsschwimmer, die tatsächlich genauso eine rote Boje mit sich herumtrugen wie David Hasselhoff, beaufsichtigten die Badenden.
Menschen in Trikots von England, Mexiko, Schottland, Bosnien und Herzegowina, der Türkei, Südkorea und sicher noch viel mehr Ländern liefen über den Pier. Ein Biersponsor hatte ein paar Leinwände aufgestellt. Sebastian aus Melbourne war 14 Stunden hergeflogen, trug Australientrikot und ein Basecap mit Känguru. Man müsse sich doch nur umschauen, sagte er: »Das hier kommt dem Weltfrieden am nächsten.«
Eine Viertelstunde später lief Alma über den Pier. Die war eigentlich für Mexiko, aber ihrem Freund zuliebe trug sie an diesem Tag ein Brasilienshirt. Sie sagte: »Näher als hier kommen wir dem Weltfrieden nicht.«
Hatten die beiden zu viele Reden von Gianni Infantino gehört?
Bei jeder Gelegenheit betont der Fifa-Präsident die völkerverbindende Wirkung des Fußballs. Damit rechtfertigt er so ziemlich alles: eine Langstrecken-WM in drei Ländern. Unanständige Ticketpreise. Als Trinkpausen verkaufte Werbeunterbrechungen. Anstoßcountdowns. 27-minütige Halbzeitshows. Friedenspreise für kriegführende Präsidenten.
Aber wer in den vergangenen Wochen rund um die WM unterwegs war, stellt fest, dass Infantino nicht Unrecht hat. Nur stellt sich das WM-Gefühl nicht wegen der Fifa ein, sondern trotz ihr. So sehr sich die Fifa auch bemüht, die WM kaputtzumachen. Sie schafft es einfach nicht. Das Geheimnis heißt Fußball.
Messis Magie. Haalands Haare. Spaniens Zusammenspiel. Fußball hat sich in den vergangenen Wochen in die US-amerikanische Sportkultur gedribbelt. Inklusive landestypischer Spleens wie Kampfjets, die nach der Hymne über die Stadien pfeifen.
An der Supermarktkasse wurde plötzlich über Abseits geredet, die TV-Quoten waren so hoch wie sonst nur bei wichtigen NFL-Spielen. Auf den Bordbildschirmen in Flugzeugen wurden die Spiele live übertragen und nervöse Passagiere durch manche »Oohs« und »Aahs« noch nervöser. Eine Automarke kündigte an, bis zu 100 Geländewagen zu verschenken, falls das US-Team die WM gewinnt. Allerdings könnte man sich für die Autos nur bewerben, wenn man George Washington heißt.
Oft war nicht klar, wer in den vergangenen fünf Wochen begeisterter war: die Gäste von den Gastgebern oder umgekehrt. Das Turnier gab den US-Amerikanern Gelegenheit, eine andere, oft unterberichtete Seite von sich zu zeigen. Eine offene, neugierige, gastfreundliche. Die häufige Bitte: Verwechselt uns nicht mit unserem Präsidenten.
Die Gäste brachten gute Stimmung mit. Schotten tranken, Norweger ruderten, Argentinier sangen sich durchs Turnier und durchs Land. Die Deutschen schieden aus. Es blieb Freddy, der viral ging, weil er Fast-Food-Klitschen abfeierte, in die sich selbst viele Amerikaner nicht trauen. Die Welt war zu Besuch und die Amerikaner froh. Und von diesem Gefühl vielleicht sogar selbst am meisten überrascht.



