Hamburg: Schwammstadt, Rechtsextreme und teureres Parken
Auf einen Blick
- Hamburg entwickelt sich zur "Schwammstadt", um Starkregen besser zu bewältigen.
- Die Zahl der Rechtsextremisten steigt, während Kokainfunde sinken.
- Parken wird teurer, und ein neues Programm soll Kindern die Angst vor Wasser nehmen.
KI-generierte Zusammenfassung
Liebe Leserin, lieber Leser,
die Kinder finden es am schönsten. Wenn es in Hamburg mal wieder richtig schüttet, sammelt sich in der Neuen Mitte Altona im Quartierspark das Wasser auf einer Seite und breitet sich mehrere Meter weit in den Park aus. Es steht dort über Tage und versickert nur langsam. »Die Wiese wird dann ziemlich schlammig«, erzählte Karin Wege, die das schon oft gesehen und sich gewundert hat. Sie dachte bislang, dass da beim Anlegen des Parks wohl etwas schiefgegangen ist. Gastronomin Wege führt das Restaurant Blaue Blume am Parkrand, und nach dem Regen schaut sie gerne den Kindern zu, die auf den Matsch zurennen und über den Schlamm schlittern.
Was wohl nur wenige wissen: Das stehende Wasser ist kein Versehen. Das soll so. Der Park schützt das Viertel, er dient als Rückhaltebecken. Die Wiese ist schräg angelegt, im Norden ist sie durch breite Stufen eingefasst. Am tiefsten Punkt der Fläche, unter der letzten Stufe, glitzern an diesem trockenen Tag im Mai mehrere Gitter in der Sonne. Bei Starkregen fließt hier das Regenwasser heraus, das unterirdisch im Viertel gesammelt wird.
Seit 2009 mache sich Hamburg gezielt Gedanken über einen neuen Umgang mit Wasser, sagte mir Franziska Meinzinger am Telefon. Sie ist die Leiterin der Infrastrukturentwicklung bei Hamburg Wasser. Der städtische Versorger und die Umweltbehörde wollen die Stadt nach und nach zu einer sogenannten Schwammstadt umbauen. Die Idee: Hamburg soll Niederschläge wie ein Schwamm aufsaugen. Parks und unterirdische Becken fangen sie auf, das entlastet die Kanalisation und schützt vor Überschwemmungen. »Der Quartierspark war eines der ersten Schwammstadt-Projekte«, sagte Meinzinger. Dahinter steckt ein neues Denken. Regenwasser soll nicht mehr so schnell wie möglich versickern, man will es halten oder sogar nutzen.
Hamburg reagiert damit auf den Klimawandel: Laut Deutschem Wetterdienst muss sich die Stadt auf häufigere Starkregen und längere Trockenperioden einstellen. Bisher habe man 30 bis 40 solcher Schwammstadt-Projekte realisiert, erzählte Meinzinger. Das klingt gut und ist trotzdem vergleichsweise wenig: Kopenhagen ist in einer ähnlichen Lage und hat schon mehr als 300 Projekte umgesetzt. 2019 wurde – zeitgleich mit dem Quartierspark – der umgebaute Enghaveparken im Viertel Vesterbro wieder eröffnet. Unter dem Park kann man seither so viel Regenwasser in Bassins speichern, wie es in zehn olympische Schwimmbecken passt. In Altona ist man davon weit entfernt.
Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag!
Ihre Kristina Läsker
Was heute wichtig ist
Die Zahl der Rechtsextremisten in Hamburg ist 2025 um mehr als zehn Prozent gestiegen. Das geht aus dem Bericht des Landesverfassungsschutzes hervor, den Innensenator Andy Grote (SPD) gestern vorstellte. Demnach stieg die Zahl der Rechtsextremisten auf 450 Menschen – 50 mehr als im Vorjahr. Einen leichten Rückgang gab es bei Linksextremisten: Ihre Zahl sank um 50 auf 1.000 Personen. »Ich sehe Hamburg nicht mehr als die Hochburg des Linksextremismus«, sagt Torsten Voß, Chef des Hamburger Verfassungsschutzes.
Im Hamburger Hafen wurden 2025 etwa 3,6 Tonnen Kokain sichergestellt. Das teilte der Zoll bei seiner Jahresbilanz mit. Das ist viel weniger als die 34 Tonnen, die zwei Jahre zuvor beschlagnahmt worden waren. Die rückläufigen Zahlen sind laut Zoll aber kein Grund zum Aufatmen. Es wird angenommen, dass die Schmuggel-Methoden bloß raffinierter werden und Schmuggler auf kleinere Häfen ausweichen.
Heute beginnt im CCH der Deutsche Stiftungstag 2026. Bei dem zweitägigen Branchentreff treten Redner wie Hape Kerkeling, Eckart von Hirschhausen oder der Schriftsteller Marc-Uwe Kling auf. 2025 wurden in Hamburg 24 Stiftungen gegründet. Die Hansestadt hat die höchste Stiftungsdichte im Land, manche Stiftungen werden auch von jüngeren Mäzenen errichtet (Z+).
In Hamburg wird das Parken teurer. Wer in der Innenstadt parkt, muss künftig 4 statt bisher 3,50 Euro pro Stunde zahlen. Die Tagestickets werden um zwei Euro teurer. Bei Bewohnerparkausweisen steigt die Jahresgebühr von 65 auf 70 Euro.
Seit dieser Woche sind so gut wie alle Verkaufsstände für Erdbeeren in Hamburg geöffnet, sagte Enno Glantz vom Erdbeerhof Glantz. Wegen höherer Kosten etwa beim Diesel seien die Früchte um knapp zehn Prozent teurer als im Vorjahr. »Die Ernte sieht gut aus«, sagte Robert Dahl, Geschäftsführer von Karls Erdbeerhof. Für die Familienfirma sind die Erdbeerhöfe im Norden zum Millionengeschäft geworden (Z+).
Aus Hamburg
Die Urangst wegblubbern
Der Mensch fürchtet das Wasser. Also müssen Kinder lernen, ihre Scheu zu verlieren. In Hamburger Kitas gibt es dafür jetzt ein Programm – immerhin geht es um Leben. Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Artikel von ZEIT-Autorin Franziska Wolffheim.
Im Waschraum des Kindergartens liegen Handtücher auf dem Boden. Sieben Kinder zwischen drei und sechs Jahren in Badekleidung balancieren vorsichtig darüber. »Wir gehen jetzt zu einem plätschernden Bach«, sagt die Erzieherin Miriam Boedeker. Dann fragt sie: »Wie hört sich rauschendes Wasser an?« Ein Junge macht »schschsch«, ein Mädchen »gluck gluck«. Alle lachen. Am Ende des Handtuchpfads steht eine grüne Plastikwanne voller Wasser. Die Kinder patschen mit ihren Händen hinein. »Wer möchte in die Wanne?«, fragt Boedeker. Sie hebt einen Jungen hinein, der gleich mit den Armen im Wasser herumwirbelt. Dann fragt sie ein sechsjähriges Mädchen. Dana zögert, tritt einen Schritt zurück, die Erzieherin nimmt sie an die Hand. Schließlich lässt sich auch Dana ins Wasser heben. »Das machst du toll«, lobt Boedeker. Nächstes Mal, sagt Dana stolz, würde sie auch ihr ganzes Gesicht in die Wanne halten.
20 Minuten dauert die Wassergewöhnung im Hamburger Kindergarten Fischbeker Höfe. Am Ende waren alle Kinder einmal in der Wanne. Üblicherweise findet die Gewöhnung einmal pro Woche statt. Die Kinder sollen dadurch möglichst früh mit Wasser in Berührung kommen und keine Scheu aufbauen. Schon die ganz Kleinen planschen in der Kita unter Anleitung ihrer Erzieherin mit den Händen im Waschbecken herum.
Dana überwindet die Angst
Der Hintergrund ist ernst: Immer mehr Grundschulkinder in Deutschland können nicht schwimmen. Eine repräsentative Umfrage der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) zeigte: Zwischen 2017 und 2022 hat sich der Anteil der Nichtschwimmer unter den Grundschulkindern von zehn auf 20 Prozent verdoppelt. Die DLRG geht davon aus, dass fast 60 Prozent der Schülerinnen und Schüler am Ende der vierten Klasse nicht sicher schwimmen können.
In Hamburg kooperieren daher jetzt der Schwimmbadbetreiber Bäderland mit dem Kindergartenträger Fröbel, zu dem auch die Kita Fischbeker Höfe gehört. Dafür wurden eigens Kitafachkräfte zu Schwimmlotsen fortgebildet. Die wissen nun, welche Temperatur und welche Schwimmkleidung geeignet sind, wo man in der Natur baden kann und was es dabei zu beachten gilt. Vor allem aber haben die Erzieherinnen Anregungen bekommen, welche Wasserspiele bei den Kindern ankommen. Daraus entstand in der Kita im Hamburger Stadtteil Neugraben-Fischbek die Idee mit der Bachwanderung.
Was es noch braucht, um mehr Kinder so frühzeitig zu sicheren Schwimmern werden zu lassen, lesen Sie weiter in der ungekürzten Fassung. → Zum Artikel (Z+)
Schon gelesen?
Es leuchtet, aber blinkt nicht
Hamburgs Polizei führt ein neues Licht an ihren Autos ein. Es soll künftig das Stadtbild prägen – könnte aber einige Menschen auch irritieren. ZEIT-Autor Tom Kroll hat sich diese »Innovation für Funkstreifenwagen« genauer angeschaut. → Zum Artikel (Z+)
Darauf können Sie sich freuen
Im Rahmen des 18. Hamburger Theater Festivals gibt es dieses Jahr auch wieder eine Inszenierung von William Shakespeares »Richard III.«, dieses Mal in einer Produktion des Düsseldorfer Schauspielhauses. Die Inszenierung ist auf ein Drittel gekürzt und konzentriert sich auf die Frauen um Richard. Denn es sind die Frauen, die von Richards Taten und Untaten auf eine besonders perfide Art getroffen werden.
Wir verlosen fünfmal zwei Karten für die zweite Vorstellung des Stücks am Donnerstag, dem 28. Mai, ab 19 Uhr im Deutschen Schauspielhaus. Schreiben Sie uns bis morgen, 12 Uhr, eine E-Mail mit dem Betreff »Der 3.« an [email protected]. Die Gewinner werden von uns direkt benachrichtigt. Viel Glück!
Meine Stadt
Hamburger Schnack
Auf dem Weg zum Hamburger Hauptbahnhof: Der Zug fährt verspätet ab. Durchsage des Zugbegleiters: »Wir verlassen Lüneburg mit einer Verspätung von zwölf Minuten. Grund dafür sind Fehlentscheidungen des Fahrdienstleiters.« Ein Fahrgast: »Geht doch.«
Gehört von Martha Erdmann



