Internationale Presse sieht deutsche Außenpolitik als Grund für UN-Sitz-Niederlage
Die internationale Presse sieht unter anderem die deutsche Außenpolitik als Grund für den verpassten Sitz im UN-Sicherheitsrat. »Ganz offensichtlich verfügt das Land international nicht über die nötige Strahlkraft, die für die angestrebte Führungsrolle vonnöten wäre«, schreibt die Schweizer Tageszeitung NZZ. »Mehr noch: Deutschland wird nicht als der verlässliche Partner gesehen, für den es sich selbst so gern hält.«
Der Schweizer Tages-Anzeiger macht auch die deutsche Israelpolitik dafür verantwortlich: »Berlin hat die Netanjahu-Regierung teilweise kritisiert, steht aber fest an Israels Seite – obwohl die israelische Regierung marodierende Siedler gewähren lässt, die Todesstrafe einführt, die faktisch fast nur für Palästinenser gilt, und im Gazakrieg nach dem 7. Oktober jedes Maß verloren hat.« Vor allem im Globalen Süden stoße diese Nahostpolitik auf Unverständnis. Im Ganzen durchkreuze die Niederlage die Pläne der Merz-Regierung, Deutschland wieder als Führungsmacht in Europa zu positionieren.
Außenminister Johann Wadephul (CDU) hatte nach der Wahlniederlage gesagt, dass die uneingeschränkte Unterstützung für Israel Deutschland möglicherweise Stimmen gekostet habe. Zudem nannte er den Einfluss Russlands als möglichen Grund dafür, dass Deutschland nicht im Sicherheitsrat vertreten sein wird.
Die italienische Tageszeitung Corriere della Sera stimmt Wadephul in dieser Annahme zu, kritisiert jedoch, dass Deutschland das politische Manöver Russlands hätte vorhersehen und verhindern müssen. Sie schreibt: »Wer (…) einen Beweis dafür suchte, wie sehr Putin Deutschland verabscheut und es als die eigentliche Kraft betrachtet, die bekämpft werden muss, bekommt ihn hier geliefert.« Ihr Urteil: Das Scheitern sei »eine schallende Ohrfeige für die deutsche Diplomatie«.
Die britische BBC sieht die deutsche Niederlage auf dem internationalen Parkett auch als »herben Rückschlag für Bundeskanzler Friedrich Merz«. Er stehe »im Inland unter Druck und hat sich nun auch im Ausland blamiert, sagen seine Kritiker in den Oppositionsparteien, zumal er sich selbst als den Mann präsentiert hat, der Deutschlands Ansehen auf der internationalen Bühne stärken würde.«

