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BackKI im Journalismus: Wenn Verlage die Transparenz scheuen
KI im Journalismus: Wenn Verlage die Transparenz scheuen
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FAZ18.06.2026Media4 dk okumaGermany

KI im Journalismus: Wenn Verlage die Transparenz scheuen

Auf einen Blick

  • Ein Verlag setzt KI zur Texterstellung ein, ohne dies zu kennzeichnen.
  • Kritiker bemängeln mangelnde Transparenz und die Gefahr der Desinformation, während Verleger die Technologie als Werkzeug zur Massenproduktion sehen.

KI-generierte Zusammenfassung

Warum es wichtig ist

Der Artikel thematisiert den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) in der Redaktion der Ostdeutschen Medienholding und kritisiert die mangelnde Kennzeichnung von KI-generierten Texten.

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Beim Verlag von Holger Friedrich muss das Portal „Frag den Staat“, das auf den mit KI erstellten Gastbeitrag von Mario Voigt in der F.A.Z. hinwies, nicht lange nach KI-generierten Texten suchen. Es gibt sie, sie sind ausdrücklich gewünscht – und gekennzeichnet werden sie im Einzelnen nicht.

Wie weit reichen die „Formulierungsvorschläge“?

So bestimmt es die KI-Richtlinie der Ostdeutschen Medienholding. KI, heißt es dort, diene der Recherche, Quellenerschließung, Zusammenfassungen von Informationen, Übersetzungen, Datenanalyse und mache „Formulierungsvorschläge für Texte, Überschriften und Social-Media-Beiträge“. Eigens ausgewiesen wird das nicht: „KI-assistierte und KI-generierte Texte werden bei uns nicht gesondert gekennzeichnet.“ Verboten sei, mit KI „journalistische Sorgfaltspflichten“ zu umgehen, und „automatische Veröffentlichung ohne menschliche Freigabe“. „Transparenz“ werde „auf Policy-Ebene hergestellt, nicht stückhaft bei jedem einzelnen Text“.

F.A.Z.-Artikel häufiger in Ihren Suchergebnissen sehen

F.A.Z. bei Google bevorzugen

Transparenz aber ist der Knackpunkt, über den Friedrich und ebenso der Springer-Vorstandsvorsitzende Mathias Döpfner hinwegreden. Sie machen sich lustig über vermeintlich ewiggestrige Maschinenstürmer, die KI verdammen wollten – was Nonsens ist, weil für ein Komplettverbot von KI niemand eintritt –, und benennen nicht, wo die Grenze verläuft und ob es eine solche beim Einsatz von KI bei ihnen überhaupt noch gibt.

Wenn die Künstliche Intelligenz „Formulierungsvorschläge für Texte“ machen darf – kann das heißen, dass ein Beitrag von A bis Z aus der Maschine stammt? Und ist ein solcher gleichzusetzen mit einem Artikel, den ein Autor selbst verfasst hat? Name drunter oder drüber und fertig?

KI ist für schiere Masse gemacht

Man betreibe die „Ostdeutsche Allgemeine“, schreibt der Verleger Friedrich, „mit einem Kernteam von 30 Mitarbeitern und viel Technologie“. In allen Systemen steckten „KI-Komponenten“. So publiziere man „allein in diesem Medium rund 100 Artikel pro Tag, die wir auf zwei digitalen Kanälen taggleich ausspielen und einmal wöchentlich drucken“.

Doch was sind hundert „Artikel“ pro Tag wert, wenn sie von der KI ausgespuckt werden? Von einer Maschine, die ihr vermeintliches Wissen der Leistung von Menschen verdankt, die dafür nicht entlohnt werden, und es im Zweifel nicht so genau nimmt, bei Quellen oder wörtlichen Zitaten zum Beispiel? Warum soll dafür jemand Geld bezahlen und eine Zeitung kaufen?

Was der Verleger Friedrich propagiert, ist das Äquivalent des Mottos des früheren Trump-Beraters Steve Bannon: „Flood the Zone with Shit“. Die Hoheit über die Meinungsbildung erlange man, so Bannon, allein schon durch die schiere Masse an Desinformation und Nonsens.

KI ist für schiere Masse gemacht, sie liefert in Sekunden, ist ein wunderbares Werkzeug für Propagandisten und hat das Zeug, den Journalismus und die demokratische Öffentlichkeit zu zerstören, wenn man sie machen lässt.

Die Frage ist nicht, was der Verleger Friedrich und der Konzernboss Döpfner als billigen Popanz aufbauen – ob Künstliche Intelligenz eingesetzt wird. Schon wer mit Google arbeitet, ist automatisch von ihr umfangen. Die Frage ist, bis zu welchem Punkt sie reichen darf und ob der Mensch tatsächlich die Kontrolle hat oder ersetzt wird. Wer KI-Texte im Dutzend billiger raushaut und nicht einmal mehr kennzeichnet, verweigert sich dieser Debatte und handelt verantwortungslos. Aber wenigstens wissen wir jetzt, was hinter der „Ostdeutschen Allgemeinen“ steckt.

Offene Fragen

  • Wie weit reichen die "Formulierungsvorschläge" der KI?
  • Ist ein KI-generierter Beitrag gleichwertig zu einem menschlich verfassten?
  • Hat der Mensch tatsächlich die Kontrolle über die KI?

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This article was originally published by FAZ.

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