Krampfadern: Ursachen, Risiken und Behandlungsmöglichkeiten
Auf einen Blick
- Zwei Ärzte erläutern die Unterschiede zwischen Besenreisern und Krampfadern, deren Ursachen, Risikofaktoren und gesundheitliche Risiken.
- Der Artikel beschreibt zudem verschiedene Behandlungsmethoden wie Kompressionsstrümpfe, Verödung, Lasern, Stripping und Kleben sowie Alltagstipps zur Vorbeugung.
KI-generierte Zusammenfassung
Warum es wichtig ist
Krampfadern betreffen 20 bis 30 Prozent der Erwachsenen in Deutschland und können von harmlosen Besenreisern bis zu ernsthaften gesundheitlichen Risiken wie offenen Beinen oder Thrombosen reichen.
Hervortretende Adern an den Beinen sind oft harmlos. Stören können Krampfadern aber trotzdem, denn sie können für schwere Beine sorgen. Zwei Ärzte über Alltagstipps und Behandlungsmöglichkeiten.
Feine rote, bläuliche oder violettfarbene Äderchen schimmern durch die Haut an den Beinen? Das ist typisch für Besenreiser. Oft treten sie zusammen mit dickeren und sich knotig zeigenden Venen auf. In der Alltagssprache nennt man sie Krampfadern, Ärztinnen und Ärzte sprechen von Varizen.
20 und bis 30 Prozent der Erwachsenen in Deutschland haben Krampfadern, die behandelt werden sollten. Diese Zahl nennt die Deutsche Gesellschaft für Phlebologie und Lymphologie (DGPL). Antworten auf sechs Fragen zum Thema.
Was genau unterscheidet Besenreiser von Krampfadern?
Der Durchmesser. „Besenreiser sind feinste oberflächliche Hautvenen mit einem Durchmesser von unter einem Millimeter“, sagt der Bochumer Phlebologe Prof. Markus Stücker. Krampfadern dagegen sind größere Venen mit einem Durchmesser von um die drei Millimeter. Sie treten am Bein deutlich hervor.
Besenreiser können einen ersten Hinweis auf ein Krampfaderleiden geben. „Meistens sind sie aber harmlos“, sagt der niedergelassene Gefäßchirurg Siamak Pourhassan, der Mitglied im Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin ist.
Krampfadern sind zwar auch häufig harmlos. Allerdings können sie Beschwerden wie schwere Beine, Spannungsgefühle oder Schwellungen im Gepäck haben. Ist das der Fall, ist es eine gute Sache, einen Arzt oder eine Ärztin aufzusuchen, um die Krampfadern behandeln zu lassen.
Was sind Risikofaktoren für Krampfadern?
„Häufig sind Krampfadern genetisch bedingt“, sagt Markus Stücker, der Mitglied im Vorstand der DGPL ist. Oft führt zudem eine angeborene Bindegewebsschwäche zu Krampfadern.
Weitere Risikofaktoren sind neben Hormonschwankungen, etwa im Zuge einer Schwangerschaft, auch Übergewicht, Bewegungsmangel und Thrombosen in der Vergangenheit. Übrigens: Mit zunehmendem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit, Krampfadern zu entwickeln. Frauen sind etwas häufiger betroffen als Männer.
Wie kommt es überhaupt zu Krampfadern?
Dahinter steckt eine Schwäche der Venen. „Venen haben die Aufgabe, gegen die Schwerkraft aus den Beinen Blut zum Herzen zu transportieren“, erklärt Siamak Pourhassan. Sogenannte Venenklappen sorgen dafür, dass das Blut nicht nach unten absackt. Schließen sie nicht mehr richtig, kommt es zu einem Blutstau in den Beinen. Das Blut dehnt dann mit der Zeit die Venen aus - sie treten sichtbar hervor.
Der gestörte Rückfluss führt zudem zu Schwellungen. Zudem gelangt durch den erhöhten Druck Blut in das Gewebe. Dort baut der Körper das Blut ab. Allerdings bleibt oft ein Teil des Hämoglobins, also des roten Blutfarbstoffs, im Gewebe. Die Haut kann sich zunehmend bräunlich verfärben und derber werden. Das führt oft zu dauerhaften, rostbraunen Flecken an den Unterschenkeln.
Welche gesundheitlichen Risiken können mit Krampfadern einhergehen?
„In schweren Fällen entstehen sogenannte offene Beine, also ein Beingeschwür“, sagt Siamak Pourhassan. Selbst bei kleineren Verletzungen heilen Wunden dann nicht oder nur sehr langsam. Ärzte sprechen dann von Ulcus cruris venosum. Entzünden sich solche Wunden etwa durch Bakterien, sind lebensbedrohliche Infektionen wie etwa eine Sepsis möglich.
Krampfadern bergen nicht nur das Risiko für offene Beine, sondern auch für Venenentzündungen oder Thrombosen. „Eine oberflächliche Venenthrombose äußert sich mit Schmerzen im betroffenen Bereich“, sagt Markus Stücker.
Bleibt sie unbehandelt, kann sie sich ausbreiten und in das tiefe Venensystem vordringen. „Ein Blutgerinnsel in den tiefen Beinvenen, das sich mit muskelkaterähnlichen Schmerzen und Schwellungen bemerkbar macht, ist ein medizinischer Notfall“, so der Mediziner. Denn es kann im Körper „wandern“ und schlimmstenfalls eine lebensbedrohliche Lungenembolie auslösen.
Wie lassen sich Krampfadern behandeln?
„Zum einen mit dem Tragen von Kompressionsstrümpfen“, sagt Markus Stücker. Zwar lassen sich Krampfadern dadurch nicht heilen. Die Strümpfe unterstützen jedoch den Blutfluss und lindern Beschwerden wie Schmerzen oder Schwellungen. So lassen sich Komplikationen ausbremsen.
Manchmal reichen Strümpfe allein nicht aus, dann müssen die beschädigten Gefäße behandelt werden. Anlaufstellen sind Fachärzte für Dermatologie mit der Zusatzbezeichnung Phlebologie oder Gefäßchirurginnen und -chirurgen. Für die Behandlung gibt es verschiedene Methoden.
Veröden: Kleine Krampfadern kann eine Ärztin oder ein Arzt veröden. Dabei spritzt sie oder er ein Medikament in die Vene, wodurch eine natürliche Abbaureaktion des Gefäßes in Gang gebracht wird.
Lasern: Bei sogenannten endovenös-thermischen Verfahren verschließt die Ärztin oder der Arzt die Vene mit Hitze, etwa durch einen Laser. Hierbei führt sie oder er nach einer Venenpunktion einen Katheter in die Stammvene ein.
Stripping: Über kleine Schnitte in der Leiste oder Kniekehle trennt der Arzt oder die Ärztin kranke Venen ab und zieht sie mit Hilfe einer Sonde aus dem Bein.
Kleben: Mit einem sogenannten Venenkleber wird die erkrankte Vene von innen verschlossen. Hierfür führt die Behandlerin oder der Behandler einen dünnen Katheter in die Vene. Der Kleber wird tröpfchenweise injiziert und schließt die Vene mit leichtem Druck.
Krampfadern können allerdings einige Jahre nach dem Eingriff wieder auftreten, wie Siamak Pourhassan sagt. Denn es besteht die Gefahr, dass sich die genetische Veranlagung an anderen Stellen manifestiert. Das gilt vor allem bei allen, die tagsüber überwiegend stehen oder sitzen.
Was sind die wichtigsten Tipps für den Alltag?
Wer Krampfadern oder eine Neigung dazu hat, sollte sich viel bewegen, wie Markus Stücker rät. Wer im Beruf viel sitzen oder stehen muss, sollte zwischendurch immer mal wieder die Füße bewegen, damit sich das Blut in den Beinen nicht staut. „Wenn möglich, sollte man seine Beine des Öfteren hochlagern, um das Abfließen des Blutes zu unterstützen“, so Siamak Pourhassan.
Auch Sportarten wie etwa Schwimmen oder Gymnastik unterstützen die Beinvenen. Und: Übergewicht besser vermeiden.
Ebenfalls wichtig ist es, viel zu trinken, etwa zwei Liter am Tag. Das wirkt sich positiv auf die Blutzirkulation aus. „Und gerade auch bei langem Stehen und Sitzen immer mal wieder Kompressionsstrümpfe tragen“, rät Markus Stücker.
Offene Fragen
- Wie hoch sind die Erfolgsraten der einzelnen Behandlungsmethoden?
- Gibt es neue Forschungsergebnisse zu genetischen Ursachen?
- Welche Kosten übernehmen Krankenkassen für die Behandlungen?



