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Kritikwelle gegen geplantes Ende der telefonischen Krankschreibung und Attestpflicht ab Tag eins
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Spiegel Wirtschaft02.07.2026Politik2 dk okumaGermany

Kritikwelle gegen geplantes Ende der telefonischen Krankschreibung und Attestpflicht ab Tag eins

Auf einen Blick

Die geplante Abschaffung der telefonischen Krankschreibung und die Einführung einer Attestpflicht ab dem ersten Fehltag in Deutschland stoßen auf scharfe Kritik von Ärzteverbänden, Verbraucherschützern und Gewerkschaften, die eine Überlastung der Praxen und Misstrauen gegenüber Arbeitnehmern befürchten.

KI-generierte Zusammenfassung

Warum es wichtig ist

Die telefonische Krankschreibung wurde während der Coronapandemie eingeführt und zuletzt von Arbeitgeberverbänden und der Union wegen einer hohen Zahl an Krankheitstagen infrage gestellt.

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Das geplante Ende der telefonischen Krankschreibung und die Attestpflicht ab dem ersten Fehltag haben eine große Welle an Kritik losgetreten. Der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, sagte der »Rheinischen Post«, es grenze an Irrsinn, »Abertausende Menschen zusätzlich in die Praxen zu jagen für das reine Ausfüllen von Zetteln. Wer hustet, eine Magen-Darm-Infektion hat, gehört ins Bett – und nicht in die übervolle Praxis.« In der »Bild«-Zeitung plädierte er stattdessen für die Einführung eines Karenztags. Das heißt, dass der erste Tag der Krankschreibung unbezahlt bliebe.

Für niedergelassene Ärzte sei das, was die Regierungsparteien vereinbart haben, »eine Zumutung, die an Unverschämtheit grenzt«, sagte Gassen – und verwies unter anderem auf die schwierige finanzielle Lage der gesetzlichen Krankenversicherung. Der schleswig-holsteinische Hausarztverbandsvorsitzende, Jens Jensen, warnte vor einem »sprunghaften Anstieg der Patientenkontakte«. Dadurch bleibe weniger Zeit für die Versorgung der Menschen, »die schwer erkrankt sind und in die Praxis kommen müssen«.

Kinder- und Jugendärzte halten die Abschaffung der telefonischen Krankschreibung ebenfalls für einen völlig falschen Schritt. Der Sprecher des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärztinnen, Jakob Maske, sagte der Katholischen Nachrichten-Agentur: »Es war ein super System.«

Ärzte sollen für »unrichtige« AU härter bestraft werden

Auch der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) nannte die Abschaffung der telefonischen Krankschreibung einen »klaren Rückschritt«. Studien zeigten, dass die telefonische Krankschreibung nicht zu mehr Krankschreibungen führe, heißt es dort – nun drohe wieder mehr Bürokratie.

Gewerkschaftsvertreter üben ebenfalls scharfe Kritik an den Änderungen bei der Krankschreibung. Ver.di-Chef Frank Werneke sagte: »Wenn sich Beschäftigte künftig vom ersten Tag an beispielsweise mit einem grippalen Infekt zum Arzt schleppen sollen, ist das Ausdruck einer grundsätzlichen Misstrauenskultur.« Arbeitnehmer seien keine Drückeberger, »auch wenn Arbeitgeber und Teile der Regierung dies unterstellen«. Ähnlich argumentierte der Bundesvorsitzende des Beamtenbundes, Volker Geyer.

Union und SPD haben sich in ihrem Koalitionsausschuss darauf geeinigt, dass die telefonische Krankschreibung abgeschafft wird. Sie war in der Coronapandemie als Alternative zum Gang in die Praxis eingeführt worden – wurde zuletzt aber insbesondere von Arbeitgeberverbänden und aus der Union unter Verweis auf eine hohe Zahl an Krankheitstagen infrage gestellt. Einführen will die Koalition auch eine »verpflichtende Vorlage« einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) »ab dem ersten Tag der Erkrankung«. Ärzte sollen für die »unrichtige Ausstellung« einer AU zudem künftig stärker bestraft werden.

Die Arbeit für Hausärzte dürfte in jedem Fall zunehmen. Neben den genannten Verschärfungen ist schließlich noch die Einführung eines Primärarztmodells in der Diskussion – zugleich soll eine »Termingarantie Fachärzte« eingeführt werden.

Kassenärztechef Gassen sagte dazu der »Rheinischen Post«: »Termingarantien müssen medizinisch begründet sein und nicht dem Wunschdenken von Politikern entspringen. Wir empfehlen der Politik im Übrigen, dann bitte auch eine Garantie auf viele Sonnentage bei angenehmen 25 Grad einzuführen.« Kinder- und Jugendärztefunktionär Maske wiederum warnte: Wenn die regulären Praxen auch wegen der Abschaffung der telefonischen Krankschreibung überlastet seien, sei häufiger eine Überweisung zum Facharzt nötig. »Der garantierte Facharzttermin geht damit zunichte.«

Für Eltern wünscht sich Maske eine andere Lösung. Sie sollten ein Kontingent an Tagen erhalten, welches sie bei Krankheit der Kinder ohne Arztbesuch und Krankschreibung nutzen könnten. »Das würden Eltern nicht ausnutzen, wir brauchen hier Vertrauen.«

Worauf zu achten ist

KI-Ausblick — Möglichkeiten, keine Fakten

  • Die Arbeit für Hausärzte wird in jedem Fall zunehmen.

    Sehr wahrscheinlich · Innerhalb von Monaten

  • Der garantierte Facharzttermin wird zunichte gemacht, wenn Praxen überlastet sind.

    Wahrscheinlich · Innerhalb von Monaten

Offene Fragen

  • Wie wird sich das geplante Primärarztmodell auf die Praxen auswirken?
  • Wird der Vorschlag eines Karenztags oder eines Elterntage-Kontingents geprüft?
  • Wie soll die "Termingarantie Fachärzte" bei überlasteten Praxen umgesetzt werden?

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This article was originally published by Spiegel Wirtschaft.

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