Migrationskrise in Ceuta: Spanische Regierung in der Kritik und EU fordert Aufklärung
Nach dem Massenansturm Tausender Migranten auf die spanische Exklave Ceuta wächst der internationale Druck auf Madrid. Geheimdienste und europäische Politiker warnen vor einem gezielten hybriden Angriff.
Auf einen Blick
- Nach dem massiven Ansturm Tausender Migranten auf Ceuta wächst der politische Druck auf Spaniens Regierung.
- 72 Todesopfer wurden geborgen.
- Während Marokko von Online-Gerüchten spricht, vermuten europäische Politiker und Geheimdienste einen gesteuerten hybriden Angriff zur Destabilisierung der EU.
KI-generierte Zusammenfassung
Warum es wichtig ist
Zehntausende Migranten gelangten in den letzten Tagen im Rahmen eines massiven Ansturms in die spanische Exklave Ceuta.
Der Präsident der Autonomen Stadt Ceuta, Juan Jesús Vivas, hat scharfe Kritik am Verhalten Marokkos geübt. „Marokko hat uns gezeigt, dass es nicht verlässlich ist. Deshalb bleibt keine andere Wahl, als die notwendigen Mittel einzusetzen, damit es so etwas nicht noch einmal tut“, erklärte der Politiker des konservativen Partido Popular im Interview mit der spanischen Zeitung „El País“.
Hinsichtlich der Lage in der Stadt sagte Vivas: „Das war eine belagerte Stadt.“ Bewohner hätten sich in ihren Häusern verschanzt. In der Wahrnehmung der Bevölkerung sei dies „keine Migrationskrise, sondern im Kern ein Angriff, eine Verletzung der territorialen Integrität Spaniens“.
Der CDU-Geheimdienstexperte Marc Henrichmann schließt einen hybriden Angriff auf die EU als Ursache für das Geschehen in Ceuta nicht aus. Es gebe mehrere mögliche Szenarien, sagte der Vorsitzende des Parlamentarischen Kontrollgremiums (PKGr) im Bundestag zur Beaufsichtigung der Geheimdienste dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (Dienstagsausgaben). Eine Möglichkeit sei ein hybrider Angriff auf die Europäische Union.
„Eine Ursache könnten die Spannungen zwischen Spanien und Marokko sein, auf die Marokko jetzt wie bereits im Jahr 2021 durch den gesteuerten Ansturm reagiert hat“, sagte Henrichmann. „Es könnten ebenso gut Schleuserbanden verantwortlich sein.“ Und schließlich könnte zutreffen, was die Ukraine sage: „Dass Russland den Ansturm durch Social Media Bots initiiert hat, um die EU unter Druck zu setzen.“ Alle drei Varianten seien plausibel, sagte der CDU-Politiker. Aber die „Smoking Gun“ – also ein klares Beweismittel – fehle noch.
Isabel Peralta, eine bekannte Führungsfigur der spanischen Neonazi-Szene, hat bei einer Demonstration vor der marokkanischen Botschaft in Madrid den Hitlergruß gezeigt. Das geht aus einem Video hervor, das die Gruppe, der sie angehört, selbst verbreitete und das mehrere Medien aufgriffen.
Am selben Tag hat ein Berufungsgericht eine Verurteilung Peraltas aus dem April 2025 bestätigt. Damals war sie zu einer Geldstrafe und einem Jahr Haft verurteilt worden, weil sie bei einer Demonstration vor der marokkanischen Botschaft 2021 unter anderem „Tod dem Eindringling“ skandiert hatte. Die Richter sahen damit den Tatbestand der Anstiftung zu Diskriminierung und Hass erfüllt.
Peralta machte auch in Deutschland Schlagzeilen. Sie wurde im März 2022 am Flughafen Frankfurt festgehalten und umgehend ausgewiesen, da sie eine NS-Flagge und ein Exemplar von Hitlers „Mein Kampf“ im Gepäck hatte. Sie hatte versucht, zu einer Veranstaltung der Neonazi-Partei Der III. Weg zu reisen. Im Januar 2023 verhängten die deutschen Behörden ein lebenslanges Einreiseverbot.
Die spanische Regierung hat Vorwürfe zurückgewiesen, sie habe Warnungen des Geheimdienstes CNI vor einer Massenankunft ignoriert. Regierungssprecherin Elma Saiz erklärte: „Mit einem derart beispiellosen Ereignis hatte niemand gerechnet.“ Man habe keine Geheimdienstberichte erhalten, die vor einer Migrationskrise dieses Ausmaßes gewarnt hätten, hieß es.
Nach Schätzungen der Regionalregierung von Ceuta halten sich weiterhin zwischen 3000 und 5000 illegal eingereiste Migranten in der spanischen Exklave auf. Das berichtet „El Mundo“. Viele hätten eine angebotene Rückkehr in Bussen abgelehnt. Insgesamt könnten nach Berechnungen der Regierung seit Donnerstag rund 80.000 Menschen nach Ceuta gelangt sein. Das spanische Innenministerium geht dagegen von noch etwa 2500 Migranten ohne geregelten Aufenthaltsstatus aus. „Wir sind noch nicht zur Normalität zurückgekehrt“, sagt der Vertreter des spanischen Innenministeriums in Ceuta, Miguel Ángel Pérez Triano, gegenüber TVE.
Das spanische Militär hat nach Angaben der Zeitung „El Mundo“ Hunderte Migranten aus mehreren Stadtteilen Ceutas zum Grenzübergang Tarajal gebracht. Allein in Benzú hätten Soldaten mehr als 50 Menschen aufgegriffen und mit Militärfahrzeugen zum Übergang transportiert, von wo aus sie zu Fuß nach Marokko zurückkehren sollten. Weitere mehr als 200 Migranten, viele von ihnen aus Staaten südlich der Sahara, würden von Militär und Nationalpolizei am Strand von Trampolín festgehalten. Damit solle verhindert werden, dass sie in andere Stadtviertel oder zum überfüllten Aufnahmezentrum CETI gelangten. Die für 512 Menschen ausgelegte Einrichtung beherberge inzwischen mehr als 1000 Bewohner.
Nach dem Massenandrang von vorrangig jungen Männern auf die spanische Exklave Ceuta dringt die Bundesregierung auf Konsequenzen. „Es geht natürlich darum, darüber zu sprechen, dass sich solche Dinge nicht wiederholen“, sagte Vizeregierungssprecher Sebastian Hille in Berlin mit Blick auf Beratungen der EU-Innenminister am Dienstag. Der Vorfall habe gezeigt, „wie volatil die Lage beim Thema Migration ist“.
In sozialen Netzwerken verbreiten sich Videoaufnahmen, die Gruppen von Migranten in Ceuta zeigen sollen, die „Allahu akbar“ rufen. Die britische „Daily Mail“ berichtet, eine größere Gruppe sei durch die Straßen der spanischen Exklave gezogen und dabei mit der Polizei aneinandergeraten. Die Menschenmenge habe einen verletzten Marokkaner getragen, der Mann soll von der Polizei verletzt worden sein.
„Die normale Kapazität, die uns das Ministerium zuweist, liegt bei 29. Wir sprechen also von einer Überbelegung von fast 3000 Prozent. Genau genommen: 2872 Prozent“, sagte Gaitán dem Radiosender Cadena SER. Das Interview verbreitete die Nachrichtenagentur Europa Press.
Die spanische Polizeigewerkschaft Jupol widerspricht „falschen Narrativen“, wonach sich die Lage in Ceuta bereits normalisiert habe. Die Situation bleibe komplex und erfordere weiterhin umfassende Sicherheitsmaßnahmen, erklärte die Organisation unter Verweis auf aktuelle Medienberichte und Videoaufnahmen. Demnach hielt die Polizei am Strand von Trampolín eine Gruppe von Migranten unter Kontrolle, während es im Umfeld des überfüllten Aufnahmezentrums CETI zu Steinwürfen und Auseinandersetzungen zwischen Migranten gekommen ist. Auf Videos sind die Auseinandersetzungen zu sehen.
Rund 1000 Migranten warten nach einem Bericht der Zeitung „El Español“ derzeit vor dem völlig überlasteten Aufnahmezentrum CETI in Ceuta auf Einlass. Die für 512 Menschen ausgelegte Einrichtung beherberge bereits mehr als 700 Bewohner. Unter den Wartenden seien neben zahlreichen Marokkanern auch Menschen aus dem Sudan, Algerien und weiteren afrikanischen Staaten, die in Spanien internationalen Schutz beantragen wollten. Viele hielten sich an der Zufahrtsstraße, in den umliegenden Bergen und am nahe gelegenen Strand auf. Anwohner berichteten von Auseinandersetzungen und mutmaßlichen Versuchen, in Häuser einzudringen. Nationalpolizei und Militär seien im Einsatz, um die Lage zu sichern und die Migranten mit Wasser zu versorgen. Ein Polizist kritisierte gegenüber „El Español“, trotz tagelanger Schichten von bis zu 16 Stunden gebe es weiterhin „kein Protokoll“ für den Umgang mit Rückkehrwilligen, möglichen Minderjährigen und Asylbewerbern.
Das marokkanische Innenministerium hat nach der Migrationskrise in der spanischen Enklave Ceuta in einer ersten offiziellen Reaktion von elf Toten gesprochen. Zehn Menschen seien durch Ertrinken gestorben, während ein elfter von Felsen zwischen der marokkanischen Grenzstadt Fnideq und Ceuta gestürzt sei, erklärte das Ministerium am Sonntag in Rabat zu den Geschehnissen der vergangenen Tage. Die Zahlen sind deutlich geringer als diese aus Spanien: Nach spanischen Angaben starben in den vergangenen Tagen 72 Menschen beim Versuch, Ceuta zu erreichen.
Die Migrationskrise war dem marokkanischen Innenministerium zufolge auf eine „böswillige Ausnutzung“ von Onlinenetzwerken, die „Verbreitung irreführender Informationen“ und „fehlerhafte Auslegungen gesetzlicher Bestimmungen“ zurückzuführen. Demnach gab es 40.000 „Versuche“ eines irregulären Grenzübertritts nach Ceuta. Zudem hätten 1135 Menschen versucht, die andere spanische Enklave Melilla zu erreichen, die 400 Kilometer weiter östlich liegt. Laut spanischen Angaben waren mehr als 60.000 Migranten nach Ceuta gelangt.
Nach den Ereignissen in der spanischen Exklave Ceuta dringt die SPD im Bundestag auf die Umsetzung des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems (GEAS). „Um kommenden Fluchtbewegungen entgegenzuwirken, müssen letztlich rechtliche, operative und kommunikative Maßnahmen eng zusammenwirken“, sagte die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Sonja Eichwede der „Rheinischen Post“. Die „konsequente Umsetzung“ des gerade in Kraft getretenen GEAS sei dafür entscheidend. Ceuta sei offenbar Ziel einer „durch Gerüchte und gezielte Falschinformationen“ gesteuerten Migrationsbewegung gewesen, so Eichwede. „Diesem perfiden und kriminellen Geschäft von Schleusern mit Menschenleben müssen wir als Europa gemeinsam entschlossen entgegentreten“, erklärte sie.
Die Grünen im Bundestag rufen die EU-Innenminister dazu auf, die Hintergründe der Vorgänge rund um die spanische Exklave Ceuta aufzuklären. „Die Hinweise verdichten sich, dass der große Ansturm auf Ceuta kein unkontrolliertes Eindringen, sondern eine gesteuerte Aktion zur Destabilisierung und politischen Spaltung Spaniens und Europas war“, sagte die sicherheitspolitische Sprecherin der Fraktion, Sara Nanni, der Düsseldorfer „Rheinischen Post“. Bei der Dringlichkeitssitzung der Innenminister am Dienstag müsse es um Aufklärung und nicht um „Populismus auf Kosten des europäischen Zusammenhalts“ gehen.
Geheimdienste haben die spanische Regierung in den Tagen vor dem marokkanischen Throntag vor einem möglichen Anstieg der Migrantenzahlen in den autonomen Städten Ceuta und Melilla gewarnt. Darüber berichtet das Portal „The Objective“ und beruft sich auf verschiedene militärische und zivile Geheimdienstquellen. Die Regierung habe diese Warnungen systematisch ignoriert. Schon Tage vor dem Massenzustrom sei vor einem möglichen Massenübertritt nach Ceuta gewarnt worden.
Die spanische Regierung hat mit der Installation von Eindämmungssperren in Form von Wellenbrechern bei Ceuta begonnen. Das Gerät besteht aus einer 500 Meter langen pneumatischen Barriere und wird durch Bojen verstärkt. Damit will die Regierung das Gebiet besser überwachen und kontrollieren, teilte die „Guardia Civil“ in einem Post auf X mit.
Papst Leo XIV. hat sich besorgt über die jüngste Massen-Migration in die spanische Exklave Ceuta geäußert. Beim Mittagsgebet auf dem Petersplatz sagte er am Sonntag: „Ich verfolge die alarmierende Lage in Ceuta mit Sorge.“ Er bete zu Gott, dass „Lösungen des Friedens, der Stabilität und der Gerechtigkeit gefunden werden können“.
Nach dem Ansturm auf Ceuta haben Einsatzkräfte weitere Leichen geborgen. Die Zahl der Toten stieg damit auf 72, teilte der Vertreter des spanischen Innenministeriums in Ceuta , Miguel Ángel Pérez Triano, vor Journalisten mit. Zuvor waren 67 Tote offiziell bestätigt worden. Einsatzkräfte suchen weiter das Meer ab.
Die Behörden suchen im Meer vor Ceuta weiter nach Leichen von Migranten, die bei dem Ansturm Zehntausender Migranten auf die spanische Nordafrika-Exklave ertrunken sind. Der spanische staatliche Fernsehsender RTVE berichtete am Morgen, die Polizeieinheit Guardia Civil durchkämme die Gewässer vor der Küste. Bisher wurden 67 Menschen aus dem Meer geborgen, die schwimmend von Marokko aus das EU-Gebiet erreichen wollten und dabei ertranken.
Die spanische Zeitung „El País“ zitierte einen anonymen Polizeibeamten mit den Worten: „Es gibt mehr Tote im Meer“. Den Informationen der Zeitung zufolge bereiten die Behörden der Stadt eine Einrichtung vor, um bis zu 200 Leichen aufbahren zu können.
Der SPD-Co-Vorsitzende Lars Klingbeil fordert Respekt und Solidarität für Spanien. Das Land habe entschlossen gehandelt. „Gerade in solchen Situationen darf Europa sich nicht auseinanderdividieren lassen“, hob Klingbeil hervor. Das in Nordafrika gelegene Ceuta sei „Ziel einer offenbar gesteuerten Migrationsbewegung“ geworden, erklärte Klingbeil. Die Menschen seien instrumentalisiert worden „in dem Versuch, Europa zu spalten“. Deshalb stehe „die Geschlossenheit Europas und die Solidarität mit Spanien jetzt an erster Stelle“.
„Es gilt, mit Spanien zu agieren und nicht über Spanien zu sprechen.“ Der sozialistische Ministerpräsident Pedro Sánchez habe mit entschlossenem Handeln dafür gesorgt, dass der allergrößte Teil der Menschen innerhalb kürzester Zeit von Ceuta wieder nach Marokko zurückgekehrt sei.
Die EU-Innenminister werden sich am Dienstag in einer Dringlichkeitssitzung mit der Krise in Ceuta befassen. Die irische EU-Ratspräsidentschaft kündigt im Onlinedienst X an, die Minister würden sich in einer Videokonferenz mit den „Entwicklungen in Ceuta“ befassen. Die Sondersitzung der Minister hatten die Staatenlenker von 22 EU-Mitgliedstaaten in einem gemeinsamen Brief sowie der spanische Regierungschef Pedro Sánchez in einem separaten Schreiben gefordert.
Mit ihrem offenen Brief haben mehrere europäische Staats- und Regierungschefs nach dem Ansturm Zehntausender Migranten auf die spanische Nordafrika-Exklave Ceuta den Druck auf Spanien erhöht. In dem Schreiben, das auch Bundeskanzler Friedrich Merz unterzeichnet hat, äußern sie ihre große Besorgnis über die Lage und werfen Madrid indirekt vor, mit jüngsten Entscheidungen unerwünschte Signale ausgesendet zu haben.
So prangert der Brief eine migrationspolitische Entscheidung der spanischen Regierung an. Vor einigen Monaten hatte Spanien als Maßnahme gegen den Arbeitskräftemangel die Legalisierung von rund 500.000 irregulären Migranten eingeleitet. Die Unterzeichner mahnen in dem Brief an, man müsse sich mit politischen Maßnahmen auseinandersetzen, die Anreize für Migration geben könnten - und nennen an dieser Stelle ausdrücklich die „Legalisierung einer sehr großen Zahl irregulärer Migranten“. Profitieren sollen von dieser Maßnahme allerdings Asylbewerber, die ihren Antrag vor Ende 2025 gestellt haben - keine Neuankömmlinge.
Zudem stellt der Brief eine Verbindung zwischen dem Ansturm und einem Urteil des spanischen Obersten Gerichtshofs her. Diese sei „benutzt worden, um diesen Angriff auszulösen und unser Migrations- und Asylsystem zu missbrauchen“. Das Gericht hatte entschieden, dass die sofortige Zurückweisung von Migranten nur dann zulässig ist, wenn diese beim irregulären Grenzübertritt einen Zaun oder eine andere Sperre überwunden haben. Für Menschen, die über einen unbefestigten Abschnitt wie das Meer nach Spanien gelangen, sei eine Einzelfallprüfung nötig.
Die Staatenlenker von 22 EU-Mitgliedstaaten haben als Reaktion auf die Migrationskrise in einem gemeinsamen Brief eine Dringlichkeitssitzung der Innenminister gefordert. „Die Ereignisse der vergangenen Tage erfordern eine unverzügliche und koordinierte europäische Antwort“, heißt es in dem veröffentlichten Schreiben an die irische EU-Ratspräsidentschaft. Zu den Unterzeichnern gehören Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni.
Worauf zu achten ist
KI-Ausblick — Möglichkeiten, keine Fakten
Dringlichkeitssitzung der EU-Innenminister zur Krise in Ceuta.
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- Wie reagieren die EU-Innenminister in der Dringlichkeitssitzung?





