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Natürliche Wiederbewaldung nach Waldbränden effektiver als Aufforstung
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FAZvor 1 StundeEnvironment4 Min. LesezeitGermany

Natürliche Wiederbewaldung nach Waldbränden effektiver als Aufforstung

Auf einen Blick

  • Eine Studie in Brandenburg zeigt, dass sich Wälder nach Bränden durch natürliche Prozesse wie Schatten spendende verkohlte Stämme und das schnelle Wachstum von Laubbäumen effektiver erholen als durch menschliche Aufforstung mit Kiefern.
  • Dies ist besonders wichtig angesichts des Klimawandels.

KI-generierte Zusammenfassung

Warum es wichtig ist

Das mit Bundesmitteln geförderte Projekt Pyrophob der HNEE untersuchte von 2020 bis 2025 die Entwicklung von Waldbrandflächen in Brandenburg, insbesondere nach dem Großbrand bei Treuenbrietzen 2018.

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Brennt der Wald, kann meist nur Wasser die Flammen eindämmen und löschen. Natürliche Kräfte in Form starker Niederschläge sind dabei oft deutlich effektiver als die beste Technik der Feuerwehr. Ähnliches gilt offensichtlich auch, wenn auf der verkohlten Fläche wieder ein Wald wachsen soll. Lässt man der Natur möglichst ihren Lauf, gedeihen junge Bäumchen dort deutlich besser als nach intensiven Maßnahmen der Forstwirtschaft. „Schließlich hat die Evolution ja viel länger als der Mensch Zeit gehabt, um Methoden zu entwickeln, schwarz verkokelte Gebiete wieder in eine grüne Landschaft zu verwandeln“, erklärt Pierre Ibisch.

Der Wissenschaftler lehrt an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde (HNEE) die Sozialökologie der Waldökosysteme und hat das mit Bundesmitteln geförderte Projekt Pyrophob koordiniert, das von 2020 bis 2025 in Brandenburg die Entwicklung von Waldbrandflächen genau unter die Lupe genommen hat.

In dieser Untersuchung haben neben der HNEE sieben weitere Forschungs- und Naturschutzorganisation Pflanzen, Tiere und Pilze sowie die Böden, das Mikroklima und das dort vorhandene Wasser in einem Gebiet untersucht, das im Sommer 2018 eine Zeit lang die Schlagzeilen beherrschte: In der Nähe der 7000-Einwohner-Stadt Treuenbrietzen in Brandenburg hielt damals Ende August ein riesiger Waldbrand auf der Fläche von fast 500 Fußballfeldern 3700 Feuerwehrleute und andere Hilfskräfte in Atem. 550 Menschen aus drei Ortschaften wurden aus der Gefahrenzone evakuiert.

Die Bäumchen schossen bis zu zwei Meter in die Höhe

Nicht einmal zwei Jahre nach dieser Katastrophe im Dürresommer 2018 waren gleich neben schwarz-verkohlten, toten Kiefernstämmen ungezählte junge Laubbäume mit grünen Blättern zum Teil schon mehr als zwei Meter in die Höhe geschossen. Nur hatte dort kein Forstamt einen Wald der Zukunft gepflanzt: „Die vielen Zitterpappeln, Birken und Salweiden waren zusammen mit anderen Gehölzen von selbst gekommen“, erklärt Pierre Ibisch. Und weiter: „Diese natürliche Wiederbegrünung war obendrein viel erfolgreicher als die an anderen Stellen der verbrannten Fläche erfolgten Baumpflanzungen.“

Das liegt unter anderem an den unterschiedlichen mit Satelliten messbaren Temperaturen der Landoberfläche: Waren die verkohlten Baumstämme stehen geblieben, blieben diese Flächen im sommerlichen Sonnenschein deutlich kühler als die herkömmlich bearbeiteten Gebiete. Auf diesen waren nach dem Feuer die toten Bäume entfernt worden, um anschließend den Kahlschlag zu pflügen und dort sorgfältig Kiefernkeimlinge in ordentlichen Reihen zu pflanzen. Die meisten der kleinen Bäumchen vertrockneten, als gerade einmal ein Jahr später 2019 ein weiterer Dürresommer die Region traf.

Auf den der Natur überlassenen Flächen spendeten die stehen gebliebenen verbrannten Baumstämme dagegen Schatten. Dort blieb es daher kühler, es verdunstete weniger Wasser, was wiederum die Chancen von Pflanzen und Tieren verbesserte, die Trockenheit zu überstehen. „Da Hitze- und Dürreperioden im Klimawandel häufiger werden, ist dieser natürliche Schatten und Bodenschutz ein wichtiger Helfer bei der Wiederbewaldung“, erklärt Pierre Ibisch.

Auch nach einem zweiten Waldbrand erholten sich Zitterpappeln schnell

Da die Samen der Zitterpappeln einige Kilometer weit fliegen, gehören diese Pflanzen zu den besonders häufigen Keimlingen zwischen den vom Waldbrand verkohlten Baumstämmen. Dieses tote Holz fällt nach einigen Jahren um. „Wie in einem überdimensionalen Mikado-Spiel liegen diese Stämme dann wirr durcheinander“, schildert der HNEE-Professor diesen Zustand. „Dadurch entsteht ein Mosaik aus kleinen Flächen mit sehr unterschiedlichen Bedingungen.“ In diesem Flickenteppich aus sonnigeren und schattigen Flächen, aus trockeneren und feuchteren Flecken entwickelt sich dann eine vielfältige Vegetation, zeigt das Projekt Pyrophob. Schon fünf Jahre nach dem Waldbrand standen die Zitterpappeln dort bis zu fünf Meter hoch – und spendeten so ebenfalls kühlenden Schatten und damit ein feuchteres Mikroklima.

Zumindest in den Gebieten, die nicht 2022 von einem zweiten Waldbrand betroffen waren. Dort brannten die jungen Zitterpappeln zwar ab, viele aber trieben aus den Wurzeln wieder aus und erholten sich schnell. Ähnlich überstehen auch junge Eichen einen Waldbrand, wenn sie dort von Menschenhand gepflanzt wurden oder aus einer Eichel keimten, die ein Eichelhäher dort versteckt hatte. Die auf den Sandböden im Osten und Nordosten Deutschlands üblicherweise gepflanzten Kiefern treiben dagegen nicht wieder aus, wenn ihre oberirdischen Teile verbrennen oder vertrocknen. „Dann hat man das Geld für diese Aufforstungen also in den märkischen Sand gesetzt“, meint Pierre Ibisch. „Ohnehin sollten keine Monokulturen aus Nadelbäumen neu angelegt werden“, fordert er.

Kiefern können Waldbrände beschleunigen

Da Kiefern ähnlich wie andere Nadelgehölze gut brennbare Harze und ätherische Öle enthalten, können diese Bäume Waldbrände anfachen und beschleunigen. Laubbäume dagegen bremsen das Feuer sogar ein wenig, weil sie in ihrem Holz und in ihren Blättern deutlich mehr Wasser speichern als Nadelbäume. Da die Blätter auch noch eine größere Oberfläche als Nadeln haben, verdunstet mehr Wasser. Das macht die Luft in einem Laub- oder Mischwald nicht nur feuchter und angenehmer, sondern verringert auch das Risiko von Bränden und bremst bereits entstandene Flammen.

Ein weiterer Vorteil von Laubbäumen ist das dichte Kronendach, das weniger Licht bis auf den Boden lässt. In Kiefernwäldern dringen die Sonnenstrahlen dagegen viel besser nach unten. Dort wächst daher reichlich Grün, das in Dürreperioden rasch vertrocknet. Ähnlich wie bei den Waldbränden in diesem Sommer im Südwesten Frankreichs brennt dieses verdorrte Gras wie Zunder und kann ein Feuer stark beschleunigen. „Laub- und Mischwälder sind daher in den im Klimawandel häufiger werdenden Trockenperioden klar im Vorteil“, schließt Pierre Ibisch daraus.

Offene Fragen

  • Welche konkreten politischen Maßnahmen ergeben sich aus den Forschungsergebnissen?
  • Wie kann die Akzeptanz natürlicher Prozesse in der Forstwirtschaft erhöht werden?

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This article was originally published by FAZ.

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