Orcas entwickeln neue Jagdstrategie für Mondfische im Golf von Kalifornien
Auf einen Blick
- Forscher dokumentierten im Golf von Kalifornien eine neue Jagdstrategie von Orcas, bei der ein Mondfisch von einem Orca festgehalten und dann von einem anderen gerammt wird, um ihn in Stücke zu zerteilen.
- Dies könnte jüngeren Orcas die Nahrungsaufnahme erleichtern oder dem Spiel dienen.
KI-generierte Zusammenfassung
Warum es wichtig ist
Orcas sind für ihre klugen und sich ständig weiterentwickelnden Jagdstrategien bekannt, darunter das Blockieren von Fluchtwegen und das Erzeugen von Wellen zur Jagd.
Der Orca ist ein kluger, strategischer Killer: Er blockiert den Fluchtweg von Weißen Haien, um sie dann zu töten, und erzeugt in Gruppen Wellen, um Pinguine und Robben von Eisschollen zu schubsen. Zudem entwickelt er seine Jagdstrategie stets weiter, um seine Beute zu überlisten.
Jetzt beobachteten Forscher eine weitere, interessante Verhaltensweise der Orcas im Golf von Kalifornien. Die Analyse dessen veröffentlichten sie kürzlich im Fachmagazin „Frontiers in Ethology“.
„Wir haben dokumentiert, wie ein Orca einen Mondfisch erst festhält und ihn dann loslässt, kurz bevor ein anderer Orca das Opfer mit hoher Geschwindigkeit rammt, wodurch der Mondfisch in Tausende Stücke zerfällt“, wird Kathryn Ayres in einer Mitteilung zitiert. Sie ist Mitautorin der Studie.
„Wir vermuten, dass dies jüngeren Orcas die Nahrungsaufnahme erleichtert oder einfach nur dem Spiel dient. Orcas sind dafür bekannt, mit ihrer Beute zu spielen.“ Dazu gehöre auch, Beutetiere zu töten, ohne sie anschließend zu verzehren, schreiben die Wissenschaftler.
Bisher zählte das heftige Rammen, dokumentiert vor der Südküste des mexikanischen Bundesstaates Baja California Sur, nicht zu den bekannten Strategien. Die Forscher vermuten, dass es dazu diente, die Beute in Stücke zu zerteilen, da der Mondfisch bereits tot war und seine Eingeweide entfernt waren.
Denn das Jungtier der Gruppe begann daraufhin, kleinere Teile des Mondfisches zu fressen. Die erwachsenen Tiere fraßen die Überreste des Körpers, ließen die kleineren Fragmente aber übrig.
Mondfische erlangen eine Größe von bis zu drei Metern und ein Gewicht von zwei Tonnen. Sie bewegen sich in verschiedenen Wassertiefen, kommen aber zur Oberfläche, um sich auszuruhen, ihre Körpertemperatur zu regulieren oder Parasiten loszuwerden. In Oberflächengewässern sind sie Raubtieren meist hilflos ausgesetzt.
Im Golf von Kalifornien gehören sie zu den Arten, die am häufigsten von Orcas gejagt und verspeist werden. Die vorliegenden Beobachtungen basieren auf zwei unabhängigen Jagdereignissen, die etwas mehr als ein Jahr auseinanderlagen.
„Das Sammeln aussagekräftiger Identifikationsfotos ist entscheidend: Wir entdecken immer wieder neue Techniken, mit denen Orcas jagen und ihre Beute verarbeiten“, so Ayres. „Sie gehören zu den bekanntesten Meeresräubern der Welt und überraschen uns dennoch immer wieder.“
Das beobachtete Verhalten könnte auch als eine Form elterlicher Fürsorge interpretiert werden, betonen die Forscher. Das Aufteilen des Kadavers in für das Kalb besser handhabbare Stücke deckt sich mit zuvor beobachteten Verhaltensweisen. Orcas (Orcinus orca) fressen nach Studienangaben etwa 200 Tierarten.
Dabei jagen sie häufig gemeinsam – manchmal auch Tiere, die größer sind als sie selbst: Sie jagen etwa kooperativ auf Walhaie, heißt es in der Studie.
Offene Fragen
- Dient das Verhalten primär der Erleichterung der Nahrungsaufnahme für Jungtiere?
- Ist das Verhalten auch als reine Spielerei zu interpretieren?
- Wie oft wird diese spezifische Jagdstrategie angewendet?


