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Piusbrüder: Schisma-Vorwurf als strategisches Manöver
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Piusbrüder: Schisma-Vorwurf als strategisches Manöver

Auf einen Blick

  • Generaloberer der Piusbrüder, Davide Pagliarani, weist Schisma-Vorwurf zurück und sieht sich als Teil der Römischen Kirche.
  • Er kritisiert die vatikanische Lehrentwicklung als "traditionsvergessen" und wirft dem Heiligen Stuhl vor, ein Schisma aufzuzwingen.

KI-generierte Zusammenfassung

Warum es wichtig ist

Das Verhältnis zwischen Rom und den Traditionalisten, wie den Piusbrüdern, ist seit einem halben Jahrhundert komplex. Die Piusbrüder lassen die Tradition vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil enden, während das römisch-katholische Lehramt "Vergessen als Modus der Lehrentwicklung" praktiziere.

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Jedenfalls gewitzt ist die Antwort, die der Generalobere der Piusbrüder, Davide Pagliarani, dem Papst auf dessen Last-minute-Appell vor den Bischofsweihen („Kehrt um!“) gegeben hat. Der Tenor dieser Antwort: Rom sieht uns als Schismatiker an, wenn wir die vom Heiligen Stuhl nicht erlaubten, aber sakramental gültigen Bischofsweihen vollziehen. Wir selbst jedoch haben keine schismatischen Absichten, wir verstehen uns als Teil der Römischen Kirche, gestern, heute und in Ewigkeit. „Fern liegt uns der Gedanke, uns von der Römischen Kirche zu trennen“, so führt der Generalobere aus. „Im Gegenteil, wir wollen ihr mit außergewöhnlichen Mitteln dienen, gleich einer Mutter in Bedrängnis, die einer besonderen, nicht von allen verstandenen Hilfe bedarf. Ich bin jedoch gewiss“, fährt Pagliarani nicht ohne sarkastischen Unterton fort, „dass der Heilige Vater dies zu verstehen vermag. Der Heilige Stuhl hat bewiesen, dass er sehr komplexe Situationen zu verstehen vermag und sich Zeit zu nehmen weiß.“

„Vergessen als Modus der Lehrentwicklung“

Komplex ist das seit einem halben Jahrhundert schwelende Verhältnis zwischen Rom und den Traditionalisten tatsächlich. So wie die Piusbrüder die Tradition vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil enden lassen (in ihren programmatischen Glaubensschriften wird kein Papst seit den Sechzigerjahren des vorigen Jahrhunderts mehr zitiert), so gehört „Vergessen als Modus der Lehrentwicklung“ zur Strategie des römisch-katholischen Lehramts, wie der Münchner Theologe Michael Seewald vor Jahren in einem Aufsatz erläuterte. Ehemals verbindliche, aber inzwischen als unpassend empfundene Lehren werden demnach nicht förmlich widerrufen, sondern durch Beschweigen ausgemustert.

Genau dieses Verfahren nennen die Piusbrüder traditionsvergessen. Sie bringen ihrerseits Traditionsbestände in Stellung, ohne diese mit dem Aggiornamento des Zweiten Vatikanum abzugleichen. Der Wiener Theologe Jan-Heiner Tück hält in seinem aktuellen Buch „Ausverkauf des Konzils“ der Piusbruderschaft deshalb einen eingefrorenen Traditionsbegriff vor. Wobei eben das ja auch der Vorwurf ist, den die Piusbrüder umgekehrt gegen den Vatikan erheben, wenn er die Tradition hermeneutisch beim Zweiten Vatikanum einfriere und damit die Polarität zwischen vorkonziliar und nachkonziliar verschärfe, statt eine Hermeneutik der Kontinuität im Sinne des von den Piusbrüdern nicht als Papst Benedikt XVI. zitierten Joseph Ratzinger zu suchen.

Pagliaranis methodische Begriffsstutzigkeit mündet in die Pointe, den Piusbrüdern werde nun ein Schisma aufgezwungen, „das – theoretisch – bereits stattgefunden hat“, nämlich 1988, als schon einmal unerlaubte Bischofsweihen stattfanden und päpstlicherseits als „schismatischer Akt“ aufgefasst wurden. Warum dann aber heute vor einem Schisma warnen, wenn es dieses doch seit 1988 schon gebe? Ob der Vatikan seinen eigenen Schismazuschreibungen nicht traue und so seinerseits den Beweis liefere, „dass die Bruderschaft weder schismatisch noch der Kirche feindlich gesinnt ist“? Ein Hieb gegen die vatikanische Traditionsexpertise ist das allemal.

Offene Fragen

  • Warum warnt der Vatikan heute vor einem Schisma, wenn es dieses seit 1988 gäbe?
  • Traut der Vatikan seinen eigenen Schismazuschreibungen nicht?

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