Pro-Kopf-Arbeitszeit in Deutschland gesunken: Jüngere arbeiten weniger, Ältere mehr
Die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit pro Kopf ist in Deutschland leicht zurückgegangen, besonders bei Männern sowie jüngeren und mittleren Altersgruppen.
Auf einen Blick
- Die durchschnittliche Pro-Kopf-Arbeitszeit in Deutschland ist von einem Rekordwert im Jahr 2023 bis 2025 um 0,3 Stunden gesunken.
- Laut dem Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) liegt der Hauptgrund in der schwachen Konjunktur.
KI-generierte Zusammenfassung
Warum es wichtig ist
Über mehrere Jahrzehnte ist die Arbeitszeit pro Kopf in Deutschland gestiegen, ging zuletzt jedoch im Zuge wirtschaftlicher Schwächephasen leicht zurück.
Pro-Kopf-Arbeitszeit in der Konjunkturkrise Jüngere arbeiten weniger, Ältere mehr
Die durchschnittliche Arbeitszeit pro Kopf in Deutschland ist gesunken, besonders deutlich bei Männern sowie jüngeren und mittleren Altersgruppen. Bei den über Sechzigjährigen dagegen stieg sie.
Über mehrere Jahrzehnte hinweg ist die Arbeitszeit pro Kopf in Deutschland deutlich gestiegen. Doch zuletzt ist sie leicht zurückgegangen. Während 2023 mit 28,8 Wochenstunden für Männer und Frauen zusammen noch ein Rekordwert erreicht wurde, lag der Wert 2025 um 0,3 Stunden niedriger, teilte das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) mit.
Dieser Rückgang entspreche rein rechnerisch rund 460.000 Vollzeitstellen.
Die Arbeitszeit pro Kopf meint laut BiB die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit aller 20- bis 64-Jährigen, nicht nur der Erwerbstätigen. Sie sei eine wichtige Messgröße für das Arbeitskräfteangebot.
Hauptgrund ist die schlechte Konjunktur
Besonders deutlich sank die Arbeitszeit demnach bei Männern sowie bei jüngeren und mittleren Altersgruppen (25- bis 54-Jährige), während sie bei Älteren weiter zulegte.
Als Grund für den allgemeinen Rückgang nennt das Institut die konjunkturelle Lage. »Wirtschaftliche Schwächephasen gehen typischerweise mit einem Rückgang der Arbeitszeit pro Kopf einher. Das ist auch derzeit zu beobachten«, sagte BiB-Forscher Harun Sulak.
Zwischen 2005 und dem Beginn der Zwanzigerjahre hatte es einen lange anhaltenden Zuwachstrend bei der Arbeitszeit pro Kopf gegeben. Der in den vergangenen Jahren verzeichnete Rückgang war bei Männern stärker als bei Frauen. So hatten Männer 2019 mit 33,5 Stunden pro Woche den Höchstwert seit 1991 erzielt. Im Jahr 2025 lag der Wert nur noch bei 32,6 Stunden.
Stabile Frauenarbeitszeit als wichtiger Faktor
Bei Frauen ist die Arbeitszeit laut den Forschern mit gut 24 Stunden pro Woche weitgehend stabil geblieben. Das hänge auch damit zusammen, dass es weiterhin Fachkräftelücken etwa in Bildung und Kinderbetreuung sowie im Gesundheitswesen gebe, in denen Frauen besonders häufig arbeiteten.
»In diesen zum Teil wachsenden Branchen sind Frauen besonders stark vertreten, sodass die wirtschaftliche Schwäche bei ihnen weniger durchschlägt als bei Männern«, so Sulak.
Die stabile Frauenarbeitszeit sei zudem ein Grund, warum die Gesamtauswirkungen bislang weniger stark ausfielen als in früheren konjunkturellen Schwächephasen, hieß es.
Höheres Rentenalter als Faktor
Bei den über Sechzigjährigen nahm die Arbeitszeit pro Kopf laut den Berechnungen weiter zu. Dieser gegenläufige Trend sei unter anderem auf die schrittweise Anhebung des Renteneintrittsalters zurückzuführen, die zu einer höheren Erwerbsbeteiligung älterer Menschen geführt habe, erklärten die Forscher.
Zudem zeigt die Auswertung Unterschiede nach Bildungsniveau: Bei Menschen mit niedrigem Bildungsabschluss ging die Arbeitszeit pro Kopf am stärksten zurück, bei höher Qualifizierten fiel der Rückgang geringer aus.
Eltern- und Teilzeit spielen eine Rolle
Bei Personen mit niedrigem Bildungsabschluss sei der Rückgang in erster Linie darauf zurückzuführen, dass weniger Menschen erwerbstätig waren, hieß es. Bei höher Qualifizierten dagegen spiele die Verringerung der Wochenarbeitszeit eine große Rolle. Ein weiterer Faktor sei, dass Männer zunehmend Elternzeit- und Teilzeitmodelle in Anspruch nähmen.
»Die Arbeitszeit pro Kopf macht sichtbar, in welchem Umfang wir die vorhandenen Erwerbspotenziale tatsächlich ausschöpfen. Sie wird zukünftig weiter an Bedeutung gewinnen«, sagte BiB-Forschungsdirektor Sebastian Klüsener. »In den nächsten Jahrzehnten wird die Zahl der Erwerbspersonen durch die Alterung weiter zurückgehen.«
Die Berechnungen des BiB basieren auf Daten des Mikrozensus. Die Werte wurden zudem altersstandardisiert mit Bezug auf die Altersstruktur der Bevölkerung im Jahr 2025, um demografische Verschiebungen als Einflussfaktor herauszurechnen.
Offene Fragen
- Wie entwickelt sich die Konjunktur in den kommenden Jahren?
- In welchem Maße wird die Elternteilzeit von Männern weiter zunehmen?




