Rekordhitze zwingt ungarisches AKW Paks zur Abschaltung
Auf einen Blick
- Das ungarische Atomkraftwerk Paks wurde aufgrund historisch niedriger Wasserstände der Donau und damit verbundenem Kühlwassermangel vorübergehend vom Netz genommen.
- Dies führt zu einem Leistungsausfall von 2000 Megawatt, drohenden Stromengpässen für die Industrie und steigenden Importkosten, was die Wirtschaft Ungarns zusätzlich belastet.
KI-generierte Zusammenfassung
Warum es wichtig ist
Aufgrund historisch niedriger Wasserstände der Donau durch eine Rekordhitze wurde das ungarische Atomkraftwerk Paks erstmals seit Jahrzehnten vorübergehend vom Netz genommen, was zu einem Leistungsausfall von 2000 Megawatt führte und Engpässe in der Stromversorgung Ungarns verursacht.
Die Folgen der Rekordhitze in diesem Sommer treffen immer mehr Atomkraftwerke. Wegen des historischen niedrigen Wasserstandes der Donau und damit einhergehenden Kühlwassermangels wurde das einzige ungarische Atomkraftwerk Paks mit seinen vier Reaktorblöcken vorübergehend vom Netz genommen – erstmals seit Jahrzehnten. Zwar würde die aktuelle Wassermenge zur Kühlung der Reaktorblöcke ausreichen, stellte der Betreiber vorige Woche klar, trotz der extrem niedrigen Pegelstände und Durchflussraten.
Doch die Ansaugpunkte der erforderlichen Pumpen lägen höher als der aktuelle und voraussichtlich weiter sinkende Wasserspiegel, sodass sie ihre Funktion nicht mehr erfüllen könnten. Die Rede war von bis zu 72 Stunden. Nach Einschätzung des Ministerpräsidenten Peter Magyar bedeutet das Abschalten einen Leistungsausfall von 2000 Megawatt, während zugleich wegen der steigenden Hitze der Stromverbrauch der Privathaushalte und der öffentlichen Dienstleister steigen werde. Magyar verfügte per Verordnung, dass die Stromversorgung für Großverbraucher in der Industrie eingestellt werden könne, falls diese „die von ihnen erwartete Verringerung des Verbrauchs nicht umsetzen“, schrieb der Regierungschef. Spätestens ab Montag könne es zu Engpässen bei der Stromversorgung kommen, hatte Magyar bereits am Donnerstag angekündigt. Die Krisensituation könne wegen des erwarteten heißen Sommers noch Wochen andauern, sagte Magyar.
Mehrere Industrieunternehmen, darunter die Autobauer Mercedes und Suzuki, kündigten an, in ihren Produktionsstätten in Ungarn Strom zu sparen. Mercedes hat ohnehin in seinem Werk in Kecskemet ab nächster Woche eine dreiwöchige Produktionspause geplant. Der deutsche Autobauer hatte erst vor kurzem in dem Werk, 75 Kilometer südöstlich von Budapest, die Produktionskapazität bedeutend erweitert.
Die Bevölkerung in Ungarn ist weiterhin aufgerufen, während der Spitzenverbrauchszeit zwischen 17 und 22 Uhr nicht zusätzlich Strom zu verbrauchen – etwa durch das Aufladen von Elektroautos und den Betrieb von Klimaanlagen. An einem durchschnittlichen Sommerabend würden 6.000 Megawatt Strom verbraucht, aufgrund der Hitze steige dieser Wert um 20 Prozent, erläuterte Magyar. Man setze nun die Stromreserven des Landes ein und kümmere sich um Importe. „Die Haushalte werden als Letzte von den Beschränkungen betroffen sein“, sagte Magyar trotzdem. Zudem soll der Güterverkehr auf der Schiene zu Spitzenzeiten eingestellt und die Beleuchtung öffentlicher Gebäude abgeschaltet werden. Angesichts der Wasserknappheit sagte der Regierungschef: „Jeder Tropfen Wasser zählt.“
Die Importkapazität beträgt 3600 bis 3800 Megawatt betrage, zitierte das Portal HVG Ministerpräsident Maygar. Die Energiekrise könnte dadurch die ungarische Wirtschaft, die bereits stagniert, weiter belasten. Die Mehrkosten für den Stromimport könnten sich auf 100 bis 200 Milliarden Forint (umgerechnet 315 bis 630 Millionen Dollar) belaufen. Paks liefert sonst die Hälfte des Strombedarfs des kleinen mitteleuropäischen Landes.
Ungarn betreibt seit 1982 in der südungarischen Stadt Paks das von der damaligen Sowjetunion gelieferte Atomkraftwerk. Das AKW liegt etwa 100 Kilometer südlich der Hauptstadt Budapest. Zwei der vier Blöcke sollen durch die beiden neuen Reaktoren aus der Fertigung von Rosatom ersetzt werden. Ursprünglich wurde mit einer Inbetriebnahme nicht vor Mitte der 2030er Jahre gerechnet. 2017 hatte die Europäische Kommission staatliche Beihilfen in Höhe von zehn Milliarden Euro für den Bau genehmigt. Die Vergabe des Projektes erfolgte direkt an Rosatom, ohne das vorgeschriebene EU-weite Ausschreibungsverfahren. Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hatte 2025 in einem Urteil festgestellt, dass diese direkte Vergabe des milliardenschweren Auftrags an Rosatom gegen EU-Recht verstößt.
Unter der neuen ungarischen pro-europäischen Regierung steht Paks II auf dem Prüfstand. Die einschlägigen Verträge des von Russland und Rosatom beherrschten Baus sollen neu bewertet werden. Die Umweltschutzorganisation Global 2000 fordert unterdessen ein Ende des Ausbaus. Die Abschaltung zeige, „dass die Klimakrise längst zum Sicherheits- und Verfügbarkeitsproblem für Atomkraft geworden ist“, argumentiert Global 2000: Ungarn müsse den Ausbau beenden und stattdessen in erneuerbare Energien investieren. Die Klimakrise mache Atomkraft „nicht zukunftsfähig, sondern noch riskanter“.
Über Ungarn hinaus treffen die niedrigen Wasserstände die Energieversorger und die Wirtschaft. Der Schiffsverkehr ist aufgrund des Niedrigwassers bereits eingeschränkt. Kreuzfahrten von Passau nach Wien enden vorzeitig. Niedrige Flussstände können auch Kohle- und Gaskraftwerke treffen, wenn Kühlwasser knapp wird oder zu warm ist. Zugleich erschweren niedrige Pegel den Transport von Kohle, Öl oder Biomasse auf Binnenwasserstraßen.
Trockenheit wirkt damit auf mehrere Teile des Energiesystems gleichzeitig. Sie senkt auch die Stromerzeugung aus Wasserkraft, verteuert Ersatzbeschaffung am Markt und kann konventionelle Kraftwerke sowie Brennstofflogistik beeinträchtigen. In Zeiten wachsender Elektrifizierung wird Wasser damit zu einer strategischen Quelle Energieversorgung.
Worauf zu achten ist
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Offene Fragen
- Wie lange bleibt AKW Paks vom Netz?
- Welche genauen wirtschaftlichen Folgen entstehen?
- Wie wird die neue Regierung Paks II bewerten?




