RTL-Show "Bad Boyfriends" sorgt mit Femizid-Erwähnung für Empörung
Auf einen Blick
- In der RTL-Show "Bad Boyfriends" wurde ein Femizid als vermeintliches "beruhigendes" Detail in einer Beziehungskrise genutzt.
- Die beiläufige Erwähnung löste online Empörung aus, während RTL die Darstellung als "wesentlichen Bestandteil der Handlung" verteidigte.
KI-generierte Zusammenfassung
Warum es wichtig ist
In der RTL-Show "Bad Boyfriends" wird ein Femizid beiläufig in einer Beziehungskrise thematisiert, was zu öffentlicher Empörung führte. RTL verteidigte die Darstellung als Teil der "Handlung".
In diesem Sinne ist die vierte Folge der neuen RTL-Realityshow „Bad Boyfriends“ besonders vielversprechend, denn sie beginnt mit einer schwarzen Schrifttafel, auf der es heißt: „Wir bitten euch, mit dem in der heutigen Sendung behandelten Thema respektvoll und verantwortungsbewusst umzugehen. Bitte seht von Spekulationen ab. Hinter jeder Geschichte stehen reale Menschen – Angehörige und Freunde –, deren Privatsphäre es zu schützen gilt. Vielen Dank für eure Rücksicht und euren respektvollen Umgang.“
Alles an dieser Tafel ist verblüffend. Zu dem Zeitpunkt, an dem sie eingeblendet wird, kann der Zuschauer noch nicht einmal ahnen, was das „behandelte Thema“ sein wird. Aber er hat mehrere Folgen einer Show gesehen, in der Konzepte wie „Privatsphäre“, „Respekt“ und „Verantwortungsbewusstsein“ wirklich keine tragende Rolle gespielt haben.
„Diese Frau wurde getötet.“ – „Von wem?“ – „Von ihrem Freund.“
Es stellt sich heraus, dass das „behandelte Thema“, das RTL meint, Femizid ist. Immerhin, und da muss man fast schon froh sein, geht es nicht darum, dass einer der Teilnehmer eine Frau getötet haben soll. Bei einem Beziehungstest können die Kandidatinnen die Mobiltelefone ihrer Partner kontrollieren, ob sie „sauber“ sind oder sich etwa Konversationen mit Ex-Partnerinnen oder flirtenden Fans finden. Es stellt sich heraus, dass der Teilnehmer Maki ein Zweithandy hat, auf dem seine Freundin Michelle prompt ein sexuelles Video einer anderen Frau findet.
Sie reagiert fassungslos. Aber Maki hat eine Information, von der er anscheinend ausgeht, dass sie sie beruhigt: „Es ist etwas passiert mit dieser Frau. Diese Frau wurde getötet.“ Nachfrage der Moderatorin Charlotte Engelhardt: „Von wem?“ – „Von ihrem Freund.“
Das ist also, auf eine Art, eine gute Nachricht für die Beziehung von Michelle und Maki: Sie muss sich keine Sorgen machen, dass da noch irgendein Kontakt zwischen ihm und dieser fremden Frau besteht. Sie hat sogar, was in diesen Formaten und bei diesen Reality-Geschichten selten ist, totale Gewissheit, denn die Frau lebt ja nicht mehr.
In der Logik dieser Show ist es beinahe nachvollziehbar, dass Maki einen Femizid in dieser Weise nutzt. Denn es wird die ganze Zeit zwischen den Paaren verhandelt, ob diese eine kurze Geste, dieser eine flüchtige Kuss, diese eine Textnachricht, nicht doch einen nicht zu verzeihenden Vertrauensmissbrauch darstellt. Und ob Dinge, die in der Vergangenheit passiert sind, teilweise in anderen extrem sexualisierten Reality-Formaten, wirklich abgeschlossen sind.
Die Erwähnung des angeblichen Todesfalls löst bei den Mitwirkenden trotzdem immerhin kurz Verstörung aus, aber die Folge geht schnell zur Tagesordnung über. „So, Feierabend“, gluckst Moderatorin Engelhardt, als sie den Koffer mit den Männerhandys zuklappt. „Und, Memo an mich: alle Nachrichten auf meinem Handy löschen. Oder am besten gar nicht erst solche Nachrichten schreiben.“
Mit allen Mitteln arbeiten die Macher daran, Konflikte immer neu anzufachen und eskalieren zu lassen
Die Beiläufigkeit, mit der der angebliche Femizid in der Folge behandelt wird, hat in den sozialen Medien Empörung ausgelöst. Eine RTL-Sprecherin rechtfertigte die Ausstrahlung gegenüber Bild damit, dass die Konfrontation mit den Inhalten auf dem Zweithandy „ein wesentlicher Bestandteil der Beziehungsgeschichte von Michelle und Maki und damit ein zentrales Element der in ‚Bad Boyfriends‘ erzählten Handlung“ sei. „Gleichzeitig legen wir großen Wert darauf, mit sensiblen Themen verantwortungsvoll umzugehen und die Persönlichkeitsrechte aller Betroffenen zu schützen. Die Darstellung der Inhalte beschränkt sich auf das für die erzählte Handlung erforderliche Maß.“
Das mehrfach verwendete Wort „Handlung“ ist kein Zufall: Die Protagonisten des Reality-Genres, das in den Streamingdiensten immer noch boomt, sind für die Produzenten erkennbar vor allem Darsteller einer endlosen Seifenoper. Mit allen Mitteln arbeiten die Macher daran, Konflikte immer neu anzufachen und eskalieren zu lassen. Die Darsteller aber setzen als Stoff, der zum Entertainment des Publikums und zur Gewinnmaximierung der Macher dient, ihre realen Beziehungen und ihr eigenes Privatleben ein.
Offenbar ist der „Handlungs“-Strang mit der toten Frau auf dem Handy auch noch nicht abgeschlossen. Auf Instagram hat RTL die Content-Warnung von Folge 4 auch auf die Folgen 5 und 7 erweitert. Dass darin respektvoll mit dem Thema umgegangen wird im Bewusstsein, es mit „realen Menschen“ zu tun zu haben, sollte man nicht erwarten.
Worauf zu achten ist
KI-Ausblick — Möglichkeiten, keine Fakten
RTL wird die Darstellung sensibler Themen in zukünftigen Shows überdenken müssen.
Wahrscheinlich · Innerhalb von Monaten
Die Show "Bad Boyfriends" könnte aufgrund der Kontroverse negative Quoten oder eine verkürzte Laufzeit erfahren.
Möglich · Innerhalb von Wochen
Offene Fragen
- Wie wird RTL mit dem Thema in zukünftigen Folgen umgehen?
- Welche Konsequenzen hat die Empörung für die Show?
- Wie reagieren die Teilnehmer auf die Kritik?




