Russische Luxusyacht "Graceful" vor Drohnenangriffen geschützt
Auf einen Blick
- Die russische Luxusyacht "Graceful", die Wladimir Putin zugerechnet wird, liegt nun im russischen Murmansk.
- Experten vermuten, dass dies zum Schutz vor ukrainischen Drohnenangriffen geschieht, obwohl die Region als nicht mehr sicher gilt.
KI-generierte Zusammenfassung
Warum es wichtig ist
Die russische Luxusyacht "Graceful", die Wladimir Putin zugerechnet wird, wurde in einen Hafen im Gebiet Murmansk verlegt. Dies geschieht offenbar, um sie vor ukrainischen Drohnenangriffen zu schützen, obwohl die Region als nicht mehr sicher gilt.
Die russische Luxusyacht „Graceful“, die Wladimir Putin zugerechnet wird, liegt mittlerweile in einem Hafen im Gebiet Murmansk. Das berichtet das dänische Fernsehen unter Berufung auf Satellitenfotos. Demnach liegt das Schiff nun vertäut im Militärhafen von Seweromorsk. Es liegt nahe, dass auf diesem Weg versucht wird, das Schiff vor Drohnenangriffen der Ukraine zu schützen.
Auf der „Graceful“ empfing Putin 2021 im Schwarzen Meer den weißrussischen Machthaber Alexandr Lukaschenko. Im Juni 2022 stufte das amerikanische Amt für die Kontrolle ausländischer Vermögenswerte (OFAC) die „Graceful“ als gesperrtes Vermögen ein, „an dem Präsident Wladimir Putin beteiligt ist“. Laut OFAC soll Putin zahlreiche Reisen auf der „Graceful“ sowie einer weiteren gesperrten Yacht gemacht haben. Als Reaktion auf die Sanktionierung wurde das Schiff dann offenbar in „Kosatka“ umbenannt.
Die Yacht wurde einst in Russland gebaut, aber von der Hamburger Werft Blohm+Voss fertiggestellt. Sie soll neben Salz- und Süßwasserpools auch ein Fitnessstudio an Bord haben. 2021 kam sie wieder nach Hamburg, um umgebaut zu werden. Doch verließ sie die Hansestadt unfertig Anfang Februar 2022 und damit kurz vor Beginn des russischen Angriffskrieges. Seitdem blieb sie offenbar in russischen Ostseehäfen.
Ende Juni hatte die rund 80 Meter lange „Graceful“ beziehungsweise „Kosatka“, die auch mit einem Hubschrauberlandeplatz ausgestattet ist, die Ostsee verlassen zusammen mit der mehr als 110 Meter langen „Voevoda“, die mutmaßlich als Versorgungsschiff dient und nun ebenfalls in Murmansk gesichtet wurde. Begleitet wurden die beiden Schiffe durch die Ostsee und auch entlang der Küste Norwegens von dem russischen Zerstörer „Severomorsk“ – einem Schiff der Udaloy-Klasse mit rund 160 Meter Länge.
In der Ostsee eskortieren die westlichen Ostseeanrainer, darunter die deutsche Marine, den Verband. Die „Kieler Nachrichten“ berichteten, alle Decks und Außenflächen der Yacht seien bei der Fahrt offenbar zum Schutz gegen Drohnen mit Netzen überzogen gewesen. Auch an den Aufbauten und dem Mast waren demnach Drohnenabwehranlagen installiert. Von der Zeitung veröffentlichte Fotos belegen das. Aus Sicherheitskreisen heißt es dazu, ein derartiges Anbringen von Antidrohnennetzen auf einem zivilen Schiff sei äußerst ungewöhnlich und belege, dass hier versucht werde, ein „Prestigeobjekt“ zu schützen.
Im Skagerrak hatte die Yacht ihr Positionserkennungssignal (AIS) am 30. Juni abgeschaltet. Bisher war unklar, wohin sie sich danach bewegt hatte. Laut dem dänischen Fernsehen hatte das Schiff über das Positionserkennungssystem Istanbul als Ziel angegeben. Statt stattdessen aber fuhr es in den hohen Norden.
Angenommen wird, dass Moskau das Schiff mit der Verlegung vor ukrainischen Drohnenangriffen schützen will. Zuletzt gab es mehrere erfolgreiche ukrainische Angriffe mit weitreichenden Drohnen auf russische Infrastruktur in den Ostseehäfen. Murmansk liegt rund 2000 Kilometer entfernt von der Ukraine.
„Die Luxusyacht ist nun weiter von der Ukraine entfernt, aber nicht in Sicherheit“, sagt dazu Per Erik Solli, ein leitender Verteidigungsforscher am Norwegischen Institut für Internationale Beziehungen (NUPI) in Oslo. Er verweist darauf, dass die Ukraine auch dort schon erfolgreiche Drohnenangriffe verübt hat. Schon im September 2024 gab es auf der Kola-Halbinsel Drohnenangriffe, die aber offenbar abgewehrt wurden. Im Juni 2025 griff die Ukraine dann Flugzeuge auf dem Militärflugplatz der Nordflotte an. Allerdings starteten die Drohnen damals von russischem Gebiet aus Lastwagen. „Spinnennetz“ wurde die Operation genannt.
Die Entfernung zwischen der Ukraine und der Kola-Halbinsel mache das Gebiet nicht mehr sicher, sagt Solli. Denn die Ukraine verfüge mittlerweile über leistungsfähigere Offensivsysteme, etwa Langstreckendrohnen und Marschflugkörper, und sie sei in der Lage, Ziele in vielen Regionen Russlands anzugreifen, darunter die Kola-Halbinsel und das Gebiet der Barentssee.
Die russischen Stellungen auf der Kola-Halbinsel gelten als deutlich besser gesichert als jene an der Ostseeküste. Im Norden ist Russlands Nordflotte stationiert, inklusive der atomgetriebenen strategischen U-Boote. Als Standort der russischen Nordflotte werde die Region Murmansk durch umfangreiche Luftverteidigungssysteme geschützt, sagt Kristian Åtland dazu, der am Norwegischen Verteidigungsforschungsinstitut (FFI) forscht, das zum Verteidigungsministerium gehört. Diese Abwehrmaßnahmen könnten zwar keinen vollständigen Schutz vor Angriffen garantieren, erschwerten jedoch Operationen gegen Ziele in diesem Gebiet und verringerten die Wahrscheinlichkeit erfolgreicher Angriffe. Doch auch Åtland sagt: Murmansk sei nicht mehr vor ukrainischen Angriffen sicher.
Laut Solli haben die russischen Behörden Anfang 2026 Alarm geschlagen angesichts der verbesserten ukrainischen Offensivfähigkeiten und weiterer möglicherweise effektiverer Angriffe auf die Kola-Halbinsel. „Russland hat nun Maßnahmen ergriffen, um Marinestützpunkte und Schiffe in den Häfen der Kola-Halbinsel und im Gebiet des Weißen Meeres sowohl vor ukrainischen Luftdrohnen als auch vor Meeresdrohnen zu schützen“, sagt der Forscher.
Die Überwachung konzentriere sich nun auf den Luftraum über dem russischen Festland, aber auch auf die angrenzenden Seegebiete in der Barentssee und der Norwegischen See. Eine Sorge sei dabei der mögliche Einsatz ziviler Schiffe durch die Ukraine, um Angriffe vom Meer aus gegen die Kola-Halbinsel zu starten, so Solli. Zum Beispiel durch den Start von Luftangriffsdrohnen aus Containern auf Schiffsdecks. Oder aber durch den Einsatz ziviler Schiffe als Plattform, um ukrainische maritime Einweg-Angriffsdrohnen gegen russische Schiffe und Häfen zu starten.
Die verstärkte russische Seeüberwachung hat laut Solli in diesem Jahr zu einer Zunahme russischer Flüge in der Nähe von Norwegen geführt. Die in Nordnorwegen stationierten F-35-Flugzeuge hätten bis Mai dieses Jahres im Vergleich zu den Vorjahren doppelt so viele russische Flugzeuge abgefangen.
Worauf zu achten ist
KI-Ausblick — Möglichkeiten, keine Fakten
Russland wird weitere Maßnahmen zur Abwehr von See- und Luftdrohnen ergreifen.
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