Sabbatjahr in Deutschland: Was es kostet und wie es finanziert wird
TK-Studie zeigt: Zwei Drittel der Deutschen fühlen sich gestresst. Ein Sabbatjahr kann helfen - kostet aber mindestens 27.720 Euro.
Auf einen Blick
- Eine repräsentative TK-Studie zeigt, dass zwei Drittel der Deutschen sich gestresst fühlen.
- 43 Prozent wollen eine Auszeit vom Beruf nehmen.
- Ein Sabbatjahr kostet mindestens 27.720 Euro - inklusive Krankenversicherung und Puffer.
KI-generierte Zusammenfassung
Die Deutschen stehen ständig unter Strom, zwei Drittel der Menschen hierzulande fühlen sich häufig oder manchmal gestresst. Schule, Studium oder Beruf gehören zu den Hauptgründen. Das geht aus einer repräsentativen Befragung der Techniker Krankenkasse (TK) hervor. Angesichts dieser Zahlen ist es wenig verwunderlich, dass immer Menschen eine Auszeit vom Beruf nehmen wollen. Laut einer Umfrage des Urlaubsanbieter Wimdu sind es hierzulande 43 Prozent. "Vielleicht möchte ich einfach mal Zeit haben, mich etwas treiben zu lassen, Kaffee zu trinken, Freunde zu treffen, Sport zu machen, Bücher zu lesen", beschreibt Katharina Lüth, Vorständin bei der Raisin Bank, die Wünsche der Menschen im aktuellen Video des ARD-Finanzformats 50k auf YouTube. Studien wie die von Wimdu zeigen, dass es oft auch darum geht, sich neue Perspektiven zu eröffnen, zu reisen oder sogar einen Burnout zu verhindern oder zu überwinden - das wollen immerhin rund 50 Prozent der Befragten schaffen.
Anspruch auf Freizeit? So eine Auszeit vom Job kann beispielsweise ein Sabbatjahr sein. Das geht vor allem für Beamte und Lehrer relativ leicht, es gibt für diese Berufsgruppen nämlich spezielle Gesetze, die es leichter machen, ein Sabbatjahr einzulegen. Für alle anderen gibt es keinen gesetzlichen Anspruch auf ein Sabbatjahr. Das heißt aber nicht, dass es für andere Arbeitnehmer unmöglich ist, ein Sabbatjahr einzulegen. Denn Arbeitgeber können das trotzdem möglich machen. Um das Ganze dann auch zu finanzieren, gibt es verschiedene Modelle und Wege: Entweder mit einem Arbeitszeitkonto oder dem Teilzeitmodell. "Wenn ich einen Arbeitgeber habe, der das macht, dann ist das natürlich der absolute Glücksfall und das lohnt sich dann eigentlich fast immer", betont Katharina Lüth.
Arbeitszeitkonto oder Teilzeitmodell Auf einem Arbeitszeitkonto können Arbeitnehmer Überstunden oder nicht verbrauchte Urlaubstage parken und später nutzen. Das gilt übrigens nicht für Urlaubstage, sondern auch für Sonderzahlungen wie Weihnachtsgeld, die man auf solchen Konten als Guthaben ansparen kann. In einer sogenannten Wertguthabenvereinbarung können Arbeitgeber mit den Mitarbeitern festlegen, welche Entgelt- und Zeitanteile genau angespart werden sollen. Das Teilzeitmodell funktioniert so ähnlich: Dabei schließt man mit seinem Arbeitgeber einen speziellen befristeten Teilzeitvertrag ab, arbeitet aber trotzdem die normale Stundenzahl wie in der Vollzeitanstellung. Ausgezahlt wird in der Ansparzeit das Teilzeitgehalt und im anschließenden Sabbatjahr dann die Differenz. Die Möglichkeit, ein Sabbatjahr mit Einverständnis und Unterstützung des Arbeitgebers zu machen, hat zudem den Vorteil, dass die Kranken- und Sozialversicherung bestehen bleiben. Dazu kommt: Während der Ansparphase fallen für die Mitarbeiter keine Steuern und Sozialabgaben darauf an. Erst wenn dann das Sabbatjahr erfolgt, wird die Steuer fällig.
Unbezahlter Urlaub "Dann gibt es noch ein Zwischenmodell, wo mein Arbeitgeber genehmigt, dass ich einen längeren unbezahlten Urlaub nehme", sagt die Raisin-Vorständin. Das sei zwar weniger lukrativ als das Arbeitszeitkonto oder das Teilzeitmodell. Aber: "Das hat den Vorteil, das ich weiss, dass ich hinterher in meinen Job zurückgehen kann." Das Problem daran ist aber, dass die Kranken- und Sozialversicherungen nur für einen Monat laufen. Wer also ein Sabbatjahr macht, ohne die Unterstützung des Arbeitgebers zu haben, der bekommt vor allem bei der Finanzierung ein Problem. Um das nötige Kleingeld für eine solche Auszeit zu haben, muss man vor allem die Frage klären: Was habe ich eigentlich in meinem Sabbatjahr vor? Zuhause bleiben und die Freizeit genießen? Oder reisen und die Wohnung untervermieten?
Mehrere Zehntausend Euro ansparen "Wenn ich zu Hause bleibe, dann sollte ich mir überlegen: Was sind heute meine Ausgaben?", so Lüth. Dann könne man - unter Berücksichtigung der Dauer des Sabbaticals und etwas Puffer - ungefähr ausrechnen, wie viel Geld man braucht. "Und wenn ich dann merke, das ist zu hoch, dann muss ich schauen: Kann ich entweder an den Ausgaben sparen oder muss ich es eher noch ein bisschen nach hinten schieben?" Eine Beispielrechnung von 50k zeigt: Ein Single-Haushalt, der monatliche Ausgaben von 1.900 Euro hat, bräuchte - unter Berücksichtigung eines zehnprozentigen Puffers - 25.080 Euro, um ein Jahr Pause zu machen. Die 1.900 Euro sind dabei angelehnt an die durchschnittlichen monatlichen Ausgaben eines Haushaltes in Deutschland. Sie liegen bei rund 1.500 Euro, wobei hier mit Puffer gerechnet wurde. Hinzu kommt im Zweifelsfall noch die Krankenversicherung: Der Mindestbetrag für die freiwillige Krankenversicherung liegt im Moment bei rund 220 Euro pro Monat. Das erhöht die Kosten für das Sabbatjahr auf etwa 27.720 Euro. Und auch Ausgaben für die private Rentenversicherung kommen eventuell hinzu, sagt Katharina Lüth: "Das kann entweder die gesetzliche Rentenversicherung sein, in die man freiwillig einzahlt oder ein Puffer, um seine private Altersvorsorge auch weiter zu bestücken."
Inflation erhöht die nötige Sparrate Um ein Jahr Pause vom Job zu machen, braucht man also mindestens 27.720 Euro. Und unter Berücksichtigung der Inflation steigt der Betrag sogar: Bei einer Sparrate von 270 Euro im Monat bräuchte man 8,6 Jahre, um 27.720 Euro anzusparen. Eine angenommene jährliche Inflationsrate von zwei Prozent verlängert die Spardauer auf 10,6 Jahre - ohne die Berücksichtigung von Zinsen, wie eine Beispielrechnung von 50k zeigt. Zinsen können die Spardauer nämlich deutlich verkürzen: Wer zum Ansparen zum Beispiel ein Tagesgeldkonto wählt und darauf drei Prozent Zinsen bekommt, braucht zum Ansparen des benötigten Kapitals rund 20 Monate weniger Zeit. Und wer als Ergänzung auch ETFs nutzt, kann den Anlagezeitraum sogar noch etwas mehr verkürzen. "Aber die gesamte Sparrate in ETFs anzulegen, das würde ich bei einem mittelfristigen Horizont nicht empfehlen, weil es ein größeres Schwankungsrisiko gibt", so Katharina Lüth: "Denn sonst gehe ich ein relativ hohes Risiko ein, dass ich in einer Krisensituation plötzlich an das Geld heran muss, obwohl sich der Kapitalmarkt vielleicht gerade im Minus befindet."
Weniger Stress und mehr Lebenszufriedenheit Dann könnte man die Effekte des Sabbatjahres nämlich nicht genießen. Obwohl die nicht zu verachten sind: Ein Sabbatjahr reduziert Stress, verbessert die Gesundheit und die Lebenszufriedenheit. Und es hilft gegen Überlastung. Die Effekte halten aber nur so lang an, wie auch die Pause anhält. Deshalb empfehlen Forschende, dass man auch grundsätzlich an seiner Situation arbeiten sollte, damit die Effekte länger anhalten.







