Tech-Investor Oldenkott: "KI-Token-Explosion" treibt Nachfrage nach Rechenleistung
Auf einen Blick
- Tech-Investor Oldenkott erwartet eine "KI-Token-Explosion", die die Nachfrage nach Rechenleistung weiter antreibt.
- Er sieht Potenzial im unerschlossenen Markt und der veränderten KI-Nutzung, warnt aber vor Risiken durch hohe Bewertungen und "KI-Winter".
KI-generierte Zusammenfassung
Warum es wichtig ist
The article discusses the increasing demand for computing power driven by Artificial Intelligence (AI) and its implications for tech investments. Tech investor Oldenkott highlights the "token explosion" as a key driver, stemming from both user growth and evolving AI usage patterns like autonomous agents. He points out the physical limitations of scaling data centers, chips, and energy supply to meet this digital demand, creating a structural overhang. BIT Capital, where Oldenkott is active, has invested 50% of its fund in the AI value chain.
„Alle Anzeichen stehen auf weitere Beschleunigung“, sagte Oldenkott im Podcast Handelsblatt-Invest. Der Tech-Investor begründet das vor allem mit der bevorstehenden „Token-Explosion“ – also der stark steigenden Nutzung von Künstlicher Intelligenz (KI), die die Nachfrage nach Rechenleistung massiv steigen lässt.
Oldenkott sieht zwei Treiber, die darauf hindeuten, dass die Nachfrage nach KI-Rechenleistung noch lange nicht ihren Höhepunkt erreicht hat. So seien die Nutzerzahlen weltweit niedrig: „Noch sind es nicht besonders viele Menschen, die regelmäßig KI nutzen“, sagt er. Das bedeute: Der Gesamtmarkt sei potenziell riesig, jedoch weitgehend unerschlossen.
Zudem verändere sich die Art der KI-Nutzung grundlegend. Statt mit der KI zu chatten, nutzten immer mehr Menschen Agenten, die selbstständig eigene Aufgaben übernehmen. Dies sorge für einen steigenden Rechenaufwand. „Die KI schreibt wahnsinnig viel Computer-Code. Das verbraucht Token, und zwar viel mehr als in einer Chat-Interaktion“, sagt er.
Hinzu kommt, dass das Angebot physisch begrenzt ist. Oldenkott zufolge unterschätze der Markt das Ausmaß dieser Dynamik. Die physische Lieferkette – Datencenter, Chips, Energieversorgung – lasse sich schlicht nicht so schnell ausbauen, wie die digitale Nachfrage wächst. Daraus ergibt sich für ihn ein anhaltender und struktureller Nachfrageüberhang. „Viele Marktteilnehmer sehen darin nach wie vor immer noch eher ein lineares Problem – aber eigentlich ist es ein exponentielles Problem“, sagt er.
Diese Überzeugung schlägt sich direkt in der Anlagestrategie von BIT Capital nieder. Der Vermögensverwalter hat nach Aussage von Oldenkott 50 Prozent des Fondsvermögens in das Thema investiert. „Wir versuchen, die gesamte KI-Wertschöpfungskette zu verstehen und entlang dieser diversifiziert zu investieren.“
Unter den Hyperscalern bevorzugt Oldenkott derzeit Google und Amazon: „Seit Mitte letzten Jahres ist Google immer eine unserer größten Positionen.“ Daneben hält er Nvidia und AMD als Lieferanten von Grafikchips für zentrale Positionen. Tiefer in der Lieferkette setzt er auf Speicherchiphersteller wie Micron oder SK Hynix sowie auf Anbieter von Netzwerkequipment und optischen Kabeln.
Der Blick reicht sogar bis zur Energieversorgung. Gerade in den USA sei der Zugang zu Strom zunehmend ein Engpass: Es werde immer schwieriger, die notwendige Genehmigung und „die letzten 100 Meter Kabel“ oder die Starkstromanschlüsse zu erhalten, erklärt er.
Mit den hohen Bewertungen wachsen jedoch auch die Risiken für Rücksetzer. Eine Begleiterscheinung des Booms seien immer stärkere Schwankungen. So seien selbst hunderte Milliarden schwere Softwarekonzerne nicht davor gefeit, an einzelnen Handelstagen um zehn Prozent oder mehr einzubrechen.
Noch größere Gefahr könnte von einem „KI-Winter“ ausgehen. „Wenn die nächste KI-Modellgeneration nicht gut genug ist oder die Nachfrage aus welchen Gründen auch immer auf einmal einbrechen würde, dann sind diese Unternehmen natürlich sehr stark gefährdet, weil sehr viel Fantasie eingepreist ist.“ Auch eine zu starke Regulierung, ein staatlich verordneter Entwicklungsstopp oder gesellschaftliche Gegenbewegungen könnten einen solchen KI-Winter auslösen.
Welche Rückschläge möglich sind, bekamen Investoren bei Softwareaktien Anfang des Jahres zu spüren. Titel wie SAP sind seit Jahresbeginn um mehr als 30 Prozent im Minus. Dahinter steht die Sorge, dass KI die Softwareentwicklung massiv beschleunigt und viele etablierte Hersteller um ihre Marktmacht bangen müssen.
Oldenkott hält die Disruption für real, aber den Ausverkauf für teilweise übertrieben. „Man hat schon gemerkt, dass der Markt teilweise auch überreagiert hat.“ Einige davon seien „klar zu Unrecht abgestraft“ worden, gemessen an ihren tatsächlichen Geschäftszahlen.
Dennoch gibt er keine Entwarnung: „Die Situation ist noch nicht ausgestanden.“ Er unterscheidet zwischen zwei Gruppen. Einfache Softwarelösungen – etwa CRM-Tools oder Projektmanagement-Software – seien klare Verlierer der KI-Disruption, von denen er keine Erholung erwartet. Bei tief in Unternehmensprozesse integrierten Systemen wie SAP oder Service Now sei die Lage komplexer: Diese könnten KI-Gewinner werden.
Das übergeordnete Problem sieht er bei den Bewertungsmaßstäben: Lange versprachen Software-Unternehmen auf Jahrzehnte stabile, wiederkehrende Erträge und einen hohen Cashflow. Diese Gewissheit erodiere, weil sich die Technologiewelt zu schnell verändere und KI die Verhandlungsmacht der Softwareanbieter ihren Kunden gegenüber schwäche. „Die Technologie verändert sich so schnell, dass der Markt sicherlich nicht mehr bereit sein wird, Umsätze 20 Jahre in die Zukunft als sicher einzupreisen“, ist Oldenkott überzeugt.
Auch von der Geopolitik gehen Risiken für Tech-Investitionen aus. Oldenkott sieht dabei zwei klar zu trennende Effekte. Auf Ebene der Fundamentaldaten sind viele KI-Infrastrukturunternehmen nach seiner Einschätzung kaum betroffen. Für einen Speicherchiphersteller wie SK Hynix sei es „ehrlich gesagt herzlich egal, wie viel Öl gerade durch die Straße von Hormus fließt oder eben nicht“.
Doch bei geopolitischen Krisen bestehe immer die Gefahr, dass sie eine Marktpanik auslösen und der Kursrückgang auch Aktien mit nach unten zieht, deren Geschäftsmodelle gar nicht berührt werden. Er hält es für eher bemerkenswert, dass die jüngsten Krisen den Markt bislang kaum bewegen.
„Man steht manchmal schon mit einigen Fragezeichen davor, wenn man sieht, wie entspannt der Markt bei jedem Scharmützel reagiert“, sagt Oldenkott. Bislang gelte: „Der Markt ist aktuell mehr damit beschäftigt, dass wir zu wenig Token haben, als dass wir zu wenig Rohöl haben.“
Worauf zu achten ist
KI-Ausblick — Möglichkeiten, keine Fakten
Continued acceleration in demand for AI computing power due to the "token explosion".
Sehr wahrscheinlich · Mittelfristig
Increased market volatility for tech stocks, including significant daily price swings.
Wahrscheinlich · Mittelfristig
Potential for an "AI winter" if the next generation of AI models is insufficient or demand collapses.
Möglich · Mittelfristig
Offene Fragen
- What specific regulatory measures could trigger an "AI winter"?
- How will the energy supply chain adapt to the increased demand from AI?
- Which specific CRM or project management software companies are most at risk?
- What is the exact timeframe for the predicted "token explosion"?





