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BackTittmoning macht AfD-Kulturreferenten Gruttauer wieder ab
Tittmoning macht AfD-Kulturreferenten Gruttauer wieder ab
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Süddeutsche Zeitung17.06.2026Politik6 dk okumaGermany

Tittmoning macht AfD-Kulturreferenten Gruttauer wieder ab

Auf einen Blick

  • Nach massiven Protesten und überregionaler Berichterstattung hat der Tittmoninger Stadtrat die umstrittene Berufung eines AfD-Politikers zum Kulturreferenten wieder rückgängig gemacht.
  • Die Aufgaben werden nun beim Bürgermeister angesiedelt.

KI-generierte Zusammenfassung

Warum es wichtig ist

Ein AfD-Politiker wurde zum Kulturreferenten in Tittmoning ernannt, was zu breiten Protesten führte. Nach einer erneuten Abstimmung wurde die Ernennung wieder rückgängig gemacht.

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„Danke für die enorme Werbung für mich und die AfD“, postete Gruttauer, nachdem eine lange Reihe von regionalen Künstlerinnen und Künstlern, Autoren, Kabarettisten, Historikern, Schauspielern und Lehrern gegen seine Berufung protestiert hatten. Am Dienstagabend hat der Tittmoninger Stadtrat diese bayernweit bisher wohl einmalige Berufung in einer neuerlichen Abstimmung wieder rückgängig gemacht.

Gegen die beiden Stimmen von der AfD entschieden die Stadträte, die Aufgaben des Referenten für „Kultur, Brauchtum und Tradition“ stattdessen direkt bei Bürgermeister Andreas Bratzdrum (CSU) anzusiedeln. Die Entscheidung fiel vor großem Publikum im Tittmoninger Stadtsaal. Die meisten Zuhörer waren Kritiker Gruttauers, seine Unterstützer blieben auch hier in der Minderheit. Unter anderem Bratzdrum zeigte sich nach der Entscheidung erleichtert.

Mit dem Beschluss ist Gruttauer nun eines von zwei Tittmoninger Ratsmitgliedern ohne Referentenposten. Denn in dem 6000-Einwohner-Städtchen an der Grenze zu Österreich ist es üblich, dass sich jeder im Rat eines bestimmten Themas besonders annimmt. So soll sich der zweite AfD-Stadtrat um die Abwasserbeseitigung kümmern. Eine Frau, die am 8. März ebenfalls erstmals für die AfD in den 20-köpfigen Stadtrat gewählt wurde, hat sich schon vor der allerersten Sitzung aus deren Fraktion verabschiedet. Sie blieb von Anfang an ohne Portfolio.

So großzügig derlei Posten in Tittmoning gewöhnlich verteilt werden, so gering sind die jeweiligen Befugnisse und Budgets. Der Posten des Kulturreferenten war gerade frei geworden, weil der langjährige Referent des Stadtrats bei der bayerischen Kommunalwahl nicht mehr kandidiert hatte. In zwei internen Abspracherunden hatte niemand sonst das Amt beansprucht. Und bei der Abstimmung sahen sich die Räte und Fraktionen dann trotz eines anderslautenden Antrags mehrheitlich an ihre Absprachen gebunden.

Dass es womöglich ein großer Fehler gewesen sein könnte, als mutmaßlich erste Kommune in Bayern ausgerechnet einem AfD-Mann die Kultur anzuvertrauen, das dämmerte Bratzdrum und den meisten anderen Stadträten erst später: angesichts der Proteste aus der äußerst lebhaften lokalen Kulturszene, angesichts des wachsenden Leserbriefaufkommens in der Lokalzeitung und schließlich angesichts überregionaler Berichte.

Im Fall des Bürgermeisters, der die Personalie inzwischen selbst öffentlich als Fehler bezeichnet, verdichtete sich diese Befürchtung nach eigenen Worten während eines Telefonats mit Gruttauer. „Jetzt beginnt der Kulturkampf“, habe Gruttauer am Telefon zu ihm gesagt, berichtet Bratzdrum – und dass es für ihn, Gruttauer, besser gerade gar nicht laufen könne.

Denn sobald sich erste, lautere Kritik an der Personalie regte, stellten sich Gruttauer und die AfD auf ihren Kanälen als Opfer der anderen Parteien und einer linken Kulturszene dar. Eine Nähe zum Rechtsextremismus wies Gruttauer zurück und sprach von einer Kampagne gegen ihn. AfD-Kreise lancierten eine bisher allerdings kaum unterstützte Online-Petition, wonach Gruttauer demokratisch gewählt sei und nicht wegen seiner Parteizugehörigkeit aus dem Amt gedrängt werden dürfe.

Als regelrechte „Wahl“ will Bürgermeister Bratzdrum die Bestellung Gruttauers zum Referenten aber gar nicht bezeichnen. Vielmehr habe es sich lediglich um eine Abstimmung gehandelt – und das Ergebnis einer bloßen Abstimmung könne der Stadtrat in einer der nächsten Sitzungen jederzeit revidieren, sagt Bratzdrum. So sehe es auch das Landratsamt in Traunstein als zuständige Rechtsaufsicht.

Gruttauer hat wegen seines Engagements für die mindestens in Teilen rechtsextreme AfD mit dem Referentenposten nun schon sein zweites Amt binnen kurzer Zeit aufgeben müssen. Wie er das erste verloren hat, war in Tittmoning auch lange vor seiner umstrittenen Berufung zum Kulturreferenten weithin bekannt.

Denn schon vor einem Jahr sah Gruttauer sich gezwungen, vom Vorsitz des Trachtenvereins „D'Heulandler“ im nahen Törring zurückzutreten. Als er sich 2025 für die AfD um das Amt des Traunsteiner Landrats beworben hatte, wollten etliche Eltern ihre Kinder nicht mehr dem Vorplattler Gruttauer anvertrauen und drohten, sie aus der Nachwuchs-Tanzgruppe zu nehmen. Auch erwachsene Mitglieder kündigten an, den Verein zu verlassen.

Auch die Heulandler wollten von ihrem einstigen Vorplattler nach diesem Vorfall nichts mehr wissen

Gruttauer konnte die Wogen zunächst glätten. Doch dann postete er ein Wahlkampf-Selfie mit dem AfD-Bundestagsabgeordneten Christoph Birghan in Tracht vor dem soeben vom Verein aufgestellten Maibaum in Törring. Wie mehrere ähnliche Social-Media-Beiträge sollte auch diese Nachricht offenbar die angebliche Verwurzelung der AfD-Männer im bayerischen Brauchtum unterstreichen. Die Heulandler in Törring wollten von Gruttauer als ihrem Vereinsvorsitzenden dann aber endgültig nichts mehr wissen.

Dafür amtiert Gruttauer inzwischen auf Landesebene als Schriftführer der AfD-Nachwuchsorganisation „Generation Deutschland“ und ist seit diesem Jahr Vorsitzender des neu gegründeten AfD-Ortsverbands Tittmoning. Eine Nähe zu „Brauchtum und Tradition“ signalisiert er weiterhin durch demonstratives Tragen von Janker und Lederhose.

Was die „Kultur“ als den ersten und wichtigsten Teil seiner inzwischen ehemaligen Referenten-Zuständigkeit betrifft, so verweisen seine Kritiker auf die Kontakte des bekennenden Höcke-Fans Gruttauer zur völkischen, vom Verfassungsschutz als rechtsextremistisch eingestuften „Identitären Bewegung“. Die benutzt das Sprechen von unterschiedlichen „Kulturen“ oft als Deckmantel für schlichten Rassismus.

Worauf zu achten ist

KI-Ausblick — Möglichkeiten, keine Fakten

  • Gruttauer könnte weitere politische Ämter auf Landesebene anstreben, um seine Position zu festigen.

    Möglich · Innerhalb von Monaten

Offene Fragen

  • Wie wird Gruttauer auf diese Entscheidung reagieren?
  • Welche weiteren Konsequenzen hat dies für die AfD in Tittmoning?

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This article was originally published by Süddeutsche Zeitung.

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