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BackUS-Notenbankchef Warsh vor erster Zinsentscheidung: Anspannung an den Märkten
US-Notenbankchef Warsh vor erster Zinsentscheidung: Anspannung an den Märkten
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Handelsblatt17.06.2026Business6 dk okumaGermany

US-Notenbankchef Warsh vor erster Zinsentscheidung: Anspannung an den Märkten

Auf einen Blick

  • Der neue Fed-Chef Kevin Warsh steht vor seiner ersten Zinsentscheidung.
  • Märkte sind angespannt, ob er Trumps Forderungen nach niedrigeren Zinsen folgt oder auf Zinserhöhungen setzt.
  • Ein Friedensabkommen mit dem Iran könnte die Inflationserwartungen dämpfen.

KI-generierte Zusammenfassung

Warum es wichtig ist

Der neue Fed-Chef Kevin Warsh steht vor seiner ersten Zinsentscheidung. Die Märkte sind angespannt, ob er den Forderungen von US-Präsident Trump nach niedrigeren Zinsen nachkommt oder auf Zinserhöhungen setzt.

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Frankfurt. Bis jetzt hat Kevin Warsh zur Zinspolitik geschwiegen. Auf ein Antrittsinterview oder eine programmatische Rede hat der neue Chef der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) verzichtet. Umso größer ist die Anspannung an den Märkten, ob Warsh zum Erfüllungsgehilfen von US-Präsident Donald Trump wird.

Warshs erster Zinsentscheid an diesem Mittwoch (20 Uhr deutscher Zeit) wird damit gleich zur Bewährungsprobe: Während Trump unmissverständlich niedrigere Zinsen fordert, setzen Marktteilnehmer zunehmend auf Zinserhöhungen. Investoren hoffen zudem auf Konkretes, wie Warsh die Fed in eine neue Ära führen will. Drei Felder stehen dabei im Fokus:

Spätestens seit dem 22. Mai dürfte Warsh ahnen, wer intern sein größter Widersacher wird: Fed-Vorstandskollege Christopher Waller. Während Warsh in Washington im Beisein Trumps vor großen US-Flaggen als Fed-Chef vereidigt wurde, brachte sich Waller in einem schmucklosen Vorlesungsraum der Frankfurter Hochschule Frankfurt School of Finance and Management als Gegenspieler in Stellung.

Bis dahin hatte Waller Zinssenkungen unterstützt. In Frankfurt verkündete der US-Notenbanker seinen Sinneswandel: „Die Inflation geht nicht in die richtige Richtung“, sagte Waller. Er sei zunehmend besorgt, dass höhere Energiepreise sie dauerhaft anheizen könnten. Und: „Wenn die Inflation nicht bald sinkt, kann ich spätere Zinserhöhungen nicht ausschließen.“

An den Märkten hat das Eindruck gemacht, zumal der Fed-Gouverneur bislang klar für eine lockere Geldpolitik stand. Mehrere andere Notenbanker haben ebenfalls signalisiert, dass eine Zinserhöhung möglich sei. Schließlich stieg die US-Inflationsrate im Mai auf 4,2 Prozent. Ihr Zwei-Prozent-Ziel hat die Fed seit fünf Jahren ununterbrochen verfehlt.

Die Inflationswarnungen mehrerer Notenbanker und Warshs Schweigen haben einen Stimmungsumschwung an den Märkten beschleunigt: Investoren preisen zunehmend steigende Zinsen ein, Ökonomen haben ihre Zinsprognosen angehoben. So erwarten die US-Experten der Landesbank LBBW und des US-Vermögensverwalters PGIM neuerdings drei Zinserhöhungen.

Das am Sonntagabend verkündete Friedensabkommen mit dem Iran verändert die Einschätzungen allerdings wieder etwas, weil in der Folge die Ölpreise gesunken sind: Damit „wird auch die Inflationswelle geringer ausfallen als befürchtet“, schreibt Krishna Guha, Notenbank-Experte der US-Investmentbank Evercore ISI, in einer aktuellen Analyse. Auch die befürchteten Störungen der Lieferketten könnten schwächer als erwartet ausfallen.

Die Ökonomen der US-Bank Citigroup gehen davon aus, dass Warsh damit Zinssenkungen zumindest weiter in Aussicht stellen kann. Laut Nathaniel Hyde vom britischen Vermögensverwalter Insight Investment verschafft das Iranabkommen Warsh mehr Spielraum, einen zurückhaltenden Ton anzuschlagen.

Auch Zinshändler sind hin- und hergerissen. Daten der US-Terminbörse CME zufolge ist an den Kapitalmärkten am Tag vor Warshs Premiere zu 58 Prozent mindestens eine Zinserhöhung bis Dezember eingepreist. Angesichts sinkender Ölpreise ist aber die Wahrscheinlichkeit, dass es das ganze Jahr über bei der jetzigen Zinsspanne von 3,5 bis 3,75 Prozent bleibt, etwas gestiegen.

Bei seiner obligatorischen Anhörung im Bankenausschuss des US-Senats kündigte Warsh einen „grundlegenden Systemwechsel in der Geldpolitik an“. Dazu könnte neben dem Umstieg auf ein anderes Inflationsmaß und weniger Pressekonferenzen im Anschluss an Zinsentscheide auch ein Stilwechsel gehören.

Warsh vermittelte in der Anhörung den Eindruck, dass die Notenbanker ihm zu wenig streiten und zu viel kommunizieren. Christian Keller, Chefvolkswirt der britischen Bank Barclays, kann das nachvollziehen: Aktuell kommuniziere die Fed sehr viel, sagte er.

„Sie veröffentlichen einmal im Quartal Projektionen zu künftigen Zinsen, die sie dann oft doch wieder einkassieren müssen. Auch das kann zu Volatilität führen“, sagte Keller. Ein Weniger-ist-mehr-Ansatz könne deshalb durchaus dazu führen, dass die Märkte weniger schwanken und die Unsicherheit sinkt, sagte der Volkswirt.

Am Mittwoch ist es wieder so weit: Die Fed veröffentlicht neue Projektionen. Anders als bei der Europäischen Zentralbank (EZB) gehört dazu auch ein Zinsausblick. Während Marktteilnehmer im Falle der EZB auf die Inflations- und Konjunkturprognosen angewiesen sind, um daraus ihre Zinserwartungen abzuleiten, liefert die Fed den zu erwartenden Zinspfad gleich mit.

Dafür markiert jede Notenbankerin und jeder Notenbanker mit einem Punkt, wo sie oder er die Leitzinsen in Zukunft sehen. Heraus kommt ein Streudiagramm namens „Dot Plot“. An den Märkten herrscht aktuell die Erwartung vor, dass die meisten Fed-Notenbanker auf absehbare Zeit keine Zinssenkung mehr signalisieren.

Analysten und Investoren werden am Mittwochabend die Punkte aber noch aus einem anderen Grund genau nachzählen: Es wird spekuliert, dass Warsh sich nicht am Zinsausblick beteiligen könnte. Statt der üblichen 19 Punkte wären es dann nur 18. In einem nächsten Schritt könnte Warsh den Zinsausblick dann abschaffen, lauten Mutmaßungen.

Ein zentraler Punkt auf Warshs Agenda ist, die Bilanz der Fed zu schrumpfen. Aktuell beläuft diese sich auf 6,7 Billionen Dollar. Anleihen, die die Fed jahrelang in großem Stil gekauft hat, haben die Bilanz aufgebläht. Diese Strategie sollte die Märkte in Krisen mit Liquidität versorgen und die langfristigen Zinsen drücken.

Investoren treibt um, wie Warsh den Rückbau der Bilanz angehen will. Je schneller sich die Fed von Anleihen trennt, die Papiere also verkauft, desto stärker dürfte das zusätzliche Bonds-Angebot die Kurse belasten – und damit die Renditen steigen lassen. Das läge allerdings nicht im Interesse des US-Finanzministeriums, weil dadurch die Zinskosten weiter steigen würden.

Und die US-Regierung muss in den nächsten Monaten ungewöhnlich viele auslaufende Staatsschulden refinanzieren. Sie konkurriert dabei mit großen Unternehmen um die Gunst der Investoren. Denn an den Anleihemärkten herrscht reges Treiben.

„Die hohen Anleihe-Emissionen von US-Tech-Konzernen stehen im Wettbewerb mit der Nachfrage bei amerikanischen Staatsanleihen“, gibt Barclays-Ökonom Keller zu bedenken. „Wenn nun auch noch das Finanzministerium mehr Anleihen begeben muss, steigt die Gefahr, dass die Zinsen noch weiter steigen, um die Nachfrage zu bedienen.“

Worauf zu achten ist

KI-Ausblick — Möglichkeiten, keine Fakten

  • Warsh könnte den Zinsausblick abschaffen.

    Möglich · Innerhalb von Monaten

  • Mindestens eine Zinserhöhung bis Dezember wird eingepreist.

    Wahrscheinlich · Innerhalb von Monaten

Offene Fragen

  • Wie wird Warsh die Fed in eine neue Ära führen?
  • Wird Warsh den Zinsausblick abschaffen?
  • Wie schnell wird die Fed ihre Bilanz zurückbauen?

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This article was originally published by Handelsblatt.

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