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BackVersicherer verkaufen Altbestände: Ein lukratives Geschäft für Abwickler
Versicherer verkaufen Altbestände: Ein lukratives Geschäft für Abwickler
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Süddeutsche Zeitung16.06.2026Business6 dk okumaGermany

Versicherer verkaufen Altbestände: Ein lukratives Geschäft für Abwickler

Auf einen Blick

  • Viele Versicherer mit veralteten IT-Systemen verkaufen ihre Altverträge an Spezialisten wie Viridium.
  • Dies ermöglicht ihnen, sich auf Neugeschäft zu konzentrieren, während Abwickler von niedrigeren Kosten profitieren.
  • Trotz anfänglicher Probleme bei der Übertragung und regulatorischer Hürden wird dieser Markt immer wichtiger, auch über Deutschland hinaus.

KI-generierte Zusammenfassung

Warum es wichtig ist

Veraltete IT-Systeme und sich ändernde regulatorische Anforderungen zwingen Versicherer, über den Verkauf von Altverträgen nachzudenken. Spezialisierte Abwickler übernehmen diese Verträge, um Kosten zu senken und sich auf das Neugeschäft zu konzentrieren.

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Die Computer-Systeme vieler Versicherer sind heillos veraltet. Sie erfüllen weder die Erwartungen digital affiner Kunden noch die Vorgaben der Finanzaufsicht. Statt teuer und aufwendig zu modernisieren, überlegen viele Anbieter jetzt, ihre alten Verträge einfach an einen Spezialisten zu verkaufen. „Viele fragen sich, wie viel Zeit sie mit dem Neugeschäft verbringen wollen und wie viel mit dem Altbestand“, sagt Dresig im Gespräch mit der SZ.

Mit der früher oft beschworenen lebenslangen Partnerschaft nehmen es Versicherer nicht mehr so genau. Wer vor Jahren bei der Volksfürsorge eine Police abschloss, weil er dem Unternehmen vertraute, landete irgendwann bei der Generali als Kunde und ist heute bei Viridium versichert, ohne je gefragt worden zu sein. Ein Sonderkündigungsrecht haben die Versicherten nicht, wenn ihr Vertrag verkauft wird.

So eine Massenübertragung verläuft selten reibungslos

Für die Kunden muss die Übertragung aber nicht unbedingt ein Nachteil sein. Abwickler wie Viridium, Athora oder Frankfurter Leben müssen keine teuren Vertriebsprovisionen zahlen und können dank modernerer Technik günstiger wirtschaften. Beides kommt den Versicherten zugute. Allerdings läuft so eine Massenübertragung von Verträgen selten reibungslos. Viridium machte 2022 negative Schlagzeilen: Das Unternehmen war schlecht erreichbar, manche Privatrenten wurden verspätet oder gar nicht ausgezahlt. Kunden und Verbraucherschützer reagierten empört.

Dresig räumt heute ein, dass die Planung zu ehrgeizig war. „Wir sind in einem Jahr von über einer Million auf deutlich über zwei Millionen Verträge gewachsen. Das war zu viel.“ Man habe die Probleme aber bald erkannt. „Als wir das damals bemerkt haben, haben wir es auch relativ schnell gelöst“, sagt er.

Neben der Uralt-IT ist der zweite Wachstumstreiber für Viridium und andere Abwicklungsspezialisten die Reform der privaten Altersvorsorge, die 2027 in Kraft tritt. „Die Wettbewerbsfähigkeit der Lebensversicherung wird immer mehr ein Thema“, hat Dresig beobachtet. Denn künftig können auch Fondsanbieter und Banken eine staatlich geförderte Altersvorsorge anbieten, nicht nur wie bisher die Lebensversicherer. Der Wettbewerb wird schärfer.

„Einige Versicherer sind sehr gut aufgestellt, und andere müssen wirklich etwas tun“, sagt er. Manche ziehen daraus die Konsequenz, sich lieber auf neue Angebote zu konzentrieren und den Altbestand loszuschlagen. Das Geschäftsmodell von Viridium ist dabei so einfach wie attraktiv für beide Seiten: Das Unternehmen kauft die Vertragsbestände, zahlt einen Kaufpreis, betreut die Kunden bis zum Vertragsende und tritt dabei nicht als Konkurrent zum verkaufenden Versicherer auf. Denn Viridium bietet selbst keine neuen Verträge an.

Inzwischen ist der Verkauf von Versicherungsbeständen fast Normalität geworden

Aktuell betreut das Unternehmen mehr als drei Millionen Kunden und verwaltet für sie 67 Milliarden Euro an Kapitalanlagen. Ein großer Teil davon stammt aus der Übernahme der Generali Lebensversicherung, der 2019 vollzogen wurde. Hinzu kommen Bestände der Heidelberger Leben, der Entis, früher Mannheimer Leben, und der Skandia Lebensversicherung.

Als der Generali-Deal 2018 bekannt wurde, gab es noch lauten Protest. Inzwischen ist der Verkauf von Versicherungsbeständen fast zur Normalität geworden. Die Finanzaufsicht Bafin hat dabei eine wichtige Rolle gespielt: Sie prüft streng, ob Versicherte durch solche Transaktionen benachteiligt werden.

Die Bafin stoppte Viridium Anfang 2024 allerdings auch vorübergehend: Sie verweigerte die Genehmigung für die fertig ausverhandelte Übernahme von 720 000 Verträgen der Zurich-Gruppe. Grund war der damalige Viridium-Mehrheitseigner, der Londoner Finanzinvestor Cinven, der eine strauchelnde italienische Tochter nur halbherzig gestützt hatte. Das hatte das Misstrauen der Aufsichtsbehörde geweckt.

Inzwischen hat Viridium neue Eigner. Das Unternehmen gehört dem japanischen Lebensversicherer T&D, der Allianz, dem Investmentriesen Blackrock, der Generali, der Bank Santander und dem Investor PG3. Kein einzelner Aktionär hat die Kontrolle. Das ist gewollt und von der Bafin akzeptiert. „Wir waren eine ganze Zeit aus dem Markt, weil wir uns um die neue Eigentümerstruktur gekümmert haben“, berichtet Dresig. Jetzt sei man wieder offen für Übernahmen, es liefen viele Gespräche. Namen nennt er nicht.

Das Potenzial ist jedenfalls gewaltig. Rund 80 Millionen Lebensversicherungsverträge schlummern in deutschen Schubladen. Bei etwa 60 Millionen davon ist der Risikoschutz mit dem Ansparen kombiniert, meistens für die Altersvorsorge. Nur diese Verträge sind für Dresig und die anderen Abwickler wie Athora und Frankfurter Leben attraktiv.

Die meisten der 80 aktiven Gesellschaften in Deutschland haben Marktanteile von deutlich unter einem Prozent. Sie sind kaum noch wettbewerbsfähig und haben weder die Expertise noch das Geld, ihre veralteten IT-Systeme zu modernisieren. Da liegt es nahe, über einen Verkauf des Bestands nachzudenken.

Und Viridium plant bereits über Deutschland hinaus: Frankreich wird als zweiter Markt geprüft. Auch dort gibt es große Altbestände, niedrige Renditen und marode IT-Systeme.

Worauf zu achten ist

KI-Ausblick — Möglichkeiten, keine Fakten

  • Verkauf von Versicherungsbeständen wird zur Normalität.

    Sehr wahrscheinlich · Mittelfristig

  • Viridium expandiert nach Frankreich.

    Wahrscheinlich · Langfristig

Offene Fragen

  • Wie werden sich die regulatorischen Anforderungen weiterentwickeln?
  • Welche weiteren Abwickler werden auf dem Markt aktiv werden?
  • Wie wird sich die Wettbewerbsfähigkeit der Lebensversicherung bis 2027 entwickeln?

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This article was originally published by Süddeutsche Zeitung.

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