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WM-Aus für die Schweiz: Embolos Platzverweis nach Schwalbe wird zum Sinnbild
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WM-Aus für die Schweiz: Embolos Platzverweis nach Schwalbe wird zum Sinnbild

Auf einen Blick

  • Die Schweiz verliert im WM-Viertelfinale gegen Argentinien nach umstrittenem Platzverweis für Breel Embolo.
  • Embolo erhielt Gelb-Rot für eine Schwalbe, nachdem der VAR eine Regeländerung nutzte.
  • Trainer Yakin kritisiert die Bestrafung.

KI-generierte Zusammenfassung

Warum es wichtig ist

Die Schweizer Fußballnationalmannschaft schied im Viertelfinale der Weltmeisterschaft gegen Argentinien aus, nachdem ihr Stürmer Breel Embolo wegen einer Schwalbe vom Platz gestellt wurde. Dies geschah aufgrund einer Regeländerung beim VAR.

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Wie hätte ein Bösewicht aus den James-Bond-Filmen reagiert? Vermutlich nicht wie Murat Yakin. Der Schweizer Fußballnationaltrainer hielt das Bild, das er von sich und seinen Landsleuten gezeichnet hatte, in dem Moment aufrecht, als ihm wohl eher danach war, mal etwas richtig Böses zu sagen.

US-Entertainer James Corden hatte Yakin bei der Weltmeisterschaft entdeckt und ob seines Aussehens als Bestbesetzung für die Rolle eines 007-Schurken gesehen. Yakin nahm es mit Humor und schickte Corden ein Video: „Wir Schweizer sind keine Bösewichte“, sagte Yakin darin. „Meine einzige böse Absicht ist, andere Länder bei dieser Weltmeisterschaft zu schlagen.“

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Die Schweizer rütteln am argentinischen Thron

Das klappte, abgesehen vom 1:1 zum Auftakt gegen Qatar, ziemlich gut und oft, die Schweizer siegten und siegten und siegten, zuletzt im Achtelfinale im Elfmeterschießen gegen Kolumbien. Es sollte so auch am Samstagabend in Kansas City im Viertelfinale gegen den Weltmeister klappen.

Das große Argentinien ging zwar durch Alexis Mac Allister in der zehnten Minute in Führung, die kleine Schweiz glich jedoch durch Dan Ndoye aus (67.) – und sah aus wie eine Mannschaft, die den bereits in den K.-o.-Spielen gegen Kap Verde und Ägypten arg wankenden Weltmeister nun endgültig von seinem goldenen Thron stoßen sollte.

Doch dann passierte etwas, das den Bösewicht in Yakin hätte wecken können, etwas, das das Spiel änderte, das dazu führte, dass nicht der Name seiner Schweizer im Quartett der Halbfinalteilnehmer auftaucht, sondern der der Argentinier, die an diesem Mittwoch (21.00 Uhr MESZ im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-WM, in der ARD und bei Magenta TV) auf England treffen. Weil sie die Partie durch die Treffer von Julián Álvarez (112.) und Lautaro Martínez (120.+1) in der Verlängerung noch für sich entschieden. Weil sie von der 72. Minute an in Überzahl spielten.

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Was war passiert? Der Schweizer Stürmer Breel Embolo, der einst bei Schalke 04 und Borussia Mönchengladbach jeweils drei Jahre in der Bundesliga spielte, ging nahe der Seitenlinie bei einem unscheinbaren Duell mit Leandro Paredes zu Boden. Der portugiesische Schiedsrichter João Pinheiro zeigte dem Argentinier dafür die Gelbe Karte.

Eine Schauspielleistung aus der Bond-Reihe

Dann meldete sich Videoassistent Guillermo Pacheco aus Mexiko. Er wies Pinheiro darauf hin, dass kein Foul vorgelegen haben könnte; der Portugiese sah sich die Szene auf dem Bildschirm an, kam zum gleichen Schluss, nahm die Gelbe Karte für Paredes zurück – und zeigte Embolo die Gelb-Rote Karte für eine Schauspielleistung, die in die Bond-Reihe gepasst hätte.

Die Schweizer verstanden die Fußballwelt nicht mehr. Eben war Embolo noch einer von den Guten, nun ein Schurke? Und vor allem: Wieso mischte sich der Videoassistent (VAR) bei einer Gelben Karte ein? Die Antwort findet sich auf Seite 172 des VAR-Protokolls, das inzwischen in etwa schwerer zu durchschauen scheint als die Erfindungen von Q. Dort steht, dass der VAR eingreifen darf, sollte der Schiedsrichter ein Vergehen mit einer Karte bestrafen, dabei indes „eindeutig den falschen Spieler identifiziert“ haben.

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Das ist nicht neu, galt bisher aber nur für eine Verwechslung innerhalb der Mannschaft. Neu seit WM-Start ist, dass diese Einschränkung aufgehoben wurde. Das wurde Embolo zum Verhängnis. Denn Pinheiro nahm nicht nur Paredes’ Verwarnung zurück, er sprach sie dafür Embolo zu für die filmreife Täuschung, auf die er zunächst hereingefallen war. Nun war der Schweizer der Bösewicht und musste vom Platz, weil er, ebenfalls in einem Duell mit Paredes, zuvor für ein Foulspiel schon die Gelbe Karte gesehen hatte.

Embolo kamen die Tränen, von den Kollegen konnte er kaum beruhigt werden, als klar wurde, dass er vom Platz muss und sich das Spiel kurz nach dem Schweizer 1:1 wohl wieder auf die argentinische Seite drehen dürfte. Kurios: Hätte Pinheiro Paredes nicht verwarnt, hätte der VAR auch gar nicht eingreifen dürfen – und Embolo wäre nicht des Platzes verwiesen worden.

„Ihm eine Schuld zu geben, ist absurd“

Darauf stützte sich später das Plädoyer Yakins, der sich Mühe gab, keine bösen, aber deutliche Worte zu finden: „Ich formuliere es ganz anständig.“ Der Trainer sah keinen Grund, Paredes die Gelbe Karte zu geben, „nicht in so einer harmlosen Situation“. Seine Folgerung: „Wir sind für einen Fehler des Schiedsrichters bestraft worden“, durch eine „Regel, die mit Fußball nichts zu tun hat“. Es war das Narrativ, das Yakin bediente, der zudem sagte, Embolo sei „am Boden zerstört. Ihm eine Schuld zu geben, ist absurd.“

Richtig aber ist: Der Spieler wollte den Schiedsrichter täuschen – und wurde per Beweisvideo überführt und bestraft. Hart bestraft. Ob die angepasste Regel in ihrer praktischen Anwendung wie in Embolos Fall von Kansas City im Sinne ihrer Erfinder ist, wird das International Football Association Board beratschlagen. Embolo und den Schweizern hilft das einstweilen nicht mehr.

Ein Novum allerdings war es auch nicht: Schon in der Vorrunde fand die Anpassung ihre Anwendung, als eine Gelbe Karte gegen den Amerikaner Tim Ream zurückgenommen worden war und Miguel Almirón aus Paraguay sie stattdessen für eine Schwalbe im Duell mit Ream sah. Der Unterschied: Almirón war noch nicht verwarnt, sah deswegen auch nicht Gelb-Rot.

Die Debatte um Embolo überdeckte die Leistung der Schweizer, die den Weltmeister am Rande des Scheiterns gehabt hatten. „Für mich sind meine Jungs große Helden“, sagte Yakin. Seit er im Sommer 2021 übernahm, hat sich seine „Nati“ kontinuierlich verbessert. Bei der WM 2022 verlor sie noch mit 1:6 gegen Portugal im Achtelfinale. Bei der EM – gegen England im Elfmeterschießen – wie nun bei der WM ging es bis ins Viertelfinale.

Offene Fragen

  • Wird die Regeländerung beim VAR überdacht?
  • Wie wird sich der Platzverweis auf Embolos Karriere auswirken?

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This article was originally published by FAZ.

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