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BackWolfgang Paul: Der "ährliche" Kapitän von Borussia Dortmund
Wolfgang Paul: Der "ährliche" Kapitän von Borussia Dortmund
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Spiegel Sport29.06.2026Sport4 dk okumaGermany

Wolfgang Paul: Der "ährliche" Kapitän von Borussia Dortmund

Auf einen Blick

  • Wolfgang Paul, langjähriger Kapitän von Borussia Dortmund, ist im Alter von 86 Jahren gestorben.
  • Er war eine Schlüsselfigur der "goldenen Jahre" des Vereins, die 1966 im Gewinn des Europapokals gipfelten.
  • Paul, gelernter Uhrmacher, verkörperte die "ährliche" Mentalität des Ruhrgebiets und blieb dem BVB bis zuletzt treu.

KI-generierte Zusammenfassung

Warum es wichtig ist

Wolfgang Paul war eine prägende Figur in der Geschichte von Borussia Dortmund, insbesondere während der "goldenen Jahre" in den 1960er Jahren. Er war bekannt für seine "ährliche" Mentalität und seine Treue zum Verein.

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Wahrscheinlich ist Wolfgang Paul bis ins hohe Alter in Dortmund so verehrt worden, weil er für zwei Dinge stand: Der Fußball war damals noch der Fußball, und das Ruhrgebiet war noch das Ruhrgebiet. Wolfgang Paul gehörte zu den »elf Jungs vom Borsigplatz«, und das war damals noch genauso, wie es klang. Im Pott würde man sagen: ährlich.

Wolfgang Paul, am Wochenende im Alter von 86 Jahren gestorben, hat in seinem ganzen Erwachsenenleben für keinen anderen Club gespielt als für Borussia Dortmund, wenn man mal von seinen Anfängen in Schwerte absieht. Gar nicht mal so lange, wie man es in Erinnerung hat, von 1961 bis 1970, dann zwang ihn eine schwierige Meniskusverletzung ins Karriereaus.

Goldene Jahre im Revier

Aber diese neun Jahre waren goldene Jahre im Revier. Der BVB wurde Deutscher Meister 1963, er wurde Deutscher Pokalsieger 1965, und er wurde Europapokalsieger 1966. Jener Abend des 5. Mai im Hampden Park von Glasgow, als der BVB die europäische Pokalsieger-Trophäe errang, ist immer noch ein Mythos.

Borussia Dortmund ist heute so ein großer Verein, er war im Champions-League-Endspiel, er kann Millionen für Spieler ausgeben, er hatte Jürgen Klopp als Meistertrainer, aber jene Mannschaft von 1966, die in Glasgow den FC Liverpool und dessen Trainerikone Bill Shankly 2:1 in der Verlängerung bezwang, ist die Mannschaft, auf der alles beim BVB aufbaut. Wie auf der Bayern-Elf mit Beckenbauer und Gerd Müller.

Es war die Mannschaft, die von dem Kapitän Wolfgang Paul angeführt wurde. Sein Trainer Willi Multhaup, den alle nur »Fischken« genannt hatten und der so ruhrgebietstypisch war, dass er in jedem Schimanski-Krimi eine Nebenrolle hätte übernehmen können, hatte ihn zum Spielführer gemacht. »Du bist ab morgen mein Kapitän. Kannst du dir das vorstellen?«, hatte er eines Abends dem Spieler mitgeteilt. Der konnte sich das nicht nur vorstellen: »Trainer, darauf freue ich mich.«

Gelernter Uhrmacher

Paul war immer einer, der voranging. Der sich nicht krummmachte, auch nicht vor denen, die ihm vorgesetzt waren. Als sein früherer Trainer in Dortmund, Hermann Eppenhoff, eine echte Autorität, den jungen Wolfgang Paul fragte, was er denn wirklich künftig machen wolle, »Fußball spielen oder Uhren reparieren«, sagte Paul: Er wolle beides. Eppenhoff setzte ihn anschließend erst einmal auf die Bank. Paul nahm das in Kauf.

Das Uhrmachergewerbe hat er geliebt. Er hat es von klein auf gelernt, er hat es nach einer Profilaufbahn weitergeführt, in seiner Heimat, dem Sauerland. Dort, wo so viele herkommen, die Karriere gemacht haben, von Friedrich Merz bis Hans-Joachim Watzke. Den Sauerländern sagt man Sturheit nach, aber auch den Willen, etwas zu bewegen. Bei Wolfgang Paul hat wohl beides gestimmt.

Ein großes BVB-Team

Die Dortmunder Mannschaft der Sechzigerjahre, gebaut, betreut erst von Max Merkel, dann von Eppenhoff, anschließend von Fischken Multhaup, war mit das Beste, was Deutschland damals fußballerisch zu bieten hatte. Der FC Bayern im Süden kam so langsam hoch, auch Borussia Mönchengladbach stieg mit den Münchnern 1965 in die Bundesliga, aber in Dortmund spielten zu diesem Zeitpunkt schon Legenden.

Lothar Emmerich, der in der Europapokalsaison 1965/66 14 Tore machte, Sigfried Held, der kongeniale Nebenmann, und Reinhard »Stan« Libuda, Flankengott, Dribbelkönig, einer, der mit sich selbst mehr Probleme hatte als mit den Gegenspielern auf dem Platz.

Hans Tilkowski stand in Glasgow im Tor, der Mann, der ein paar Monate später auf der Insel das Wembley-Tor kennenlernen sollte. Hoppy Kurrat räumte auf dem Platz auf, noch so ein Denkmal, Aki Schmidt sowieso, Rudi Assauer, der später einen anderen Ruhrgebietsclub nach oben führen sollte, machte die Abwehrarbeit.

An ihm kam man nur schlecht vorbei

Und Paul, umgeschult in seiner Frühzeit vom Offensivmann zum Verteidiger, war der, auf den sie alle hörten. Wenn es Elfmeter zu schießen gab, dann machte er das. Wie es dann immer so heißt im Fußballerdeutsch: Er übernahm die Verantwortung. Wenn das Bild in seinem Zusammenhang erlaubt ist: Als Abwehrspieler war er so zuverlässig wie ein Uhrwerk.

Meister in der Bundesliga, die 1963 ihren Betrieb aufnahm, ist er fast bemerkenswerterweise nie geworden. Der 1. FC Köln, Werder Bremen, Eintracht Braunschweig, der 1. FC Nürnberg, 1860 München, aber nie dieses Starensemble aus dem Ruhrpott. Paul hielt sich mit anderen Titeln schadlos.

Immer Dortmund treu geblieben

Dem BVB ist er bis zuletzt treu geblieben. Zum Ehrenspielführer haben sie ihn gemacht, er war der Vorsitzende des Ältestenrates des Vereins. Zum Glück haben Proficlubs viele Ämter an verdiente Borussen zu vergeben.

Nationalspieler war er auch, aber dann auch wieder nicht. Helmut Schön berief ihn in den Kader des WM-Teams von 1966, er saß allerdings das gesamte Turnier auf der Ersatzbank ab, ohne eine Minute gespielt zu haben. Dennoch: Er darf sich Vizeweltmeister nennen, er war dabei, als Geoff Hurst den Ball an die Unterkante der Latte hämmerte.

Er konnte es verschmerzen, er hatte zwei Monate zuvor den Europapokal von der Insel nach Hause geholt. In Dortmund haben Zigtausende dem Team einen begeisterten Empfang bereitet. Wolfgang Paul saß beim Korso durch die Stadt mit der Trophäe im ersten Auto. Er war der Kapitän. Und in diesem Moment konnte auch der Stopper, der sonst alles aufgehalten hat, seine Gefühle nicht mehr zurückhalten.

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This article was originally published by Spiegel Sport.

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