Wütende Lehrer protestieren in Mexiko-Stadt vor WM
Wütende Lehrer schlagen mit abgebrochenen Laternenstangen gegen Scheiben und Eingangstüren des Bildungsministeriums in Mexiko-Stadt, haben sogar Feuer gelegt. Videos davon kursieren im Internet. Die Polizei reagierte auf die Ausschreitungen der Demonstranten mit Tränengas.
Auch der Lehrer Rodrigo Arias ist unter den Demonstranten. Sie wollen die Aufmerksamkeit der Fußball-Weltmeisterschaft nutzen, um auf ihre Belange aufmerksam zu machen. Die ehemalige Regierung von Andrés Manuel López Obrador und auch die aktuelle Regierung von Claudia Sheinbaum hätten im Wahlkampf versprochen, die Rentenreform rückgängig zu machen und das solidarische Rentensystem für Lehrer im öffentlichen Dienst wiederherzustellen - aber das sei nicht passiert, so der Vorwurf.
Mehr Geld und bessere Arbeitsbedingungen
Bereits am Vortag hatten Lehrer riesige Fußballer-Figuren, die die Prachtstraße Reforma säumen, mit Seilen zu Boden gezogen. Sie rissen den Figuren die Trikots ab und setzten sie teilweise in Brand, wie es in lokalen Medienberichten heißt.
Die Lehrer fordern deutlich höhere Gehälter - einige sogar bis zu 100 Prozent - und bessere Arbeitsbedingungen. Das monatliche Einstiegsgehalt an öffentlichen Schulen liegt umgerechnet bei rund 800 Euro. Die Regierung hatte zuvor eine Erhöhung um neun Prozent angeboten. Das reicht Arias nicht: "Die Regierung hat so viele Sachen versprochen, aber am Ende haben sie gar nicht die Absicht, etwas zu verändern. Sie haben einfach das Thema für sich genutzt, um Stimmen damit zu fangen."
Sheinbaum setzt auf Deeskalation
Präsidentin Sheinbaum lehnt ein hartes Vorgehen gegen die Protestierenden ab. Sie wolle nicht in die Falle tappen, die Gewalt kurz vor der WM als Vorwand für Repression zu nutzen. Die Regierung steht unter Druck.
Auch viele Mexikanerinnen und Mexikaner sind von den Blockaden bereits genervt. Der Lieferfahrer Armando Escobedo verliert viel Zeit im Stau, seine Kunden muss er warten lassen: "Es gibt zu viel Verkehr. Strecken, für die ich fünf bis zehn Minuten brauche, dauern jetzt 20." Ein anderer hat ebenfalls kein Verständnis für die Proteste: Von den Demonstrationen seien alle betroffen - die Geschäfte, alte Menschen, Kranke. Die Straßen seien dicht, ärgert er sich.
Drohendes Chaos zum WM-Auftakt
In einer Woche findet das Eröffnungsspiel der WM in Mexiko-Stadt statt. Am 11. Juni empfängt Mexiko Südafrika im legendären Aztekenstadion. Fünf Millionen Touristen werden zum Turnier erwartet, 100.000 Einsatzkräfte sollen für Sicherheit sorgen.
Doch die Lehrergewerkschaft droht bereits mit Massenprotesten genau zum WM-Auftakt. Die Angehörigen von rund 130.000 in Mexiko vermissten Menschen planen ebenfalls Proteste und Straßenblockaden. Auch sie wollen die durch die WM geschaffene internationale Aufmerksamkeit nutzen, um ihren Forderungen Gehör zu verschaffen. Ihr Slogan: "Der Ball kehrt zurück nach Hause - und sie, wann?"






