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Betriebliche Altersvorsorge: Was Dax- und MDax-Unternehmen bieten
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Betriebliche Altersvorsorge: Was Dax- und MDax-Unternehmen bieten

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Yayıncı
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Viele Menschen fürchten, dass die gesetzliche Rente nicht ausreicht. Laut einer Civey-Umfrage von vergangener Woche bezweifeln 82 Prozent der Deutschen, dass sie im Alter ihren gewohnten Lebensstandard halten können. Entsprechend wächst der Druck, zusätzlich vorzusorgen.

Eine Möglichkeit ist die betriebliche Altersvorsorge (bAV). Betriebsrenten dienen im Ruhestand als zusätzliche Einkommensquelle. Neben der gesetzlichen Rente soll sie künftig eine größere Rolle spielen. Die Bundesregierung debattiert derzeit darüber, wie die bAV weiterentwickelt werden könnte.

Noch hängt die Attraktivität einer betrieblichen Altersvorsorge jedoch stark von der Ausgestaltung und dem Engagement des Arbeitgebers ab. Das Handelsblatt hat deshalb die Dax- und MDax-Konzerne zu ihren Modellen befragt und mit Experten eingeordnet, wann sich ein Angebot lohnt.

Die betriebliche Altersvorsorge kann über fünf Wege organisiert sein:

Direktversicherung: Der Arbeitgeber schließt für Beschäftigte eine Lebens- oder Rentenversicherung ab.

Pensionskasse: Eine eigenständige Versorgungseinrichtung zahlt die Betriebsrente aus, meist arbeitgebernah organisiert.

Pensionsfonds: Ein rechtlich selbstständiger Versorgungsträger, der Arbeitnehmern Anspruch auf bestimmte Leistungen einräumt.

Unterstützungskasse: Ein oder mehrere Unternehmen schaffen eine selbstständige Versorgungseinrichtung, die für die Beschäftigten später zahlt.

Direktzusage: Der Arbeitgeber bildet selbst Rückstellungen und finanziert daraus die spätere Rente der Mitarbeiter – ohne dass ein Versicherer beteiligt ist.

Tom Feldkamp, Rentenexperte bei der Personalberatung Kienbaum, sagt: „Die Direktversicherung ist die einfachste Form der betrieblichen Altersvorsorge, aber vom Leistungsniveau her auch zumeist die schwächste.“

Andere Wege wie die Direktzusage, eine Pensions- oder Unterstützungskasse ermöglichen in der Regel ein höheres Versorgungsniveau. „Das hängt aber stark von der Ausgestaltung ab“, sagt Feldkamp.

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An der Handelsblatt-Umfrage beteiligten sich 37 der 90 Dax- und MDax-Unternehmen. Nur drei von ihnen bieten ausschließlich eine Direktversicherung.

In den meisten teilnehmenden Unternehmen ist die betriebliche Altersvorsorge über mehrere Durchführungswege organisiert. Das bedeutet allerdings nicht automatisch, dass Beschäftigte jeden dieser Wege wählen können. Häufig gelten unterschiedliche Modelle für verschiedene Beschäftigtengruppen oder alte Lösungen werden neuen Mitarbeitern nicht mehr angeboten.

Am häufigsten setzen die teilnehmenden Unternehmen auf die Direktzusage. In 29 der 37 Konzerne gibt es dieses Modell – etwa bei BMW, Rheinmetall, Evonik und der Allianz.

„Die Direktzusage ist die transparenteste und flexibelste Lösung“, sagt Sebastian Uckermann, CEO der Kenston Gruppe und Vorsitzender des Bundesverbandes der Rechtsberater für betriebliche Altersvorsorge. „Diese Form war lange verbreitet, wurde dann aber von Versicherungsunternehmen aus dem Markt gedrängt, weil die gerne ihre eigenen Produkte an den Mann bringen wollen.“ Gerade in großen Unternehmen mit langer Geschichte und starken Betriebsräten sei die Direktzusage aber noch häufig zu finden.

Beim Chemiekonzern Evonik etwa ist die betriebliche Altersvorsorge über vier der fünf Durchführungswege organisiert – es fehlt lediglich der Pensionsfonds. Die meisten Mitarbeiter würden über eine Pensionskasse oder arbeitgeberfinanzierte Direktzusagen versorgt, sagt eine Sprecherin. Das habe sich geändert. Bis Ende 2022 sei die betriebliche Altersvorsorge noch überwiegend über die eigene Unterstützungskasse abgewickelt worden.

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Auch bei der Allianz haben sich im Laufe der Jahre mehrere Durchführungswege etabliert: Dort gibt es die Direktversicherung, die Pensionskasse, die Unterstützungskasse und die Direktzusage. Neue Mitarbeiter werden etwa über das aktuelle Modell „Meine Allianz Pension“ versorgt.

Zusätzliche Benefits wie Aktienbeteiligungen oder Zeitwertkonten werteten die Versorgungspakete laut Experte Uckermann zusätzlich auf. 33 der 37 befragten Konzerne bieten neben der bAV weitere Leistungen an. Die meisten setzen auf Aktienprogramme oder Zusatzversicherungen, aber auch Zeitwertkonten gibt es bei fast der Hälfte der Unternehmen.

Ein echter Vorteil entsteht für Beschäftigte laut Experten erst, wenn der Arbeitgeber spürbar mitfinanziert. „Am besten ist es, wenn Unternehmen eine vollständige Finanzierung anbieten“, sagt Feldkamp. „Damit heben sie sich klar vom Markt ab.“ Der Beschäftigte muss dann selbst nichts einzahlen und baut trotzdem eine Betriebsrente auf. Solche Angebote sollten Mitarbeiter auf jeden Fall nutzen – schließlich handelt es sich dabei um geschenktes Geld.

In der Handelsblatt-Umfrage geben 21 der 37 antwortenden Unternehmen an, mindestens einen vollständig arbeitgeberfinanzierten bAV-Baustein zu bieten. Das bedeutet allerdings nicht zwingend, dass die gesamte betriebliche Altersvorsorge für alle Beschäftigten vollständig durch den Arbeitgeber getragen wird.

Manche Unternehmen kombinieren zum Beispiel eine arbeitgeberfinanzierte Grund- oder Zusatzversorgung mit der Möglichkeit, freiwillig per Entgeltumwandlung weiteres Geld in die bAV zu stecken – und bezuschussen diese Eigenbeiträge dann zusätzlich.

Beim Rüstungskonzern Rheinmetall etwa ist die bAV so aufgebaut. Das Düsseldorfer Unternehmen bietet seinen Mitarbeitern eine arbeitgeberfinanzierte Grundversorgung sowie eine konzernergebnisabhängige Aufbauversorgung, die ebenfalls vom Arbeitgeber finanziert wird. Zusätzlich können Beschäftigte freiwillig per Entgeltumwandlung einen Teil ihres Gehalts in die betriebliche Altersvorsorge einzahlen. Auf diese Eigenbeiträge zahlt der Konzern nach eigenen Angaben weitere 30 Prozent Zuschuss.

„Solche Pakete sind ziemlich gut“, sagt Sebastian Uckermann. Aber auch wenn ein Unternehmen keine rein arbeitgeberfinanzierte Vorsorge anbietet und nur etwas zur Entgeltumwandlung dazugibt, könne sich die betriebliche Altersvorsorge für Beschäftigte lohnen.

„Sobald das Unternehmen mehr macht als der gesetzliche Standard, wird das Angebot besser“, sagt auch Kienbaum-Experte Tom Feldkamp. Seit 2002 haben Arbeitnehmer das Recht, Teile ihres Bruttogehalts in eine Betriebsrente umzuwandeln. Arbeitgeber müssen darauf in der Regel mindestens 15 Prozent zuschießen, sofern sie dadurch Sozialversicherungsbeiträge sparen. Ausnahmen sind möglich, etwa wenn Tarifverträge etwas anderes vorsehen.

Ab welcher Zuschusshöhe sich die bAV lohnt, sagt Feldkamp nicht: „Das kommt immer auf den Einzelfall an.“ Auch Uckermann bleibt vage. „Je mehr der Arbeitgeber draufgibt, desto besser.“

Laut der Handelsblatt-Umfrage zahlen die meisten der antwortenden Dax- und MDax-Unternehmen auf die Entgeltumwandlung den gesetzlichen Mindestzuschuss von 15 Prozent. Rund jedes achte Unternehmen gibt an, mehr als 25 Prozent zuzuschießen; zwei Unternehmen nennen einen Zuschuss von mehr als 50 Prozent. Dazu zählt Evonik: Der Chemiekonzern beziffert seinen Arbeitgeberzuschuss auf 70 bis 80 Prozent des regelmäßig umgewandelten Beitrags.

Gerade für Beschäftigte mit niedrigerem Einkommen sei ein hoher Zuschuss wichtig, sagt Uckermann. Sonst gehe die Betriebsrente zu stark zulasten des laufenden Gehalts. „Topmanager können privat vorsorgen“, sagt er. „Aber die gut 35 Millionen sozialversicherten Beschäftigten brauchen Unterstützung.“

Attraktiv sind laut den beiden Experten auch sogenannte Matching-Modelle. Dabei ist ein zusätzlicher Arbeitgeberbeitrag an einen Eigenbeitrag der Beschäftigten gekoppelt. Wer selbst einen bestimmten Betrag in die betriebliche Altersvorsorge einzahlt, erhält vom Arbeitgeber – je nach Modell – einen gleich hohen oder anteiligen Zusatzbeitrag, meist bis zu einer festgelegten Obergrenze. „Das Unternehmen kann den Betrag zum Beispiel verdoppeln“, sagt Feldkamp. „Und motiviert so den Mitarbeiter, selbst viel in seine Altersvorsorge zu investieren.“

Laut der Handelsblatt-Umfrage bietet rund jedes dritte befragte Unternehmen aus Dax und Mdax ein solches Modell an, etwa der Konsumgüterkonzern Beiersdorf. Oder BMW: Laut einem Sprecher besteht das Angebot bei dem bayerischen Autobauer aus einem festen Arbeitgeberbeitrag und einem zusätzlichen Matching auf freiwillige Eigenbeiträge, bis zu einer festgelegten Obergrenze. Wie hoch diese ist, will BMW nicht kommunizieren. Für Führungskräfte gebe es ergänzende Lösungen.

Beschäftigte bei Beiersdorf müssen dagegen einen definierten Prozentsatz ihres laufenden Entgelts als Mindestumwandlung einbringen. Dort gibt es keinen vollständig vom Unternehmen finanzierten Eigenanteil zur Betriebsrente. Heißt: Erst bei Erreichen der Mindestumwandlung gewährt der Konsumgüterkonzern seinen Mitarbeitern einen Beitrag in gleicher Höhe. Weitere Entgeltumwandlungen sind möglich, wirken sich jedoch nicht weiter erhöhend auf den Arbeitgeberbeitrag aus, der auf diesen Betrag begrenzt ist.

Doch selbst ein gutes Angebot nützt wenig, wenn Beschäftigte es nicht nutzen. Nach der Teilnahmequote bei der bAV gefragt, geben 23 der befragten Unternehmen an, dass mehr als 75 Prozent der Belegschaft die Altersvorsorge-Angebote nutzen. Bei weiteren sechs Unternehmen liegt die Quote bei mehr als 50 Prozent, bei gleich vielen Unternehmen aber auch darunter.

Die bAV sei ein komplexes System, sagt Experte Feldkamp. „Wenn Mitarbeitende die verschiedenen Optionen nicht verstehen, nutzen sie diese auch nicht.“

Essenziell sei daher die interne Kommunikation. 80 Prozent der Unternehmen informieren via Newsletter oder Intranet, jedes zweite Unternehmen setzt auf eigene bAV-Plattformen.

Für Sebastian Uckermann reicht das nicht aus. Schriftliche Information „ersetzt keine Beratung“, sagt er. Viele Beschäftigte wüssten gar nicht, welche Möglichkeiten sie für die Vorsorge haben und welcher Weg für sie der richtige ist. Beratungsgespräche seien zwar ein Kostenfaktor, doch immerhin rund 70 Prozent der befragten Konzerne bieten sie an.

Eine gute bAV kann die Attraktivität eines Arbeitgebers deutlich steigern. „Auch jüngere Menschen wissen, dass die gesetzliche Rente nicht mehr ausreicht“, sagt Feldkamp. „Bei unseren Befragungen gehört die betriebliche Altersvorsorge deswegen zu den beliebtesten Arbeitgeber-Benefits.“

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Die Christlich-Demokratische Arbeitnehmerschaft (CDA), der Arbeitnehmerflügel der CDU, brachte kürzlich neben einer verpflichtenden privaten Altersvorsorge auch eine verpflichtende betriebliche Altersvorsorge ins Spiel, die „stets durch den Arbeitgeber“ mitzufinanzieren sei. Sie empfiehlt ein Stufenmodell: Demnach würde die betriebliche Vorsorge für Geringverdiener vollständig durch den Arbeitgeber finanziert. Der Eigenanteil der Beschäftigten solle „je nach Gehaltshöhe“ steigen.

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Erstpublikation: 08.05.2026, 04:00 Uhr.

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This article was originally published by Handelsblatt.

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