Ceuta: Alltag kehrt zurück nach Migrantenansturm, aber politische Debatte geht weiter
En resumen
- Nach einem beispiellosen Migrantenansturm kehrt in der spanischen Exklave Ceuta allmählich Alltag ein.
- Viele Migranten sind zurückgekehrt, aber Tausende könnten noch geblieben sein.
- Die EU-Innenminister beraten über den Außengrenzschutz.
Resumen generado por IA
Por qué importa
Nach einem beispiellosen Migrantenansturm aus Marokko nach Ceuta, einer spanischen Exklave in Nordafrika, kehrt allmählich wieder Alltag ein. Die Situation hat eine politische Debatte über Ursachen und Konsequenzen der Krise sowie über den EU-Außengrenzschutz ausgelöst.
In Ceuta, der spanischen Nordafrika-Exklave, kehrt allmählich wieder Alltag ein, nachdem ein beispielloser Ansturm von Migranten die Stadt erschüttert hatte. Geschäfte, Cafés und Restaurants, die aus Angst vor chaotischen Szenen tagelang geschlossen waren, öffneten wieder. Anwohner wurden mit Einkaufstaschen und Familien, die mit Kindern am Strand spielten, gesichtet, wie der staatliche TV-Sender RTVE berichtete. Dennoch dürfte die politische Debatte über die Ursachen und Konsequenzen der Krise, die Dutzende Todesopfer gefordert hat, Spanien und die EU noch lange beschäftigen.
Nach Angaben der spanischen Regierung sind die meisten der schätzungsweise 50.000 bis 60.000 Menschen, die vor allem am Mittwoch und Donnerstag aus Marokko in die Exklave gelangten, inzwischen zurückgekehrt. In Ceuta patrouillieren noch 3.000 aufgrund der Krise entsandte Sicherheitskräfte, die laut Innenministerium „so lange wie nötig“ bleiben sollen.
Laut RTVE hielten sich noch einige hundert Neuankömmlinge in Ceuta auf, die Lage sei jedoch entspannt. Versuche, über das Meer in die Exklave zu gelangen, seien nicht zu beobachten, berichtete eine Reporterin des Senders.
Regionalpräsident Juan Jesús Vivas zeichnete jedoch ein anderes Bild und bestritt die Rückkehr zur Normalität. Er bezifferte die Zahl der noch in Ceuta gebliebenen Migranten auf „Tausende“. Vivas, der der konservativen Volkspartei PP angehört, gibt der linken Zentralregierung die alleinige Schuld an dem Ansturm und spricht von einer „Invasion“.
Einige Marokkaner hielten sich zwar noch versteckt, „aber nach und nach gehen sie alle zurück“, zitierte RTVE Anwohner an den Stränden der Exklave. Der Sender sprach auch mit einigen derjenigen, die nicht zurückwollen und sich in Seitenstraßen, Parks, zwischen Häusern oder auf den Hügeln verstecken.
Unter einer Straßentreppe verbergen sich Humad und sein Freund Hachim. „Ich suche hier ein besseres Leben. Ich habe in Marokko nur meine Mutter und meinen kleinen Bruder, der krank ist und Insulin braucht“, erzählt der 20-jährige Humad. Sein 17-jähriger Freund Hachim sei ein guter Fußballer und träume davon, beim FC Barcelona zu spielen.
Andere Träume platzten brutal, wie jene ihres Freundes Mohamed. Der 19-Jährige sei wenige Meter vor der Küste ertrunken, erzählt Humad. „Er konnte schwimmen. Aber an der Grenzanlage waren so viele Menschen. Ich habe versucht, ihm zu helfen, aber er war zu weit weg.“ „Es sind viele Menschen gestorben. Ich habe ihm zugerufen: 'Los, Mohamed, los!' Aber dann sah ich ihn nur noch dort ...“ Den Satz kann der junge Mann nicht mehr zu Ende bringen.
Die Einsatzkräfte bargen weitere Leichen. Inzwischen liegt die Zahl der Toten bei mindestens 72, wie die Behörden mitteilten. Einsatzkräfte suchen das Meer weiter ab. Die Zeitung „El País“ zitierte einen anonymen Polizeibeamten mit den Worten: „Es gibt mehr Tote im Meer.“ Die meisten Todesopfer ertranken bei dem Versuch, schwimmend von Marokko aus in die Exklave an der Straße von Gibraltar zu gelangen.
Schnell verwirklichte die Zentralregierung die Ankündigung von Ministerpräsident Pedro Sánchez, mit einer rund 500 Meter langen aufblasbaren orangefarbenen Barriere ein weiteres Hindernis an der Grenze zu schaffen. Die schwimmende Sperre, die je nach Wellengang etwa 30 bis 70 Zentimeter aus dem Wasser ragt und bis zu einem Meter in die Tiefe reicht, soll verhindern, dass Migranten schwimmend nach Ceuta gelangen. Die Barriere ist im Grunde eine Verlängerung des Grenzdamms an Land im Meer.
Die Barriere solle auch dazu beitragen, dass die Kontrolle und Überwachung des Gebiets verbessert werde, heißt es vom Innenministerium. Mit der neuen Sperre, die durch eine Bojenkette verstärkt wird, will Madrid aber nicht zuletzt eine Lücke schließen, die nach Einschätzung mancher Beobachter durch ein Urteil des Obersten Gerichts entstanden war.
Das Gericht hatte Anfang Juli entschieden, dass Migranten, die über einen unbefestigten Grenzabschnitt wie das Meer nach Spanien gelangen, Anspruch auf eine individuelle Prüfung ihres Asylbegehrens haben. Eine sofortige Zurückweisung ist demnach nur zulässig, wenn sie zuvor einen Zaun oder eine andere Grenzsperre überwunden haben.
In der EU verschärft sich die Debatte über den Schutz der Außengrenzen. „Ich erwarte, dass die EU-Kommission dem Thema absolute Priorität einräumt, um das Schengen-System offener EU-Binnengrenzen nicht weiter zu gefährden“, sagte Außenminister Johann Wadephul der „Bild am Sonntag“.
Am Dienstag wollen die EU-Innenminister per Videokonferenz über die Krise beraten. Das Treffen könnte auch der Aussprache dienen, waren in den vergangenen Tagen doch deutliche Risse zwischen den EU-Partnern sichtbar geworden. Italien und Dänemark initiierten einen offenen Brief, in dem Madrid indirekt vorgeworfen wird, mit jüngsten migrationspolitischen Entscheidungen unerwünschte Signale gesendet zu haben. 22 der 27 EU-Staats- und Regierungschefs unterzeichneten ihn, auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU).
Sánchez kritisierte die Reaktion einiger EU-Partner als von „Vorurteilen, Falschmeldungen, Unwissenheit oder politischen Interessen“ getrieben. Ceuta gehöre nicht zum Schengen-Raum, schrieb er an die EU-Spitze. Migranten könnten von dort nicht ohne Weiteres in andere EU-Staaten weiterreisen.
Qué observar
Perspectiva de IA — posibilidades, no hechos
Die EU-Innenminister werden bei ihrem Treffen über eine verstärkte Zusammenarbeit beim Außengrenzschutz beraten, wobei es zu unterschiedlichen Ansichten bezüglich der Lastenteilung kommen wird.
Muy probable · En días
Spanien wird die schwimmende Barriere weiter ausbauen und die Grenzkontrollen verstärken, um weitere unkontrollierte Einreisen zu verhindern.
Probable · En semanas
Die politische Debatte über die Migrationspolitik in Spanien und der EU wird sich weiter verschärfen, insbesondere im Hinblick auf die kommenden Wahlen und die Debatte um die Außengrenzen.
Probable · En meses
Preguntas abiertas
- Wie viele Migranten sind tatsächlich noch in Ceuta geblieben?
- Wie wird sich die neue schwimmende Barriere auf zukünftige Migrationsversuche auswirken?
- Welche konkreten Maßnahmen wird die EU ergreifen, um den Außengrenzschutz zu stärken?
- Wie wird sich die Beziehung zwischen Spanien, Marokko und der EU angesichts dieser Krise weiterentwickeln?





