Der Putsch begann mit einer Lüge
En resumen
- Der gescheiterte Putschversuch gegen Gorbatschow im August 1991 begann mit einer Falschmeldung.
- Die Bevölkerung widersetzte sich der Gewalt, angeführt von Boris Jelzin, was zum Scheitern der Putschisten führte und den Weg für Jelzins Machtübernahme ebnete.
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Por qué importa
The article describes the events of the 1991 Soviet coup attempt, which began with a false report of Mikhail Gorbachev's incapacitation. A group of hardline Communist officials attempted to seize power to prevent the signing of a new Union Treaty that would have granted more autonomy to the Soviet republics. The coup was met with popular resistance, particularly in Moscow, led by Boris Yeltsin.
Der Putsch begann mit einer Lüge. „Gorbatschow wegen Krankheit amtsunfähig, Janajew übernimmt als Präsident“, meldete die sowjetische Staatsagentur Tass in den Morgenstunden in Moskau. Die britische Nachrichtenagentur Reuters verbreitete diese Information um 5.33 Uhr morgens am 19. August 1991 weltweit, als Eilmeldung – noch mit der „Priorität 2“. Doch bald zeigte sich, dass Geschichte live geschah.
Gorbatschow war nicht krank und schon gar nicht amtsunfähig. Vielmehr befand er sich im Urlaub, und zwar in seiner Residenz im Badeort Foros auf der Krim. Hier hatten am Sonntagnachmittag Abgesandte aus Moskau von ihm verlangt, den Notstand zu verhängen, um die für den 20. August geplante Unterzeichnung eines neuen Unionsvertrages zu verhindern, der den Teilrepubliken der UdSSR mehr Vollmachten geben sollte. Außerdem müsse er alle präsidialen Vollmachten an seinen Vize Gennadij Janajew übertragen.
Als Gorbatschow sich weigerte, wurde er festgesetzt und isoliert; am folgenden Morgen, dem 19. August 1991, wollten die Putschisten die Macht in Moskau übernehmen. Ein acht Mitglieder starkes Notstandskomitee mit Janajew an der Spitze rief den Ausnahmezustand aus, über Moskaus Straßen rollten Panzer.
WELT-Chefredakteur Manfred Schell war im Leitartikel am 20. August düster gestimmt: „Wieder einmal ist man Zeuge einer historischen Wende, dieses Mal aber nicht einer Wende zum Besseren. Die Nachrichten aus Moskau verbreiten Unsicherheit über die Zukunft. Auf dem Spiel steht nichts Geringeres als die bisherige Konstruktion der Weltpolitik.“
Das war zweifellos richtig beschrieben – und erwies sich dennoch als übertrieben. Wofür allerdings weder Schell etwas konnte noch irgendein anderer Beobachter. Denn mit dem, was ab dem 19. August auf Moskaus Straßen geschah, hatte niemand rechnen können.
Denn dieses Mal stellte sich die Bevölkerung der Gewalt entgegen – in der Geschichte Moskaus eine Premiere. Die aufmarschierten Truppen gaben Augenzeugenberichten zufolge erste Warnschüsse in Richtung Demonstranten ab. Doch die beriefen sich auf einen Aufruf von Boris Jelzin, des zwei Monate zuvor (einigermaßen) demokratisch gewählten Präsidenten der Russischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik, dem mit weitem Abstand größten Teilstaat der UdSSR.
Den Aufruf hatte auch der frühere Außenminister Edward Schewardnadse unterzeichnet. Der aus der südlichen Teilrepublik Georgien stammende Politiker warnte, dass die „furchtbare Diktatur“ der Putschisten zu einem Bürgerkrieg führen werde.
In einem weiteren „Anti-Putsch-Erlass“ verfügte Jelzin, dass alle Aktionen des „Komitees für den Ausnahmezustand“, wie sich die Putschisten selbst nannten, in Russland keine Gültigkeit hätten. Sämtliche Exekutivorgane der UdSSR auf dem Boden Russlands unterstünden allein seiner Befehlsgewalt; ferner rief er zum Generalstreik auf: Die Entmachtung Gorbatschows sei ein „verfassungswidriger, reaktionärer Umsturz“.
In Russlands zweitwichtigster Stadt Leningrad spielte der Bürgermeister Anatoli Sobtschak an diesem 19. August eine zwielichtige Rolle: Zunächst versuchte er informell, mit den Putschisten Kontakt aufzunehmen, die ihn jedoch absetzen wollten. Daraufhin stellte sich Sobtschak auf Jelzins Seite, auf Empfehlung seines Beraters Wladimir Putin und dessen Kreis aus jüngeren KGB-Offizieren. Sie gaben den fast durchweg eine Generation älteren Aufrührern aus der KPdSU- und KGB-Hierarchie um den seit 1967 in Führungsfunktionen des Geheimdienstes tätigen Chef Wladimir Krjutschkow keinerlei Zukunftschancen.
Doch dass der Putsch scheiterte, weil sich die jüngere Funktionärselite der UdSSR gegen ihre bisherigen Vorgesetzten wandte, erkannte im August 1991 noch niemand. Denn vor den Augen der Welt spielte sich die Fortsetzung der Friedlichen Revolution in Ostmitteleuropa 1989/90 ab: Menschen stoppten die Panzerkolonnen und kletterten auf die Stahlungetüme, zogen einzelne Soldaten aus den Luken ihrer Fahrzeuge und verprügelten einzelne sogar.
Niemand wusste, dass der Putschist und Verteidigungsminister Dimitri Jasow seinen Truppen zwar befohlen hatte, Schlüsselstellungen in der Hauptstadt zu besetzen und Jelzin-Anhänger im russischen Parlament einzuschließen. Andererseits aber hatte er die Weisung gegeben: „Dass mir keiner auf die Menschen schießt!“
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Jelzin befand sich in seiner Datscha außerhalb von Moskau, als er vom Putsch erfuhr. Die Mitglieder des Notstandskomitees hatten nicht daran gedacht, ihren wichtigsten Gegenspieler festzunehmen. Unbehelligt konnte er in die Innenstadt fahren und von seinem Büro aus den Widerstand gegen die Putschisten organisieren. Mit einer improvisierten Ansprache von einem Panzer vor dem russischen Parlament, die per Fernsehen umgehend um die Welt ging, hebelte er die Altkommunisten aus.
Binnen kaum drei Tagen war der Putsch beendet. WELT berichtete in der Ausgabe vom 22. August 1991: „Der Staatsstreich in der Sowjetunion ist gescheitert. Zwei Tage nach der Entmachtung des sowjetischen Staatspräsidenten Michail Gorbatschow ergriffen alle acht Mitglieder des Staatskomitees für den Ausnahmezustand angesichts des breiten Widerstandes der Demokratiebewegung die Flucht.“
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Wieder Manfred Schell ordnete die Vorgänge im Leitartikel ein: „Boris Jelzin gebührt der Friedensnobelpreis. Ohne seinen Mut, seine Energie und seine Klugheit hätte sich das Blatt in Moskau nicht gewendet. Die Flucht der Putschisten ist deshalb sein ganz persönlicher Triumph.“
Einige Anführer der Putschisten wurden angeklagt, doch schon 1993/94 amnestiert oder aus gesundheitlichen Gründen entlassen. Auch Janajew, der alkoholabhängig war und sich seit dem Nachmittag des 19. August 1991 nach allerdings unbestätigten Angaben eines Mitverschwörers „nur noch volllaufen“ ließ.
Die Sowjetunion war nicht mehr zu retten, Boris Jelzin wurde der neue starke Mann Russlands. Acht Jahre später händigte er die Macht einem blassen, aber äußerst machtbewussten ehemaligen KGB-Offizier namens Wladimir Putin aus. Zu dessen offiziellen Gästen als Präsident ab 2000 zählten bis zu ihrem Tode unter anderem Dimitri Jasow und Wladimir Krjutschkow.
Putins Eintreten gegen die Putschisten im August 1991 war rein taktisch motiviert gewesen: Er erkannte, dass die Wiederherstellung des kommunistischen Regimes keine Zukunft hatte; ihm ging es immer um das russische Imperium.
Sven Felix Kellerhoff ist Leitender Redakteur bei WELTGeschichte. Zu seinen Themenschwerpunkten zählen der Nationalsozialismus, die SED-Diktatur und Terrorismus. Den Moskauer Putsch 1991 verfolgte er atemlos am Fernseher – und war erleichtert, als Jelzin siegte.
Preguntas abiertas
- What was the full extent of the younger KGB officers' involvement in advising Sobtschak?
- Were there any other key figures who played a crucial, yet unmentioned, role in the resistance?
- What were the specific motivations of all eight members of the State Committee for Emergency Situations?
- How did the international community react in the immediate hours and days following the coup's initiation?

