Deutsch-Amerikanisches Freundschaftsfest in Wiesbaden: Militär und Zivilisten feiern gemeinsam
En resumen
- In Wiesbaden feierten US-Soldaten und deutsche Zivilisten das amerikanische Nationalfest.
- Trotz politischer Spannungen stand das Fest im Zeichen der deutsch-amerikanischen Freundschaft, mit Musik, Fahrgeschäften und Feuerwerk.
- Einige Besucher äußerten sich kritisch zur US-Politik, betonten aber die Bedeutung gemeinsamer Erlebnisse.
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Por qué importa
Das Deutsch-Amerikanische Freundschaftsfest in Wiesbaden, das vom 26. bis 30. Juni stattfand, bot US-Soldaten und deutschen Zivilisten die Möglichkeit, gemeinsam den amerikanischen Nationalfeiertag zu begehen. Das Fest fand vor dem Hintergrund politischer Spannungen und der bevorstehenden Rücktritte von Militärführern statt.
Zwei Schläge braucht General Christopher Donahue, um den Zapfhahn ins Bierfass zu treiben. Als das Bier fließt, reißt er seine Hände in die Luft. Auf seiner Schirmmütze prangen vier Sterne. An diesem Mittwoch ist er noch Kommandeur der US-Armee in Europa und Afrika, am Donnerstag tritt der Verfechter der NATO zurück – auf Druck von Verteidigungsminister Hegseth, wie amerikanische Medien berichteten.
Hier auf dem Deutsch-Amerikanischen Freundschaftsfest, zu dem die US-Armee in Wiesbaden vom vergangenen Mittwoch bis Sonntag eingeladen hat, merkt man davon nichts: Die Lautsprecher spielen „Ein Prosit der Gemütlichkeit“. Der Noch-Kommandeur Donahue stößt an: mit anderen amerikanischen Militärs und dem Kommandeur des Bundeswehr-Landeskommandos Hessen. Die Männer halten ihre Maßkrüge, die zu zwei Dritteln mit Schaum gefüllt sind, in die Luft und posieren fürs Foto. Mittlerweile spielen die Lautsprecher „Wir versaufen unsrer Oma ihr klein Häuschen“.
Von der Bühne laufen die meisten der Männer zu einem Riesenrad, auf dem „LIBERTY WHEEL“ steht. Teil des Fahrgeschäfts ist eine Kirmesversion der Freiheitsstatue, vor der die Männer jetzt posieren. Donahue ist nicht dabei, dafür aber Oberst Ringo L. Midles, Kommandeur der US-Heeresgarnison in Wiesbaden.
„Es ist sehr wie ein deutscher Rummel“
Midles berichtet, dass schon seit Vater und Großvater hier in der Gegend stationiert waren. Er selbst sei vor sieben Jahren schon einmal in Wiesbaden stationiert gewesen: „Ich habe hart darum gekämpft, wieder hierher zurückzukommen“, sagt er. Er und seine Familie fühlten sich sehr verbunden mit dieser Region und ihren Leuten. Midles spricht mit klarer Stimme und lächelt viel. Er schätze die Deutschen sehr, weil die Freundschaft mit ihnen nicht verblasse. Dann scherzt er, er werde Rücksicht nehmen, falls er und der Reporter auf dem Fest gleichzeitig Autoscooter führen. Die Soldaten und Zivilisten, die vor der Freiheitsstatue posiert haben, setzen sich in die Gondeln des Riesenrads. Von oben sieht man, dass an diesem Mittwochnachmittag noch wenig los ist.
Drei Tage später sieht es anders aus. Am Samstag, an dem die Vereinigten Staaten ihren 250. Geburtstag feiern, stehen die Besucher vor der Sicherheitskontrolle Schlange. Auf der Bühne am Eingang des Volksfestes spielt eine Band Countrymusik, um halb 7 sind die Biertische dort schon gut belegt. Neben einem dieser Tische steht Constantin Walch und wippt im Takt. Seit mehr als 30 Jahren mache er schon Line-Dancing, jetzt sei er 72 Jahre alt, sagt der Deutsche. Er sei Fan von Countrymusik, deswegen ziehe ihn das Deutsch-Amerikanische Freundschaftsfest an. Auf seinem Handy zeigt er Bilder von seinem Gartenhaus, das er wie einen Saloon eingerichtet hat: Sogar eine US-Flagge hängt dort.
Während die Band „Folsom Prison Blues“ spielt, schwärmt Walch von Reisen in die USA und wie günstig er dort drei Paar Tanzstiefel gekauft habe. Seine Frau und er seien früher auch in einen Klub auf der Wiesbaden Airbase zum Line-Dancing gegangen. Man habe nur seinen Ausweis kopieren lassen müssen und konnte dann einfach rein. „Das war wunderschön“, sagt er. Freunde, die sie in der Zeit kennengelernt hätten, seien entweder gestorben oder zurück nach Amerika versetzt worden. Er sei ein Fan des Landes, ihm gefielen Landschaft und Leute, nur die aktuelle Politik möge er nicht.
Etwas entfernt, hinter dem Riesenrad, schaut sich Marie T-Shirts an einem Verkaufsstand an. Sie möchte nur ihren Vornamen nennen, weil sie für eine deutsche Sicherheitsbehörde arbeitet. Etwas enttäuscht sei sie von dem Freundschaftsfest: „Es ist sehr wie ein deutscher Rummel.“ Auf ihrem Gesicht trägt sie ein Abziehtattoo mit amerikanischer Flagge, auf ihrem T-Shirt steht „Support Our Troops“. Ihr Vater sei Amerikaner und sie wohne in Wiesbaden Zaun an Zaun mit US-Truppen. Dass diese hier seien, bringe einen internationales Flair. Sollten sie je aus Deutschland abgezogen werden, würde sie in die USA auswandern – aus Sicherheitsgründen.
Ein paar Meter weiter unterhalten sich zwei Amerikaner an einem Bierwagen. Der Jüngere, Andrew, ist seinen Worten nach seit anderthalb Jahren in Wiesbaden stationiert und hat einige deutsche Freunde bei Hip-Hop-Konzerten kennengelernt. Dann tritt er seine Zigarette mit seinen Crocs aus. Man müsse nicht immer darüber reden, ob politische Sachen schiefliefen, sondern könne auch einfach gemeinsam abhängen. Tiefergehendes könne er über Politik nicht sagen.
Zwei andere Soldaten laufen vorbei und grüßen Andrew: „Was geht ab, Bruder?“ Auch sie tragen Zivil. Einer von ihnen hat sich ein USA-Fähnchen unter die Basecap geklemmt. Er liebe die Deutschen, sagt Andrew, und wünsche ihnen ein schönes Freundschaftsfest: „Wir wollen, dass ihr alle eine großartige Zeit habt.“ Ein Freund von ihm, der 70 Jahre alte Michael Holmes, erinnert sich, dass er schon beim Fall der Berliner Mauer, währenddessen er in Hamburg stationiert gewesen war, mit den Deutschen gefeiert habe.
Wenn er läuft, stützt sich Holmes an einem Gehstock ab, den das Logo der US-Armee zusammen mit einem Bundesadler ziert. Zwischendurch sei er zurück nach Florida gezogen, nach fünf Jahren ging er jedoch wieder zurück nach Deutschland, weil seine damalige Frau, eine Deutsche, die Brötchen vermisst habe. Über die Jahrzehnte habe sich die Freundschaft zwischen Deutschen und Amerikanern verbessert. Darauf habe auch Donald Trump bislang keinen Einfluss gehabt. „Ich lasse nicht zu, dass er das verändert.“ Er habe nichts Gutes über Trump zu sagen: „Trump interessiert sich nur für Trump“, sagt Holmes. „Nicht für das amerikanische Volk und nicht für andere.“
Viele andere Amerikaner wollen beim Fest nicht über Politik sprechen. Doch sie blitzt immer wieder durch: An einem Verkaufsstand am Rand des Festes, in der Nähe des Toilettenwagens, liegt zwischen vielen anderen eine einsame „Make America Great Again“-Kappe. Drei Deutsche laufen an ihr vorbei, einer von ihnen sagt: „Ich glaube, hier bist du schon willkommen mit 'nem Trump-Hut.“ Ein paar andere Vorbeilaufende zeigen auf die Kappe; allzu sehr scheint sich aber niemand dafür zu interessieren.
Die einzige Person, die man auf dem ganzen Fest mit MAGA-Kappe sieht, ist ein Amerikaner, der etwas entfernt von dem Verkaufsstand steht. Seit Jahrzehnten lebe er schon in Deutschland, die Kappe habe er gerade eben hier gekauft. Allerdings nicht, weil er Trump-Fan sei, sagt er in fließendem Deutsch: Er wollte nur seine ganzen deutschen Freunde ärgern. Am Ende des Gesprächs hat er sie schon in seine Hosentasche gesteckt.
So viele Leute wollen auf das Freundschaftsfest, dass die Veranstalter von halb 10 an nur noch Leute hereinlassen, wenn welche gehen. Im Gedränge drinnen steht Jesse neben seiner Frau, die ihr Kind auf dem Arm hat. Er trägt Hemd, Sakko und Hose in Stars and Stripes, dazu Cowboystiefel. Seit drei Jahren sei er in Wiesbaden stationiert, es gefalle ihm sehr gut: „Die Leute sind sehr nett, es fühlt sich wie eine Gemeinschaft an.“ Er habe deutsche Freunde beim Karaokesingen kennengelernt.
Etwas seltsam sei es schon, zum Nationalfeiertag nicht in der Heimat zu sein. Dort zündeten die Leute schon tagsüber Feuerwerk und überall werde gegrillt. Ihm gefalle aber, dass auch hier in Wiesbaden alle zusammenkämen, Politisches beiseitelegten und gemeinsam feierten. Er versuche, Politik aus seinen Freundschaften herauszuhalten: Seine deutschen Freunde würden ihn dafür mögen, wer er sei, nicht, womit er in Verbindung gebracht werde, sagt er.
Der US-Nationalfeiertag endet in Wiesbaden mit einem Feuerwerk. Fast eine Viertelstunde lang regnen goldene Fäden über das Kasernengelände. Rote und blaue Kugeln explodieren am Himmel, jemand ruft: „yeah, red and blue“. Das Feuerwerk spiegelt sich in den Fenstern der umliegenden Häuser. In der Menge ruft jemand „America“. Als es vorbei ist, klatschen und jubeln die Leute auf dem Freundschaftsfest. „Das war so cool“, sagt einer im Cowboyhut auf Englisch.
Auf dem Weg hinaus spricht eine junge Frau eine andere an. „Es ist sehr unangemessen, so ein T-Shirt zu tragen“, sagt die deutsche Frau auf Englisch und geht weiter. Auf dem Rücken der angesprochenen Amerikanerin steht im Stil eines Bandshirts „US World Domination Tour“, darunter eine Weltkarte in den Farben der US-Flagge. Es folgt der Satz „Bombing a country near you“ („Bombardiert ein Land auch in Ihrer Nähe“). Darunter stehen Daten und Orte, wie Tourdaten aufgelistet, die die Vereinigten Staaten bombardiert haben. Die Angesprochene ist überrascht. Es sei das erste Mal, dass sie so eine Reaktion bekomme.
Preguntas abiertas
- Wie wird sich die politische Haltung auf die deutsch-amerikanischen Beziehungen auswirken?
- Welche konkreten Auswirkungen hat der angekündigte Rücktritt von General Donahue?



