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EZB dürfte Leitzinsen wegen Inflation und Ölpreisschock erhöhen
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n-tv Wirtschaft11/6/2026Business3 min de lecturaGermany

EZB dürfte Leitzinsen wegen Inflation und Ölpreisschock erhöhen

En resumen

  • Die Europäische Zentralbank (EZB) wird angesichts stark steigender Verbraucherpreise und eines Ölpreisschocks infolge des Iran-Kriegs voraussichtlich die Leitzinsen erhöhen.
  • Die Inflation im Euroraum erreichte im Mai 3,2%, weit über dem EZB-Ziel von 2%.

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Iran-Krieg, Ölpreisschock, hohe Benzinpreise. Wegen der stark anziehenden Verbraucherpreise dürfte die Europäische Zentralbank die Leitzinsen heute erhöhen.

Der Ölpreisanstieg infolge von Donald Trumps Krieg gegen den Iran treibt die Inflation im Euroraum weiter nach oben und verstärkt den Handlungsdruck auf die EZB. Die Zeit des Abwartens dürfte vorbei sein: Die Zentralbank wird am heutigen Donnerstag aller Voraussicht nach die Leitzinsen erhöhen - erstmals seit 2023.

In der Eurozone hatten sich Waren und Dienstleistungen im Mai um durchschnittlich 3,2 Prozent zum Vorjahresmonat verteuert. Das ist der höchste Stand seit September 2023 und der vierte Monat in Folge, in dem die Inflation deutlich über der Zielmarke von 2 Prozent liegt. Zur Einordnung: Im Februar - also vor den von US-Präsident Trump angeordneten Angriffen auf den Iran - lag die Teuerung im Euroraum bei lediglich 1,9 Prozent.

Ökonomen und Finanzmarktexperten rechnen fest damit, dass die Notenbanker den Einlagensatz von 2,0 auf 2,25 Prozent anheben werden. Zu diesem Zinssatz können Geschäftsbanken überschüssiges Geld bei der Zentralbank parken. Er beeinflusst maßgeblich die Finanzierungskosten im Euroraum.

Für den Inflationsschub sorgt vor allem Energie. Sie kostete laut Statistikamt Eurostat im Mai knapp elf Prozent mehr als zu Jahresbeginn. Denn die für die globale Ölversorgung wichtige Straße von Hormus ist weitgehend blockiert. Aber auch die Preise für Dienstleistungen ziehen an. Ökonomen fürchten, dass die Preise auf breiter Front steigen, da Firmen gestiegene Energie- und Transportkosten an Kunden weitergeben.

Inflationsfurcht wächst

Die von der EZB aufmerksam beobachtete Verteuerung von Dienstleistungen sprang auf 3,5 Prozent, im April lag sie noch bei 3 Prozent. Dieser Wert, der als Gradmesser für den binnenwirtschaftlichen Preisdruck gilt, liegt seit mehr als drei Jahren über dem mittelfristigen 2-Prozent-Ziel der EZB.

Die allgemeine Teuerung dürfte noch viele Monate über drei Prozent liegen, sofern die für die Energieversorgung so wichtige Straße von Hormus wider Erwarten nicht schnell wieder für den Schiffsverkehr geöffnet werde, so Commerzbank-Chefökonom Jörg Krämer. "Für eine anhaltend hohe Inflation spricht auch, dass Umfragen zufolge immer mehr Unternehmen die gestiegenen Energiekosten an ihre Kunden weitergeben."

Zudem hätten die langfristigen Inflationserwartungen der Verbraucher spürbar angezogen. Der EZB bleibe deshalb nichts anderes übrig, als nun die Leitzinsen anzuheben. "Vermutlich dürfte sie sie nach der Sommerpause erneut erhöhen", so Krämer.

Inflationserwartungen können die tatsächliche Inflation verstärken. Die Logik dahinter: Wenn Arbeitnehmer davon ausgehen, dass die Preise in Zukunft stark steigen, fordern sie höhere Löhne, um ihre Kaufkraft zu erhalten. Wenn Unternehmen mit steigenden Kosten - etwa durch Energie oder Löhne - rechnen, erhöhen sie ihre Preise. Dadurch steigt das allgemeine Preisniveau. Hinzu kommt: Wer erwartet, dass beispielsweise Autos oder Möbel teurer werden, kauft sie heute statt erst nächstes Jahr. Die höhere Nachfrage kann Unternehmen ermöglichen, Preise anzuheben, was die Inflation zusätzlich antreibt.

Hohe Zinsen bremsen die Konjunktur

EZB-Präsidentin Christine Lagarde hat immer wieder betont, die Notenbank sei bereit zu handeln, falls nötig. Auch andere Zentralbanker - darunter der Chefvolkswirt Philip Lane und Direktorin Isabel Schnabel - haben rhetorisch den Weg für eine wahrscheinliche Zinserhöhung bereitet. "Aus heutiger Sicht halte ich eine Zinserhöhung im Juni für nötig", sagte jüngst Schnabel. Sie fügte hinzu, dass sich die EZB zwar niemals vorab festlege. Der Energie-Schock arbeite sich jedoch durch die Wirtschaft.

Der "Financial Times" zufolge rechnet der Finanzmarkt mit einer Wahrscheinlichkeit von nahezu 100 Prozent, dass die Zinsen heute angehoben werden. Vor dem Iran-Krieg hatten die Märkte erwartet, dass die EZB die Zinsen senken würde, um die schwächelnde Wirtschaft zu stützen.

Höhere Leitzinsen der EZB verteuern Kredite für Verbraucher und Firmen, was die Nachfrage bremsen und die Inflation dämpfen kann. Zugleich sind höhere Zinsen eine Last für die schwache Wirtschaft im Euroraum, die unter den Folgen des Iran-Krieges leidet und im ersten Quartal überraschend schrumpfte.

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This article was originally published by n-tv Wirtschaft.

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