Gasspeicher nur zu rund 48 Prozent gefüllt: Droht im Winter ein Preisschock?
Deutschlands Gasspeicher sind niedrig gefüllt, und Europa ist stärker vom globalen LNG-Markt abhängig. Experten blicken besorgt auf den Winter.
En resumen
- Deutschlands Gasspeicher sind im Hochsommer nur zu rund 48 Prozent gefüllt.
- Experten warnen vor einer starken Abhängigkeit vom globalen Flüssiggasmarkt und steigenden Preisen im Winter.
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Por qué importa
Deutschlands Gasspeicher waren im Sommer niedrig gefüllt, und die Importe hinkten hinterher. Die Versorgung hängt stark von globalen LNG-Strömen ab.
Noch ist Hochsommer, doch am Gasmarkt richtet sich der Blick längst auf die kalte Jahreszeit. Denn Deutschlands Gasspeicher sind laut Daten von Gas Infrastructure Europe derzeit nur zu gut 48 Prozent gefüllt. Europaweit war der Füllstand Anfang August mit rund 58 Prozent so niedrig wie noch nie seit Beginn der Datenreihe 2011.
Ein Grund sind die vergleichsweise geringen Gasimporte. Hinzu kommen historisch niedrige Wasserstände vieler Flüsse: Sie beeinträchtigen in Teilen Europas die Stromerzeugung aus Wasser- und Kernkraft und erhöhen dadurch den Bedarf an Erdgas für die Stromproduktion.
"Wir sind deutlich anfälliger"
Allerdings ist die Lage in Europa sehr unterschiedlich: Während Deutschland hinterherhinkt, sind die Speicher in Italien bereits zu mehr als drei Vierteln gefüllt, in Polen sogar zu 87 Prozent. Hierzulande stellt sich deshalb umso dringlicher die Frage: Reicht das Gas für den Winter?
Thomas Benedix, Rohstoffexperte bei Union Investment, rechnet damit, dass die deutschen Speicher zu Beginn des Winters nur zu rund 70 Prozent gefüllt sein dürften. "Damit sind wir deutlich anfälliger", sagt Benedix im Gespräch mit der ARD-Finanzredaktion. Sollte der Winter überdurchschnittlich kalt ausfallen, könnten die Vorräte nach seinen Berechnungen gegen Ende der Heizperiode sogar "in Richtung zehn Prozent Füllstand" sinken.
Genug Erdgas auf dem Weltmarkt erhältlich
Müssen Verbraucher und Unternehmen nun eine Wiederholung der Energiekrise von 2022 fürchten? Nein, sagt die EU-Kommission. Die "Koordinierungsgruppe Erdgas" hat derzeit "keine unmittelbaren Bedenken" hinsichtlich der Sicherheit der Gasversorgung der EU im kommenden Winter.
Auch die Bundesnetzagentur gibt sich vergleichsweise gelassen. Die deutsche Gasversorgung sei stabil, die Versorgungssicherheit gewährleistet. Auf dem Weltmarkt sei ausreichend Gas verfügbar, zudem gebe es genügend Importmöglichkeiten.
Weitere Importwege erschlossen
Tatsächlich sind die Speicherfüllstände heute nicht mehr der einzige Gradmesser für die Versorgungssicherheit. Auch Rohstoffexperte Benedix warnt deshalb vor einem vorschnellen Vergleich mit 2022: "Die aktuelle Lage ist sicherlich nicht vergleichbar mit damals. Jetzt sind wir darauf vorbereitet, viel Flüssiggas zu empfangen - auch über die verschiedenen Terminals, die es in der Nord- und Ostsee gibt."
Deutschland hat zudem weitere Importwege erschlossen. Gas kann über Pipelines insbesondere aus Norwegen sowie über Frankreich und Belgien ins deutsche Netz gelangen.
Flüssiggas-Lieferungen werden umgelenkt
Doch genau das schafft neue Abhängigkeiten: An die Stelle großer Mengen russischen Gases aus Pipelines ist mehr Flüssiggas vom Weltmarkt getreten. Deutschland und Europa sind damit stärker den globalen Preisen und ihren Schwankungen ausgesetzt. Auch die Bundesnetzagentur weist ausdrücklich auf dieses Risiko hin.
Europa ist schließlich nicht der alleinige Nachfrager von LNG auf den globalen Märkten. "Asien zahlt deutlich mehr, teilweise vier Euro je Megawattstunde Gas obendrauf", sagt Commerzbank-Rohstoffexperte Norman Liebke. Vier Euro mehr - bei den derzeitigen Preisen von knapp 60 Euro je Megawattstunde entspricht das einem Aufschlag von rund sieben Prozent.
Solche Preisunterschiede reichen aus, um flexible LNG-Ladungen umzulenken. Auch die Internationale Energieagentur IEA berichtet, dass höhere Preise in Asien in diesem Jahr Tanker verstärkt dorthin gezogen haben.
Iran-Krieg verschärft Lage am LNG-Markt
Die größten Unsicherheiten liegen allerdings auf der Angebotsseite. Der Krieg im Mittleren Osten hat die Energiemärkte massiv erschüttert, am Gasmarkt löste die faktische Schließung der Straße von Hormus einen schweren Angebotsschock aus: Durch die Meerenge liefen zuvor fast 20 Prozent des weltweiten LNG-Handels - vor allem Lieferungen aus Katar.
Zwar haben Produzenten in Nordamerika, Afrika und Australien einen großen Teil der ausgefallenen Mengen ersetzt. Trotzdem erwartet die IEA inzwischen nur noch ein weitgehend stagnierendes globales LNG-Angebot für das laufende Jahr. Noch vor Beginn des Iran-Kriegs hatte sie mit einem kräftigen Zuwachs gerechnet. Verzögert sich die Rückkehr der Lieferungen vom Persischen Golf, könnte das weltweite LNG-Angebot nach Einschätzung der IEA sogar erstmals seit 2012 schrumpfen.
Hinzu kommen Schäden an der LNG-Infrastruktur in Katar. Nach Einschätzung der IEA belasten sie das weltweite Angebot nicht nur kurzfristig, sondern auch in den kommenden Jahren.
Katar bleibt größtes Risiko für den Winter
Die IEA unterstellt in ihrem Basisszenario, dass die Lieferungen aus Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten bis zum vierten Quartal schrittweise wieder hochgefahren werden.
Auch die Experten von Union Investment gehen bislang davon aus, dass ab Oktober wieder größere Mengen Flüssiggas aus Katar zur Verfügung stehen werden. "Sollte das aber nicht der Fall sein, dann verknappt sich der gesamte Weltmarkt an Flüssiggas über den Winter, und das ist das größte Risiko aus meiner Sicht", betont Benedix.
Bald wieder 100 Euro per Megawattstunde?
Aber auch ein unerwarteter Kälteeinbruch könnte die Gaspreise in Europa deutlich nach oben treiben. Benedix hält es für möglich, dass der europäische Gaspreis dann wieder "in Richtung 80 bis 100 Euro je Megawattstunde" steigt. "Das wäre eine Verdreifachung im Vergleich zu Beginn dieses Jahres."
Von den extremen Ausschlägen der Energiekrise nach dem russischen Überfall auf die Ukraine wäre das dennoch weit entfernt. Im Sommer 2022 stieg der europäische Gaspreis zeitweise auf mehr als 300 Euro je Megawattstunde.
Vier Faktoren bestimmen die Preise im Winter
Ein physischer Gasmangel ist damit derzeit nicht das wahrscheinlichste Szenario für den kommenden Winter. Doch Europas neue Versorgungssicherheit hat einen Preis: Wie teuer Gas in Deutschland und der EU wird, hängt nun stärker vom globalen LNG-Markt ab.
Unterm Strich entscheiden somit vor allem vier Faktoren über die Gaspreise hierzulande im Winter: die Speicherfüllstände, das Wetter in Europa und Asien, die LNG-Nachfrage in Asien und die weitere Entwicklung der Lieferungen aus dem Mittleren Osten.
Chemieindustrie besonders betroffen
Für private Haushalte schlagen höhere Großhandelspreise allerdings meist nicht sofort auf die Gasrechnung durch. Wie schnell sie ankommen, hängt unter anderem von der Beschaffungsstrategie des jeweiligen Versorgers und den konkreten Vertragsbedingungen ab.
Energieintensive Unternehmen spüren steigende Gaspreise dagegen oft deutlich schneller. Dazu zählen etwa Chemie-, Stahl-, Glas- und Papierhersteller; Firmen wie BASF, Thyssenkrupp oder Schott. Für sie können anhaltend hohe Gaspreise daher schnell zum Kosten- und Wettbewerbsproblem werden.
Qué observar
Perspectiva de IA — posibilidades, no hechos
Europäischer Gaspreis könnte bei Kälteeinbruch Richtung 80 bis 100 Euro steigen
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Preguntas abiertas
- Wie stark sinken die Füllstände bei einem kalten Winter?
- Wann kehren die Lieferungen aus Katar vollständig zurück?





