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Indiens Regierungschef Modi: Ein umstrittener Meilenstein
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FAZ19.06.2026Política5 dk okumaGermany

Indiens Regierungschef Modi: Ein umstrittener Meilenstein

En resumen

  • Indien feiert Narendra Modi als am längsten dienenden Ministerpräsidenten, doch die Rechnung ist umstritten.
  • Kritiker werfen der Regierung vor, die Amtszeit von Jawaharlal Nehru falsch zu berechnen, um Modi hervorzuheben.
  • Der Streit spiegelt den Konflikt um Indiens Zukunft wider.

Resumen generado por IA

Por qué importa

Indien feiert Narendra Modi als am längsten dienenden Ministerpräsidenten, doch die Berechnung wird von Kritikern angezweifelt, die eine falsche Zählung der Amtszeit von Jawaharlal Nehru bemängeln. Dieser Streit wird als Stellvertreterkonflikt für Indiens Zukunft gesehen.

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Indien feiert Narendra Modi zurzeit als „am längsten dienenden Ministerpräsidenten“ in der Geschichte des Landes. Im Kabinett erheben sich die Minister zum Applaus, in Tempeln beten die Priester für Modi, und in einem Bundesstaat lässt ein Landeschef Setzlinge zu seinen Ehren pflanzen. Auch aus dem Ausland treffen Glückwünsche ein. Gratuliert haben etwa Bundeskanzler Friedrich Merz, EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und US-Präsident Donald Trump.

Dabei stimmt die Rechnung genaugenommen nicht. Indiens erster Ministerpräsident Jawaharlal Nehru war 17 Jahre an der Macht (1947 bis 1964). Das ist länger als Modi mit zwölf Jahren (2014 bis 2026). Auch Nehrus Tochter Indira Gandhi hatte 14 Jahre lang regiert, wenn auch nicht ununterbrochen (zwischen 1966 und 1984). Es sei daher nicht richtig, dass Modi Nehru bereits überholt habe, so der französische Politikwissenschaftler und Modi-Biograph Christophe Jaffrelot zur F.A.Z.

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Für die regierende Bharatiya Janata Party (BJP) bietet die Behauptung aber eine Gelegenheit, den Modi-Kult weiter zu fördern. Sie stellt ihn als Ausnahmepolitiker dar, dessen Schein sogar einen Giganten der indischen Unabhängigkeitsbewegung überstrahlt. Dafür hat sie sich eines Rechentricks bedient. Sie zählt die ersten fünf Jahre von Nehrus Regierungszeit nicht mit, unter der Begründung, dass er damals nicht gewählt gewesen sei.

Oppositionspolitiker: „Erfundener Meilenstein”

Der Indian National Congress (INC) hatte Nehru noch vor der Unabhängigkeit zum Chef einer Interimsregierung erklärt. Erst in den Jahren 1951/52 wurde gewählt, der INC bekam knapp 45 Prozent der Stimmen. Die heutige Regierung, Modis Partei und zahlreiche Medien rechneten dagegen vor, dass Nehru als „demokratisch gewählter“ Regierungschef 4398 Tage im Amt war. Somit habe Modi ihn am 10. Juni 2026 mit 4399 Tagen überholt.

Einige Berichte und Glückwünsche bezeichneten Modi deshalb treffender als den am längsten regierenden, „gewählten“ Ministerpräsidenten der indischen Geschichte. Doch in vielen Artikeln und Online-Postings fehlte diese Einschränkung. Ein Sprecher des heute oppositionellen INC, Jairam Ramesh, sprach daher von einem „erfundenen Meilenstein”.

Die Hindunationalisten aus der BJP haben für ihre Art der Rechnung auch ideologische Gründe. Sie sehen das Erbe Nehrus und des INC kritisch. Sie werfen dem ersten Ministerpräsidenten Fehler im Verlauf der indisch-pakistanischen Teilung, in der Kaschmirfrage und im Vorfeld des chinesisch-indischen Kriegs 1962 vor. Sie kritisieren seine Hinwendung zu einem sozialistischen Wirtschaftsmodell und beschuldigen ihn der Gründung einer politischen Dynastie, zu der seine Tochter Indira Gandhi und sein Enkel Rajiv Gandhi zählten, die nach ihm das Regierungsamt ausübten.

Viele Inder verehren Nehru nach wie vor

Dessen ungeachtet wird Nehru von vielen im Volk weiter als der Architekt der indischen Demokratie verehrt. Für seinen Kampf für Unabhängigkeit an der Seite Mahatma Gandhis saß er jahrelang im Gefängnis. Er schob die Industrialisierung Indiens an und sorgte als Schlüsselfigur der blockfreien Staaten dafür, dass Indiens Stimme auf der Welt Gehör fand. Modi sei fixiert darauf, den Gründervater Nehru an Größe zu übertreffen, sagen Beobachter. „Modi ist von ihm besessen“, so Jaffrelot.

Viele Artikel, die in der indischen Presse den „historischen Tag“ feierten, vergleichen Nehru mit Modi und lassen den amtierenden Regierungschef dabei oft besser wegkommen als seinen Vorgänger. In einem Gastkommentar der Zeitung „The Print“ heißt es etwa, Modi sei das Gegenteil Nehrus. Dieser war ein Brahmane aus einer reichen Familie und hatte britische Universitäten besucht. Modi stammte aus einer weniger privilegierten Kaste. Als Junge soll er seinem Vater am Bahnhof beim Teeverkauf geholfen haben.

Nehru brachte Stabilität in ein Land, das von der Teilung gezeichnet war, wirtschaftlich am Boden lag und von bitterer Armut, Analphabetentum und geringer Lebenserwartung geplagt wurde. Er legte außerdem den Grundstein für das demokratische und säkulare Indien. Er sah den Schutz der Diversität und der Minderheiten als Grundlage für den Erhalt des jungen Staates mit seinen zahlreichen Sprachen, Völkern und Religionen.

Es geht nicht um die Regierungsdauer, sondern um ein „neues Indien“

Modi geht es dagegen um die Befreiung von den Nachwirkungen der Fremdherrschaft. Er will Indien zu einer verloren geglaubten historischen Größe zurückführen. Unter ihm gehört Indien seit einigen Jahren auch zu den am schnellsten wachsenden großen Volkswirtschaften. Neu Delhi ist ein global gefragter Partner. Die Einführung einer einheitlichen Mehrwertsteuer, eines digitalen Bezahl- und Identifikationssystems sowie der Bau von Toiletten haben das Land vorangebracht.

Andere Maßnahmen, wie die Entwertung größerer Geldscheine über Nacht, waren Fehlschläge. Heute prägen zudem hohe Jugendarbeitslosigkeit, die wachsende Schere zwischen Arm und Reich und die Existenz vieler Bauern am Existenzminimum das Land.

Anders als Nehru verfolgt Modi zudem eine Politik der Vereinheitlichung, in der die Mehrheit der rund achtzig Prozent Hindus im Land der Maßstab sein sollen. In diesem System werden Kritikern zufolge besonders die indischen Muslime zu Bürgern zweiter Klasse gemacht. Wer der am längsten regierende Ministerpräsident Indiens war, ist vor diesem Hintergrund nicht trivial. Denn die Erörterung steht stellvertretend für den Konflikt um Indiens Zukunft: ob das Land das pluralistische Erbe seines Gründervaters fortführt oder Modi und seiner Vision eines „neuen Indien“ folgt.

Preguntas abiertas

  • Wie wird sich die politische Debatte um die Amtszeiten entwickeln?
  • Welche langfristigen Auswirkungen hat die ideologische Auseinandersetzung auf Indien?

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This article was originally published by FAZ.

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