KI-Angst bei jungen Menschen: Sorge vor Jobverlust und Kompetenzverlust
En resumen
- Junge Menschen in Deutschland machen sich zunehmend Sorgen über die Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz auf ihre berufliche Zukunft.
- Studien zeigen Ängste vor Jobverlust und einem Verlust eigener Kompetenzen, während Experten zur kritischen Nutzung und Weiterbildung raten.
Resumen generado por IA
Por qué importa
Junge Menschen in Deutschland und den USA äußern zunehmend Sorgen bezüglich der Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz auf ihre berufliche Zukunft, insbesondere hinsichtlich Jobverlust und dem Verlust eigener Fähigkeiten.
Künstliche Intelligenz (KI) ist eines der großen Themen unserer Zeit. Doch nicht überall hat sie ein gutes Image - etwa unter Studierenden in den USA. So wurde Ex-Google-Chef Eric Schmidt Ende Mai an der University of Arizona ausgebuht, als er über die Auswirkungen der Technologie sprach. Ähnliches erlebte Immobilienmanagerin Gloria Caulfield bei einer Abschlussrede an der University of Central Florida, in der sie den Aufstieg der KI als "nächste industrielle Revolution" bezeichnete.
Immer häufiger wird von einer sogenannten KI-Angst unter jungen Leuten berichtet, die sich Sorgen über ihre berufliche Zukunft machen - auch in Deutschland. In der Jugendstudie 2026 bewerteten viele der über 2.000 Befragten im Alter von 14 bis 29 Jahren ihre Jobchancen in diesem Jahr deutlich schlechter als zuvor - unter anderem wegen des voranschreitenden Einflusses von KI.
Mehrheit der jungen Menschen erwarten "radikale Veränderungen"
"53 Prozent der jungen Menschen glauben, dass einfache Tätigkeiten zunehmend durch KI ersetzt werden. 52 Prozent erwarten radikale Veränderungen am Arbeitsmarkt aufgrund von KI", berichtet Nina Kolleck, Professorin für Erziehungs- und Sozialisationstheorie an der Universität Potsdam und Mitautorin der Studie. Aufgrund der Vermutung, dass künftige Jobs von einer KI erledigt werden könnten, würden einige von ihnen sogar bestimmte Berufe nicht mehr ergreifen oder seltener Studiengänge wie Pharmazie oder Jura wählen.
Auch Björn Ommer, KI-Professor an der Ludwig-Maximilians-Universität München, beobachtet, dass junge Menschen Künstliche Intelligenz nicht mehr nur als Werkzeug sehen, sondern auch als Konkurrent auf dem Arbeitsmarkt: "Diejenigen, die in Schule oder im Studium mit Künstlicher Intelligenz Texte geschrieben, Bilder analysiert, Recherchen gemacht oder Code erzeugt haben, fragen sich natürlich, wofür sie selbst schlussendlich noch gebraucht werden."
Studien aus Stanford und Harvard zeigen, dass KI gerade Berufseinsteigern in den USA das Leben schwieriger macht. Denn sie kann Routinefähigkeiten wie Recherche oder das Ausbessern von Texten übernehmen und somit Arbeitskraft ersetzen. Da das Verfassen, die Dokumentation und die Informationsbeschaffung zunehmend automatisiert werden, verschwinden teilweise Büroarbeiten, Assistenzfunktionen oder Callcenter, teilte auch das Kiel Institut für Weltwirtschaft Anfang des Jahres mit.
KI-Angst nicht so weit verbreitet
Eine große KI-Angst gebe es unter jungen Menschen in Deutschland deshalb aber noch nicht, sagt Jugendforscherin Kolleck im Gespräch mit der ARD-Finanzredaktion. Nur 21 Prozent der Befragten glauben laut der Studie, dass sie sich beruflich neu orientieren müssen. "Dadurch, dass KI ein sehr dominierendes Thema in Bezug auf die Berufswahl von jungen Menschen ist, finde ich das jetzt erstmal keine hohe Zahl." Zudem hätten lediglich 30 Prozent die Sorge, dass ihre eigene Arbeitskraft ersetzbar wird.
Ein ähnliches Bild zeigt eine Umfrage der Barmer Krankenkasse. Demnach spielt KI als Grund für Zukunftssorgen eine eher untergeordnete Rolle: 20 Prozent der 2.000 Befragten im Alter von 14 bis 17 Jahren macht KI große Sorgen, eine Steigerung von vier Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Dennoch belegt sie immer noch einen der letzten drei Plätze im Ranking. Sorgen wegen Kriegen seien mehr als dreimal so stark verbreitet. Ökonom Oliver Schlenker verweist in dem Zusammenhang auch auf die aktuelle Wirtschaftsflaute.
"In schlechten wirtschaftlichen Situationen sind Berufseinsteiger in der Regel immer am schlimmsten betroffen", so der stellvertretende Bereichsleiter des ifo Zentrums für Soziale Marktwirtschaft und Institutionenökonomik. "Wenn Unternehmen ihre Beschäftigung anpassen wollen, machen sie es zunächst meistens über Einstellungen." Deswegen seien gerade generell viele junge Menschen von einem Rückgang offener Stellen betroffen, erklärt Schlenker, der auch Senior Researcher am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) ist.
Sorge vor Kompetenzverlust
Nichtsdestotrotz werden KI-Modelle künftig eine noch stärkere Rolle einnehmen, da sind sich die Fachleute einig. "Ich erwarte, dass Künstliche Intelligenz ein Standardwerkzeug werden wird. Nicht nur in den IT-nahen Bereichen, sondern in der Breite - ähnlich wie bereits der Computer oder das Internet", sagt etwa KI-Professor Ommer. Als Konsequenz rechne er aber nicht mit einem kompletten Wegfall von Arbeit. "Ich sehe eher eine Transformation, eine Verschiebung von Tätigkeiten. So wie es mit technologischen Revolutionen in der Vergangenheit auch gewesen ist."
Mehr als 54 Prozent der Unternehmen in Deutschland nutzen KI bereits jetzt in ihren Geschäftsprozessen, wie aus einer aktuellen Umfrage des ifo Instituts hervorgeht. 2025 lag der Anteil noch bei knapp 41 Prozent. Das IAB prognostiziert, dass in den kommenden 15 Jahren rund 1,6 Millionen Arbeitsplätze vom Strukturwandel durch KI betroffen sein werden. Dazu gehören Jobs, die sich verändern, entfallen oder neu entstehen. Es gebe auch Bereiche wie die Spracherkennung durch KI, die einen positiven Einfluss auf die Beschäftigung hätten, berichtet das Kiel Institut für Weltwirtschaft. Unter dem Strich bleibe die Gesamtbeschäftigung stabil, nur der Qualifikationsdruck steige an.
KI-Angst beinhaltet jedoch nicht nur die Sorge vor Arbeitslosigkeit. Das Schreibzentrum der Goethe-Universität in Frankfurt hat bundesweit über 4.000 Studierende zu ihrem Umgang mit KI befragt. Ihre größte Sorge: der Kompetenzverlust. "Sie haben Angst, wenn sie zu intensiv mit KI umgehen, zu intensiv ihre eigene Denkarbeit an KI abgeben, dass ihnen das selber nicht mehr gelingt", sagt Leiterin Nora Hoffmann gegenüber der ARD-Finanzredaktion. "Also sie haben Angst, kritisches Denken zu verlernen, wenn sie es selber nicht mehr praktizieren und der KI übergeben." Eine emotionale Verunsicherung führe zudem dazu, dass sich die Studierenden Dinge selbst nicht mehr zutrauen.
KI-Modelle kritisch nutzen und eigene Stärken erkennen
Gerade aus diesem Grund sollten sich junge Erwachsene noch stärker mit KI auseinandersetzen und den kritischen Umgang lernen, betonen die Expertinnen und Experten. Bildungsforscherin Kolleck zufolge nutzen bislang nur 22 Prozent der jungen Menschen Weiterbildungsangebote zur besseren Anwendung von KI." Viele wissen gar nicht so richtig, wie KI-Modelle wie ChatGPT funktionieren, was eigentlich ein Algorithmus ist und für was KI alles genutzt werden kann im beruflichen Feld." Das seien spannende Fragen, die sie in der beruflichen Entwicklung weiterbringen können.
KI-Experte Ommer formuliert einen ähnlichen Appell: "Meine Empfehlung wäre: Nutzt die Künstliche Intelligenz, aber lernt sie kritisch zu hinterfragen, kreativ und verantwortungsvoll einzusetzen." Darüber hinaus sei auch künftig ein gutes Urteilsvermögen, Kreativität und Kommunikation wichtig. Und es gehe auch um die Frage nach den eigenen Kompetenzen, ergänzt Schlenker. "Welche Stärken habe ich als junger Mensch, die mir es erlauben, über diese Tätigkeiten, die ein klassischer Job im Büro benötigt, hinauszugehen?", so der Arbeitsmarktökonom.
Und mit Blick auf den Fachkräftemangel könne sich ohnehin kein Unternehmen leisten, auf junge Menschen zu verzichten. Diese sollten sie daher nicht von einer KI hindern lassen, was sie tun wollen, meint Kolleck. "Was wir in der Zukunft auf jeden Fall brauchen, sind engagierte, ideenreiche Menschen, die sich einbringen, die eine Lust auf ihren Job haben, die Freude an ihrem Job haben und die ihre berufliche Zukunft auch als eine Form von Weiterentwicklung begreifen. Und deswegen sollte allein nur das Argument, dass KI eventuell den Job übernehmen könnte, nicht davon abhalten, eine Berufswahl zu ergreifen."
Qué observar
Perspectiva de IA — posibilidades, no hechos
KI wird zum Standardwerkzeug in breiten Berufsfeldern, ähnlich wie Computer und Internet.
Muy probable · Medio plazo
Rund 1,6 Millionen Arbeitsplätze werden in den nächsten 15 Jahren vom Strukturwandel durch KI betroffen sein (Veränderung, Wegfall, Entstehung).
Probable · Largo plazo
Preguntas abiertas
- Wie werden sich die Qualifikationsanforderungen konkret verändern?
- Welche neuen Berufsfelder entstehen durch KI?
- Wie können Bildungssysteme auf den KI-Wandel reagieren?





