Kindle Scribe Colorsoft überzeugt als Schreib- und Lesegerät, ersetzt aber kein Tablet
Amazons farbiger E-Ink-Reader punktet mit großem, augenschonendem Display und Stiftfunktion, zeigt aber Schwächen bei Webnutzung, Akkulaufzeit und Preis.
En resumen
- Der Kindle Scribe Colorsoft bietet einen großen Farbbildschirm mit papierähnlichem Schreibgefühl und eignet sich besonders für Notizen, PDFs und illustrierte Bücher.
- Als Tablet-Ersatz taugt das teure Gerät wegen eingeschränkter Webfunktionen, fehlender Apps und begrenzter Akkulaufzeit im Alltag nicht.
Resumen generado por IA
Por qué importa
Der Kindle Scribe Colorsoft ist Amazons Flaggschiff unter den Lesegeräten und soll Notizblock, E-Book-Reader und Dokumentenbearbeitung in einem Gerät vereinen. Die Scribe-Familie hat sich laut Artikel in den vergangenen Jahren bereits eine treue Fangemeinde erarbeitet.
Der Kindle Scribe Colorsoft ist das Flaggschiffmodell unter Amazons Lesegeräten. Mit dem nur 5,4 Millimeter dünnen Gerät will Amazon mehrere Funktionen vereinen: Man kann mit einem Stift darauf schreiben und zeichnen, der Bildschirm fühlt sich an wie Papier und das alles in Farbe. Ein mehrwöchiger Test zeigt allerdings, dass der Kindle Scribe Colorsoft nicht alle diese Aufgaben gleich gut beherrscht.
Das Gerät ist zwar so groß wie ein iPad, wurde von Amazon aber nicht als iPad-Konkurrent positioniert. Es richtet sich eher an Menschen, die ein digitales Gerät suchen, das Notizblock und Notizbuch ersetzen kann. Geräte aus der Scribe-Familie haben sich damit in den vergangenen Jahren eine treue Fangemeinde erarbeitet. Dass der Kindle Scribe Colorsoft nicht gebaut wurde, um mit iPads zu konkurrieren, zeigt sich auch daran, dass er keine Apps laden kann und nur begrenzt im Internet surft.
Der Kindle Scribe Colorsoft hat einen elf Zoll großen E-Ink-Farbbildschirm. Er ist damit so groß wie ein iPad, kostet mit Preisen ab 650 Euro aber deutlich mehr als Apples Einstiegstablet. In der Basisversion bietet er 32 Gigabyte Speicher, gegen 50 Euro Aufpreis 64 Gigabyte. Das Gerät wiegt 390 Gramm und ist in Schwarz sowie einem dunklen Violett erhältlich, das Amazon als »Feige« bezeichnet. Eine Angabe zur Wasserfestigkeit macht Amazon nicht. Entsprechend sollte man davon ausgehen, dass das Gerät nicht wasserfest ist.
Das Display arbeitet mit E-Ink-Technologie, die Text möglichst wie auf Papier erscheinen lässt. iPads arbeiten dagegen mit OLED- oder LCD-Displays. Ein Vorteil von E-Ink liegt in der Akkulaufzeit. Amazon gibt sie mit »bis zu acht Wochen« an, allerdings nur unter sehr eingeschränkten Bedingungen: wenn WLAN und Bluetooth abgeschaltet sind und täglich höchstens eine halbe Stunde bei mittlerer Helligkeit gelesen wird. Bei intensiver Nutzung mit viel Helligkeit, Schreiben und Ausprobieren musste das Gerät im Test bereits nach zwei bis drei Tagen geladen werden. Eine USB-C-Strippe wird mitgeliefert.
Ein Webbrowser ist eingebaut, aber nur als Notlösung brauchbar. Er scheitert an vielen Elementen moderner Websites. Beim Versuch, die »New York Times« zu lesen, werden Probleme mit JavaScript gemeldet, von »The Verge« ist nur eine rohe Vorschau zu sehen, heise.de lädt langsam. Selbst wenn eine Seite erscheint, macht das hakelige Scrollen den Besuch zur Tortur. Der Kindle kann blättern, scrollen fällt ihm schwer.
Das herausragende Merkmal des Geräts ist der große Farbbildschirm. Die Kombination aus E-Ink-Technologie und Farbe ist noch relativ neu, wenig verbreitet, teuer und wohl nicht ganz einfach herzustellen. Möglicherweise ist das einer der Gründe, weshalb Amazon dieses Modell erst jetzt nach Deutschland bringt, während es in den USA schon Ende 2025 in den Verkauf ging.
Der Bildschirm bietet eine ruhige, augenschonende Darstellung. Weil E-Ink nur beim Umblättern oder anderen Änderungen des Bildinhalts aktiv wird, arbeitet die Technik sparsam. Die Aussage von Amazon, das Display zeige »hochkontrastierende Farben wie auf Papier gedruckt«, sollte man allerdings nicht wörtlich nehmen. Die Farbdarstellung ist für diese Art von Bildschirm sehr gut, reicht aber nicht an Druckfarben oder an LCD- und OLED-Displays heran.
Dafür spiegelt der Bildschirm kaum. Seine Oberfläche hat eine feine Struktur, die einfallendes Licht diffus reflektiert, statt zu blenden. Anders als bei Smartphones und Tablets wird dieser Bildschirm besser lesbar, wenn die Sonne scheint. Er wirkt fast wie Papier.
Wichtiger noch: Beim Schreiben fühlt er sich auch so an. Anders als auf einem glatten iPad-Display rutscht der Stift nicht fast widerstandslos über Glas. Stattdessen spürt man Friktion und hört die Spitze über die Oberfläche schleifen, fast wie bei einem Bleistift. Wer gern schreibt, wird darauf gern schreiben.
Genau darum geht es beim Scribe. Das Gerät ist im Kern ein digitaler Notizblock, dem nie die Seiten ausgehen. Im Arbeitsbereich stehen 30 Vorlagen bereit, vom Collegeblock über Wochenplaner bis zum Notenpapier. Auf ihnen kann man mit verschiedenen virtuellen Schreibwerkzeugen schreiben und zeichnen, vom Bleistift über einen Füller bis zum Textmarker. Neu gegenüber früheren Modellen ist, dass das nun auch in Farbe möglich ist. Amazon bietet dafür neun Farben sowie Schwarz an.
Den eigentlichen Mehrwert sollen laut Amazon KI-Funktionen liefern. Handschriftliche Notizen lassen sich zusammenfassen, was etwa für Mitschriften aus Vorlesungen nützlich sein kann. Oder man lässt sie »verfeinern«, wobei die Handschrift in eine digitale Schreibschrift umgewandelt wird. Das funktioniert allerdings nur mit halbwegs lesbarer Handschrift.
Über reine Notizen hinaus lassen sich auf dem Kindle Scribe Colorsoft auch Word-Dokumente und PDF-Dateien mit Anmerkungen versehen. In Word-Dateien können Notizen als kleine Boxen gesetzt und Textstellen markiert werden. Man arbeitet also im Dokument. Bei PDF-Dateien arbeitet man dagegen auf dem Dokument und ergänzt Markierungen oder Anmerkungen, ohne den Seitenaufbau zu verändern. Im Test ließen sich auch Bilddateien importieren. Jeder Versuch, sie zu bearbeiten, endete jedoch damit, dass zwar die Notiz, nicht aber das Bild zu sehen war.
Wer Dokumente bearbeiten möchte, kann Cloudspeicher wie Google Drive, OneDrive und OneNote mit dem Kindle verbinden. Das setzt allerdings ein hohes Maß an Vertrauen in Amazon voraus, weil damit nicht nur dem Gerät, sondern auch Amazon Zugriff gewährt wird. Bei vertraulichen oder unternehmensrelevanten Daten sollte man das sorgfältig abwägen und im Zweifel mit der eigenen IT abstimmen.
Neben seinen Funktionen als digitales Notizbuch mit KI ist der Scribe Colorsoft auch ein Kindle, also ein E-Book-Reader. In diesem Bereich spielt er seine Stärken besonders bei Büchern mit Illustrationen, Mangas oder Comics aus. Für lange Fließtexte kann der Bildschirm dagegen zu groß wirken.
Zumindest in der Standardeinstellung sind die Zeilen zu lang für ein entspanntes Lesen. Der Zeilenwechsel fällt dadurch schwerer. Nutzt man die große Fläche jedoch, um die Schrift stark zu vergrößern, kann das praktisch sein, etwa für Menschen, die ohne Brille lesen wollen. Für das Lesen im Bett wirkt das Elf-Zoll-Format allerdings sperrig.
Ein Ersatz für ein Tablet ist der Kindle Scribe Colorsoft nicht. Er kann keine Apps laden, keine Videos anzeigen und nur sehr eingeschränkt im Web surfen. Bei dem, was er macht, ist er jedoch sehr stark.
Sein Farbbildschirm treibt die Möglichkeiten der E-Ink-Technik an ihre Grenzen, zumindest vorläufig. Dass er nicht so brillant leuchtet wie ein iPad-Display, fällt dabei kaum ins Gewicht, denn seine Stärken liegen anderswo. Er erzeugt ein extrem ruhiges Bild, das eher wie gedruckt als wie ein Bildschirm wirkt. Statt unter Sonnenlicht zu leiden, profitiert er davon.
Der farbige XL-Kindle ist ein Gerät für Menschen, die Bücher gern in großen Formaten oder Comics lesen. Vor allem für Menschen, die Ideen, Gedanken, Vorträge und Meetings bevorzugt handschriftlich festhalten, könnte das Gerät interessant sein. Das gilt auch für Personen, die Bücher mit Anmerkungen versehen oder regelmäßig digitale Dokumente überarbeiten und prüfen müssen.
Der Scribe Colorsoft ist damit kein Kindle für jedermann, sondern ein spezielles Gerät für spezielle Zielgruppen. Für diese Funktionen müssen Käufer allerdings mit mehr als 600 Euro einen hohen Preis zahlen.
Qué observar
Perspectiva de IA — posibilidades, no hechos
Das Gerät wird vor allem in spezialisierten Nutzergruppen wie Vielschreibern, Dokumentenbearbeitern und Comic-Lesern Anklang finden.
Muy probable · En semanas
Käufer werden das Gerät eher als digitalen Notizblock und E-Reader nutzen als als Ersatz für ein Tablet.
Muy probable · En días
Fragen zu Datenschutz und Cloud-Anbindung werden bei professionellen Nutzern ein wichtiges Entscheidungskriterium bleiben.
Probable · En semanas
Preguntas abiertas
- Wie robust ist das Gerät im Langzeiteinsatz über den Testzeitraum hinaus?
- Warum macht Amazon keine klare Angabe zur Wasserfestigkeit?
- Wie zuverlässig arbeiten die KI-Funktionen bei unterschiedlich gut lesbarer Handschrift?
- Ob und wann Amazon die Bildbearbeitung und den Webbrowser verbessert, bleibt offen.





