Monika Helfer, die Meisterin der Kürze, stirbt mit 78 Jahren
En resumen
- Die österreichische Schriftstellerin Monika Helfer, bekannt für ihre autofiktionalen Romane wie „Die Bagage“, ist am Sonntag im Alter von 78 Jahren nach einem Sturz verstorben.
- Sie wurde erst spät in ihrer Karriere zur Erfolgsschriftstellerin und schöpfte aus reichem Erfahrungsmaterial.
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Por qué importa
Monika Helfer, eine österreichische Schriftstellerin, die erst 2020 mit ihrem Roman „Die Bagage“ zur Erfolgsschriftstellerin wurde, ist am Sonntag im Alter von 78 Jahren nach einem Sturz verstorben.
Sie war die Meisterin der Kürze. Kurz sind ihre Bücher, erst kurz her ist ihr Aufstieg zur Erfolgsschriftstellerin. Vor allem Letzteres mag zum Eindruck beigetragen haben, dass auch ihr Leben noch gar nicht lang währte. Aber Monika Helfer starb am gestrigen Sonntag mit 78 Jahren. Als sie mit ihrem Roman „Die Bagage“ im Jahr 2020 beim Publikum zur deutschsprachigen Literatursensation wurde, war sie also bereits Anfang siebzig.
Und aus entsprechend reichem Erfahrungsmaterial konnte sie schöpfen. „Die Bagage“ bezog ihren Titel von einem flapsigen Austriazismus, unter dem die Verwandtschaft gefasst wird. Der Roman erzählte denn auch von Monika Helfers eigener Familie, vor allem der Generationen ihrer Eltern und Großeltern, also in der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts. Die Eigentümlichkeit der Sozialstruktur im heimischen österreichischen Bergdorf wurde noch von den geschilderten familiären Konstellationen übertroffen, Tragik und Komik gingen dabei ein unwiderstehliches Bündnis ein.
Dieses Erfolgsrezept setzte Helfer dann in rascher Folge fort: mit den autofiktionalen Romanen „Vati“, „Löwenherz“ und „Die Jungfrau“ (und mit der erst im vergangenen Jahr erschienenen Erzählung „Der Bücherfreund“, für den sie eine Episode aus „Vati“ neu fasste). Zudem erschien 2024 eine Sammlung von Kürzestgeschichten („Wie die Welt weiterging“) und erst in diesem Frühjahr als ihr Lyrikdebüt der Gedichtband „Bitte schick mir eine Droge“.
Was für eine dichte Abfolge! Monika Helfer wusste die Gunst der späten Aufmerksamkeit zu nutzen, die sich nicht zuletzt auch dem Hanser Verlag verdankte, zu dem sie mit „Die Bagage“ gewechselt war. Zuvor waren seit den Achtzigerjahren zwar woanders schon etliche Bücher von Helfer erschienen, aber der Erfolg war ausgeblieben. Bei Hanser publizierte bereits ihr Ehemann Michael Köhlmeier (mit dem zusammen sie auch einige Bücher schrieb und ganz zu Beginn ihrer Bekanntschaft, 1979, zwei Hörspiele), und der hatte dort das Feld für die hohe Veröffentlichungsfrequenz bestellt. Dieses Kraftpaar der österreichischen Literatur setzte den Verlag, aber auch sich selbst gegenseitig unter Dampf.
Dabei machten sie beide keinen Bogen ums Private, auch nicht ums Schrecklichste, den Unfalltod einer gemeinsamen Tochter, die mit gerade Anfang zwanzig starb. In Köhlmeiers Werk spielt dieser Verlust hinein, und Monika Helfer machte ihr gestorbenes Kind zur Figur des 2010 erschienenen Romans „Bevor ich schlafen kann“. Doch der war noch nicht im souverän über Sarkasmus und Sachlichkeit gleichermaßen gebietenden Stil von „Die Bagage“ und den folgenden Büchern geschrieben. Persönlicher aber sollte Monika Helfer nie mehr werden, obwohl sie sich damals viel weiter von der eigenen Geschichte entfernte als später.
Es wird fortan zu den Zynismen der Literaturgeschichte gehören, dass Michael Köhlmeiers in nicht einmal vier Wochen erscheinender neuer Roman den Titel „Mein privates Glück“ trägt. Auch Monika Helfer starb am vergangenen Sonntag an den Folgen eines Unglücks, nach einem Sturz. In ihrem Erzählungsband von 2024 gibt es eine Miniatur namens „Iron Man“, in der die Titelfigur über die Rosskuren, mit denen er sich am Leben erhalten ließ, sagt: „Wie ich das geschafft habe? Frage nicht! Aber es ging. Der Mensch ist zäh und kann unmenschlich viel aushalten. So gesehen ist der Mensch ein Unmensch.“ Monika Helfer war eine höchst menschliche Schriftstellerin, als Person und in ihren Themen.




