Pharmaindustrie in Deutschland: Investitionsstopps und Reformen
En resumen
- Zwei führende Pharmaunternehmen, Boehringer Ingelheim und Eli Lilly, haben im Juni fast zeitgleich Investitionsstopps in Deutschland angekündigt.
- Dies geschah als Reaktion auf ein neues Gesetz von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken, das höhere Herstellerabschläge und ein Preismoratorium für Impfstoffe vorsieht und die Branche finanziell stark belastet.
Resumen generado por IA
Por qué importa
Zwei führende Pharmaunternehmen kündigten Investitionsstopps in Deutschland an, nachdem die Bundesregierung ein Gesetz zur Stabilisierung der Krankenkassenbeiträge verabschiedet hatte, das die Branche finanziell stärker belastet.
Es war kein Zufall, dass zwei führende Pharmaunternehmen im Juni fast zeitgleich Investitionsstopps in Deutschland angekündigt haben. Das Familienunternehmen Boehringer Ingelheim, das insgesamt 900 Millionen Euro einfriert, machte den Anfang. Vier Stunden später legte der Abnehmspritzenhersteller Eli Lilly im Nachbardorf Alzey nach: Nur die Hälfte der geplanten 2,3 Milliarden Dollar wird in das Hightechwerk fließen. Der orchestrierte Schachzug sollte Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) unter Druck setzen und die Reform zur Stabilisierung der Krankenkassenbeiträge in letzter Minute abwenden. Das Gegenteil hat die Pharmaindustrie erreicht.
Kurz vor der Sommerpause stimmte die Mehrheit der Abgeordneten für Warkens Gesetz. Es regelt die Rabattverträge, die Krankenkassen künftig für patentgeschützte Arzneimittel schließen können. Ebenso kommen der höhere Herstellerabschlag, der im patentgeschützten Bereich von sieben auf 15,5 Prozent klettert, sowie ein Preismoratorium für Impfstoffe. Nach Angaben des Verbands forschender Arzneimittelhersteller muss die Branche bis 2030 rund 4,5 Milliarden Euro mehr schultern.
Kritische Medikamente fehlen
Der Ärger der Unternehmen ist nachvollziehbar, denn die schwarz-rote Regierung hatte im Koalitionsvertrag hohe Erwartungen geweckt, indem sie die pharmazeutische Industrie als „Leitwirtschaft“ bezeichnete. Sie versprach, die Rahmenbedingungen für die Entwicklung und Produktion von Wirkstoffen zu verbessern. Das ist dringend nötig, da Deutschland inzwischen zu 76 Prozent mit Antibiotika aus China versorgt wird, sich europäische Generikahersteller zurückziehen und kritische Medikamente, mitunter gegen Krebs, immer häufiger fehlen.
Hinzu kommt die Politik des US-Präsidenten Donald Trump, der hohe Arzneimittelpreise für amerikanische Patienten den günstigeren europäischen Preisen angleichen will. Nach dem Motto „Investitionen, sonst Zölle“ bindet er Hersteller gleichzeitig noch enger an die USA, während der deutsche Standort an Attraktivität einbüßt. Auf schnelle Gegenmaßnahmen seitens der Bundesregierung wartete die hiesige Pharmaindustrie aber vergeblich. Auch der im November angestoßene Pharmadialog mit Vertretern aus Politik und Industrie droht zu scheitern.
Höherer Herstellerabschlag belastet Wirtschaft
Finden Innovationen nun nicht mehr in Deutschland statt? Werden deutsche Patienten schlechter gestellt? Was geschieht mit den mehr als 130.000 Arbeitsplätzen? Die Sanofi-Deutschlandchefin Irschik-Hadjieff war die Erste, die nicht ausschloss, Stellen abzubauen und bestimmte Arzneimittel an andere Standorte auszulagern sowie Impfstoffreserven anders zu verteilen. Neben den Investitionsabsagen von Boehringer und Lilly hat auch Pfizer seine Teilnahme am geplanten „Invest in Germany Summit“ der Bundesregierung infrage gestellt.
Schlägt die Welle höher, kann das die Wirtschaft hart treffen: So entgeht Deutschland schon heute jedes dritte in den USA neu zugelassene Arzneimittel. Auch rechnet das private Forschungsinstitut BASYS vor, dass durch das Anheben des Herstellerabschlags um einen Euro die gesamtwirtschaftliche Wertschöpfung um bis zu 3,80 Euro zurückgehen könnte. Bislang haben hiesige Pharmaunternehmen gemessen am Umsatz zudem mehr als jede andere Branche in Forschung und Entwicklung investiert.
Weltweit gibt es Bestrebungen, Arzneimittelpreise zu senken
Zur Wahrheit gehört aber auch: Nicht für jedes Pharmaunternehmen ist es realistisch, Produktionen andernorts aus- oder aufzubauen, um der deutschen Politik zu entfliehen. Auch dafür braucht es Zeit und Geld.
In anderen Märkten gibt es derweil ebenfalls staatliche Pläne, die Preisgestaltung für Medikamente stärker zu beschränken. In Spanien sind Zwangsrabatte auf Arzneimittel gestaffelt: Während für neue Präparate ein Abschlag von 7,5 Prozent gilt, müssen Hersteller von Arzneimitteln, die länger als zehn Jahre im Markt sind und für die keine Generika existieren, einen Abschlag von 15 Prozent hinnehmen – ähnlich wie jetzt in Deutschland. In Japan, dem drittgrößten Pharmamarkt, senkt die Regierung die offiziellen Arzneimittelpreise immer wieder – zuletzt um 0,87 Prozent.
Das Problem einer alternden Gesellschaft und hohe Gesundheitsausgaben in der Präfektur erinnern an die deutsche Lage. Das Loch der Krankenkassen zu stopfen und die Beitragssätze stabil zu halten, muss also Priorität haben. Allerdings nützen stabile Beiträge nur, solange kritische Medikamente verfügbar bleiben. Damit Unternehmen hier weiter produzieren und forschen, braucht es dringend neue Anreize. Die Branche fordert die Regierung zu Recht auf, schnell eine Pharmastrategie zu erarbeiten. Diese Chance sollte sie nicht verspielen.
Qué observar
Perspectiva de IA — posibilidades, no hechos
Die Bundesregierung wird eine Pharmastrategie erarbeiten.
Probable · En meses
Preguntas abiertas
- Finden Innovationen nun nicht mehr in Deutschland statt?
- Werden deutsche Patienten schlechter gestellt?
- Was geschieht mit den mehr als 130.000 Arbeitsplätzen?







