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Ratingagentur Scope warnt vor US-Schuldenspirale
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Handelsblatt15.06.2026Business5 dk okumaGermany

Ratingagentur Scope warnt vor US-Schuldenspirale

En resumen

  • Die Ratingagentur Scope warnt vor einer US-Schuldenspirale durch steigende Zinskosten und kurzfristige Schuldenaufnahme.
  • Eine Herabstufung der US-Kreditwürdigkeit wird angedeutet, insbesondere nach den Kongresswahlen im November.

Resumen generado por IA

Por qué importa

Die Ratingagentur Scope warnt vor einer drohenden US-Schuldenkrise, ausgelöst durch steigende Zinskosten und eine kurzfristige Schuldenaufnahme. Eine Herabstufung der US-Kreditwürdigkeit wird angedeutet.

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Frankfurt. Unmittelbar vor dem ersten Zinsentscheid unter Kevin Warsh als US-Notenbankchef warnt die Ratingagentur Scope, dass die Risiken für die Staatsfinanzen der USA steigen. Höhere Zinskosten und eine immer kurzfristigere Schuldenaufnahme könnten die weltgrößte Volkswirtschaft laut Scope in eine Schuldenspirale führen.

Rating-Analyst Eiko Sievert erwartet, „dass sich die Lage bereits kurz nach den Zwischenwahlen zum Kongress im November wieder zuspitzt“. In einer Studie, die dem Handelsblatt exklusiv vorab vorliegt und am Dienstag erscheinen soll, deutet Scope deswegen eine mögliche Herabstufung der US-Kreditwürdigkeit an.

Warsh war von US-Präsident Donald Trump als Fed-Chef nominiert worden, wohl auch, weil er Zinssenkungen offen gegenübersteht. Sein Vorgänger Jerome Powell hatte diese abgelehnt, trotz Drucks aus dem Weißen Haus.

Viele Investoren hatten sich schon darauf vorbereitet, dass die Fed unter Warsh die Leitzinsspanne von derzeit 3,5 bis 3,75 Prozent senken würde. Inzwischen fordern sie von der Fed aber im Laufe des Jahres mindestens einen Schritt nach oben. Auch Sievert zufolge spricht vieles für Zinserhöhungen: „Die Inflation steigt, der Arbeitsmarkt läuft gut.“

Für die US-Regierung wäre das jedoch ein Problem: Der Schuldendienst würde noch teurer. Und das zu einem Zeitpunkt, an dem Finanzminister Scott Bessent in kurzer Abfolge ungewöhnlich viele auslaufende Staatsanleihen refinanzieren muss. 30 Prozent der handelbaren Staatsschulden müssen Scope zufolge in den nächsten zwölf Monaten durch neue ersetzt werden. Steigen die Zinsen, würden sie teurer.

US-Staatsanleihen haben laut Scope eine durchschnittliche Laufzeit von nur noch 5,8 Jahren. In den Industrieländern liegt der Durchschnitt bei 7,8 Jahren. Die Aussicht auf steigende Leitzinsen setze das Finanzministerium nun unter Druck, bei der Emission von Staatsanleihen noch stärker von langen auf kurze Laufzeiten auszuweichen, sagt Sievert. Denn für Kurzläufer sind die Zinsen etwas günstiger, sie bieten mehr Flexibilität für Umfinanzierungen, und Geldmarktfonds investieren häufiger in kurze Laufzeiten.

„Dadurch steigt aber auch das Roll-over-Risiko weiter“, sagt Sievert. Gemeint ist, dass die US-Regierung für die Ausgabe neuer Anleihen immer wieder Abnehmer finden muss.

In normalen Zeiten gelingt das zuverlässig. Als Garanten nennt Sievert die Tiefe der US-Kapitalmärkte, die weltweit hohe Nachfrage nach US-Staatsanleihen und die unangefochtene Rolle des Dollars als Weltleitwährung. Doch eine Finanzkrise könnte diese Bedingungen ändern.

Problematisch wird es schon dann, wenn die gesetzlich verankerte Schuldenobergrenze erreicht ist. Sie liegt derzeit bei 41,1 Billionen Dollar. Sieverts Hochrechnung zufolge dürfte die US-Regierung gegen Ende dieses Jahres an sie stoßen – „schneller, als wir noch vor einem halben Jahr angenommen haben“.

Das Schuldenlimit sei „ein wiederkehrendes Risiko, dass es zu einem Zahlungsausfall kommen könnte“, sagt Sievert. Heikel wird es erfahrungsgemäß vor allem, wenn die Regierungspartei keine Mehrheit in beiden Parlamentskammern hat. Nach den Zwischenwahlen im Herbst könnte diese Situation wieder eintreten. Weil die beiden politischen Lager der Republikaner und der Demokraten stark polarisiert sind, könnten die Verhandlungen über Staatsausgaben dann eskalieren.

Ein Zahlungsausfall der USA hätte Auswirkungen auf alle internationalen Finanzmärkte. US-Staatsanleihen gelten als der ultimative sichere Hafen, frei von Risiko und jederzeit handelbar. Für LBBW-Chefvolkswirt Moritz Kraemer ist das bereits jetzt eine „Illusion“.

Das zeigen auch die Bonitätseinstufungen der Ratingagenturen. Während Deutschland nach wie vor die Bestnote AAA hält, haben die drei führenden US-Agenturen S&P, Fitch und Moody’s die USA herabgestuft: S&P schon 2011, Fitch 2023, Moody's 2025.

Scope ist bereits zwei Abwärtsschritte weiter: Seit Oktober 2025 liegen die USA nur noch bei AA-. Neben dem angespannten Staatshaushalt bewerten die Analysten auch die schwindende Gewaltenteilung und zunehmende Machtkonzentration im Weißen Haus kritisch für das Rating.

Andere Marktbeobachter schätzen die Lage ebenfalls als zunehmend prekär ein. Der Anstieg der langfristigen Renditen für US-Staatsanleihen lasse sich nicht allein mit Inflationssorgen und Erwartungen steigender Zinsen erklären, urteilte Kraemer am Freitag. Der Grund sei „viel ernster“: Mehr und mehr Investoren würden nervös, „ob die Staatsschulden langfristig tragbar sind“.

Der frühere Ratingexperte verweist auf Prognosen der unabhängigen Haushaltsbehörde CBO. Ohne Kurswechsel werde die Schuldenquote im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung auf mehr als 190 Prozent steigen. Ende 2025 lag sie nach offiziellen Angaben bei knapp 123 Prozent, in Deutschland laut Bundesbank bei 63,5 Prozent. Kraemer hält die Nervosität deswegen für gerechtfertigt.

Markus Brunnermeier, Ökonom der Eliteuniversität Princeton, „kann die entspannte Haltung der Finanzmärkte nicht nachvollziehen“. Der Ökonom der Universität Harvard, Kenneth Rogoff, prognostiziert den USA „in den nächsten vier oder fünf Jahren eine große Schuldenkrise“.

Sievert hat noch eine weitere Hochrechnung angestellt: Im Jahr 2031 könnten 14 Prozent des US-Staatshaushalts für Zinskosten aufgewendet werden müssen. Geld, das für andere Ausgaben fehlt, zumal die Regierung auch den Verteidigungsetat stark erhöht hat.

Zwar sind weltweit Regierungen mit steigenden Zinskosten konfrontiert, weil das allgemeine Zinsniveau gestiegen ist. Dennoch ist die Lage in den USA extrem: Deutschland dürfte der Scope-Analyse zufolge 2031 3,2 Prozent der Staatsausgaben für Zinsen ausgeben. Das hochverschuldete Frankreich steuert auf knapp sieben Prozent zu.

Qué observar

Perspectiva de IA — posibilidades, no hechos

  • US-Regierung stößt gegen Ende des Jahres an die Schuldenobergrenze.

    Probable · En meses

  • 14 Prozent des US-Staatshaushalts könnten 2031 für Zinskosten aufgewendet werden müssen.

    Posible · En años

Preguntas abiertas

  • Wie wird die US-Notenbank auf die steigenden Zinsen reagieren?
  • Wann genau wird die Schuldenobergrenze erreicht?
  • Welche konkreten Auswirkungen hätte ein Zahlungsausfall auf die globalen Märkte?

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This article was originally published by Handelsblatt.

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