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WM-Auftakt: Deutschland feiert "kontrollierte Offensive"
Deportes
Süddeutsche Zeitung15.06.2026Deportes3 dk okumaGermany

WM-Auftakt: Deutschland feiert "kontrollierte Offensive"

En resumen

  • Trotz eines deutlichen 7:1-Sieges gegen Curaçao bleibt die Jubelstimmung in Deutschland verhalten.
  • Späte Anstoßzeiten und die geringe sportliche Bedeutung des Gegners führen zu verhaltener Begeisterung und eingeschränktem Public Viewing.
  • Die Atmosphäre bei Public-Viewing-Veranstaltungen ist eher ruhig, mit Fokus auf das gesellige Beisammensein.

Resumen generado por IA

Por qué importa

Die WM-Spiele finden oft zu ungünstigen Zeiten für Gastronomiebetriebe statt, was Public Viewing erschwert. Der Sieg gegen Curaçao, eine Mannschaft auf Platz 82 der Fifa-Weltrangliste, wird als kein übermäßiger Triumph angesehen.

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Und auch nach dem schönen 7:1 gegen die sogenannten Fußballzwerge aus der Karibik bilden sich auf den Straßen keine Auto-Corsi mit wild hupenden „Schland“-Grölern und ekstatischen Fahnenschwenkern. Es ist halt doch nur Curaçao, jenes Inselstäatchen, das seit Monaten die immer gleichen Likörwitze ertragen muss. Einen Sieg gegen diese Exoten, Platz 82 der Fifa-Weltrangliste, als Triumph zu feiern, wäre als vierfacher Weltmeister dann doch überzogen – und so ist der Münchner natürlich nicht. Daher in Sachen Jubel: eher so kontrollierte Offensive.

Nur: Wo schauen bei dieser WM, die gefühlt nur zur Schlafenszeit stattfindet? Public Viewing ist daher nur bedingt angesagt. Vorbei die Zeiten, als fast überall die Leinwände und Großbildschirme aufgestellt wurden. Wer heuer aushäusig und in größerer Gesellschaft Fußball schauen mag, muss schon ein bisschen herumtelefonieren und hört dabei nicht selten die Worte „Bei uns ist fußballfreie Zone“.

Klar, die Anstoßzeiten sind halt nicht gerade gastronomiefreundlich. Fußballfündig wird man aber schon, zum Beispiel beim Alten Wirt in Ramersdorf. Hier leuchtet die Abendsonne in einem ziemlich perfekten Winkel unter die Sonnenschirme hinein, dazu ein 20 Grad laues Lüfterl: aaaaahhh! Genau so muss das.

Die Stimmung kurz vor Anpfiff? Unaufgeregt, obwohl die Bude schön voll ist; auffallend viele junge Leute sind gekommen. Nebenan wird noch gekartelt, opulente Grillteller segeln von der Küche herein, die Apfelkücherl sehen sensationell aus, das kühle Helle leuchtet schöner als in der Werbung. Gefühlte Deutschland-Trikot-Quote: 50:50. Schweinsteiger ist da, Undav sitzt einträchtig neben Konkurrent Havertz, eine Vintage-Freundin führt ein Germany-Dress aus der Prä-2014-Zeit aus, mit nur drei Sternen. Manche tragen Schwarz-Rot-Gold auf Weiß gewirkte Socken, eine junge Frau einen Strickpullunder in den Deutschland-Farben.

Ganz außen sitzt eine ältere Dame bei Weißwein, Wasser und viel zu vielen Zigaretten und tippt in sehr großer Schrift irgendwas in den Laptop – bei den drei Toren in Halbzeit eins wird sie nicht ein Mal aufschauen. Muss ein verdammt fesselnder Text sein.

Zeit für die Hymnen. Ein Einziger steht bei „Einigkeit und Recht und Freiheit“. Das Kartenspiel nebenan endet. Sie: „Das macht gerade so Spaß!“ Er: „Ja. Aber jetzt ist Fußball.“ Kellner müssen sich nun unsichtbar machen, den Blick auf den Bildschirm nicht verstellen, zumal es gut losgeht für die Nagelsmänner: 1:0 nach sechs Minuten. Jubel, was sonst. Aber Ekstase? Nö, du. Curaçao halt. Nicht, dass noch die Pommes kalt werden.

Manche, die zwischen den zwei Bildschirmen sitzen und eher so mittel sehen, legen kurzerhand das Handy samt Livestream auf den Biertisch – geht auch. Als vorn mal das Signal weg ist, hält sich der Protest in Grenzen. Dafür Jubel und Applaus, als der Ball wieder rollt. Nur beim zwischenzeitlichen Ausgleich der Underdogs macht sich Empörung breit: „Buh!“, brüllt der Hintermann, kaum dass die Kugel im Netz gelandet ist. „Was ist hier los? Ich bestell' sofort ne Mass!“ Bevor Schlimmeres passiert, macht die DFB-Elf lieber mal das 2:1 und zur Sicherheit auch noch das 3:1.

Halbzeit. Seitenwechsel für Kimmich & Co., Standortwechsel für den Reporter. Vorbei an vielen fußballfreien Pizzerien (Scusi, der musste sein. Das Aus im Halbfinale 2006 schmerzt immer noch) geht es zum Hofbräukeller am Wiener Platz, einem Klassiker in Sachen Public Viewing. Doch siehe da: keine Leinwand. Nur vier TV-Bildschirme im Biergarten und der angrenzenden Sommerbar „Ciao Amalfi“. Die fehlende Leinwand ist den späten Anstoßzeiten geschuldet. Nur die Spiele, die bis 22 Uhr angepfiffen sind, dürfen gezeigt werden, so die Vorgabe der Behörden – da rechnet sich eine teure Leinwand nicht, erklärt Hofbräu-Chefin Silja Steinberg.

Aber auch so brummt der Biergarten wie eh und je. Während vorn an der Sommerbar zu „Major Tom“-Klängen konsequent Treffer um Treffer bejubelt wird, schauen manche dort, wo sonst immer die besten Plätze waren, nur ab und zu mal Richtung Bildschirm und unterhalten sich ansonsten miteinander. Ein deutscher WM-Auftakt als Hintergrundrauschen: von wegen wir Deutschen können nicht entspannt! Das Motto des Abends hat jemand wohl schon vor dem Anpfiff in Schönschrift auf die Schiefertafel gepinselt: „Das Leben ist schön.“

Preguntas abiertas

  • Wie wird die Stimmung bei Spielen zu besseren Anstoßzeiten sein?
  • Wie entwickeln sich die Public-Viewing-Angebote im Turnierverlauf?

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This article was originally published by Süddeutsche Zeitung.

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