73% der Kinderkrankentage werden von Frauen genommen
L'essentiel
- Eine Auswertung der AOK zeigt, dass 73% der Kinderkrankentage von Frauen genommen werden.
- Die AOK-Chefin Carola Reimann fordert eine gleichmäßigere Verteilung der Care-Arbeit und wünscht sich, dass mehr Männer diese Möglichkeit nutzen.
Résumé généré par IA
Pourquoi c'est important
Die Betreuung kranker Kinder ist in Deutschland gesetzlich geregelt und ermöglicht Eltern, bei Bedarf von der Arbeit fernzubleiben und Krankengeld zu erhalten. Die Inanspruchnahme dieser Regelung ist jedoch ungleich verteilt.
Zu 73 Prozent Kinderkrankentage werden meistens von Frauen genommen
Die Betreuung kranker Kinder wird laut einer Auswertung der AOK hauptsächlich von Frauen übernommen. Die Krankenkassen-Chefin wünscht sich, dass auch Männer häufiger mal dafür zu Hause bleiben.
01.06.2026, 10.05 Uhr
Um eigene kranke Kinder zu betreuen, können männliche Beschäftigte genauso einen Ausgleich für den Verdienstausfall erhalten wie weibliche. Fast drei Viertel (73 Prozent) aller Kinderkrankentage wurden vergangenes Jahr jedoch von weiblichen AOK-Mitgliedern beantragt, wie das Wissenschaftliche Institut der Krankenkasse nach eigenen Versichertendaten ermittelte.
Der Anteil der Männer lag bundesweit nur bei 27 Prozent. In Bayern war er am niedrigsten mit 23 Prozent, am höchsten in Sachsen mit fast 31 Prozent. Die Chefin des AOK-Bundesverbands, Carola Reimann, sagte, dass Kinderkrankentage auch 2025 überwiegend von Frauen genommen würden, zeige die weiterhin ungleiche Verteilung der Care-Arbeit in Familien. »Eltern sollen frei entscheiden können, wer das kranke Kind zu Hause betreut und wer arbeiten geht«, sagte sie. Sie wünschte sich aber, dass Männer häufiger von ihrem Rechtsanspruch Gebrauch machten.
Weniger Kindkranktage als noch 2024
Gesetzlich versicherte Eltern können Krankengeld beantragen, wenn ein Kind unter zwölf Jahren krank ist und sie deshalb nicht zur Arbeit gehen können. Pro Elternteil ist dies für 15 Tage im Jahr möglich, bei Alleinerziehenden für bis zu 30 Tage. Die Krankenkasse übernimmt dann einen Großteil des Verdienstausfalls und zahlt in der Regel 90 Prozent des Nettoverdienstes. Gezahlt wird bis zu einer Höchstgrenze von 135,63 Euro, Versichertenanteile zur Renten-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung werden noch abgezogen.
Bei mehreren Kindern liegt der Anspruch laut Bundesgesundheitsministerium je Elternteil bei maximal 35 Arbeitstagen, für Alleinerziehende bei maximal 70 Arbeitstagen im Jahr. Für Kinder mit Behinderung, die auf Hilfe angewiesen sind, gibt es zudem keine Altersgrenze.
Die Inanspruchnahme von Kinderkrankentagen ging bei der AOK vergangenes Jahr leicht zurück. Mindestens einmal Kinderkrankengeld beantragten 2025 demnach 4,6 Prozent der berechtigten Versicherten nach 4,8 Prozent 2024. Einen Höchststand hatte es 2022 in der Coronapandemie mit 5,1 Prozent gegeben. Im vergangenen Jahr entfielen auf jeden eingereichten Kinderkrankenfall im Schnitt 2,5 Tage. Grundlage der Auswertung waren Daten von 14,9 Millionen erwerbstätigen AOK-Mitgliedern.
Der insgesamt hohe Krankenstand über alle Altersgruppen hinweg hatte jüngst eine hitzige Debatte zum Thema Lohnfortzahlung ausgelöst. Lesen Sie hier mehr zum Thema, ob krankgemeldete Arbeitnehmer weniger Geld bekommen sollten .
apr/dpa
Questions ouvertes
- Welche spezifischen Gründe führen dazu, dass Männer seltener Kinderkrankentage nehmen?
- Gibt es Pläne für politische oder gesellschaftliche Maßnahmen zur Förderung einer gleichmäßigeren Verteilung der Care-Arbeit?
- Wie wirkt sich die ungleiche Verteilung der Kinderbetreuung auf die Karrieren von Frauen aus?


