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China-Kontakte des Cispa: Sonderprüfer soll Aufklärung bringen
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Handelsblatt23.06.2026Politique11 dk okumaGermany

China-Kontakte des Cispa: Sonderprüfer soll Aufklärung bringen

L'essentiel

  • Das Handelsblatt deckt China-Kontakte des Saarbrücker Cyberzentrums Cispa auf.
  • Nun wird ein Sonderprüfer eingesetzt, um mögliche Rechtsverstöße und den Abfluss sicherheitsrelevanter Forschungsergebnisse zu klären.
  • Der Zentrumsleiter Michael Backes wurde freigestellt.

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Pourquoi c'est important

Das Handelsblatt deckte China-Kontakte des Cispa auf, darunter Kooperationen mit chinesischen Militärhochschulen und Universitäten auf US-Sanktionslisten. Der Zentrumsleiter Michael Backes wurde freigestellt und eine Sonderprüfung angeordnet.

Taille de police

Das Handelsblatt hat China-Kontakte des Cyberzentrums Cispa aufgedeckt. Nun soll ein Sonderprüfer für Aufklärung sorgen. Der Zentrumsleiter wird bis zum Abschluss der Prüfungen freigestellt. Daniel Delhaes, Dietmar Neuerer 23.06.2026 - 07:41 Uhr Artikel anhören

Modell des Cispa-Forschungscampus: Fragwürdiger Einsatz von Steuergeld? Foto: Cispa

Berlin. Die brisanten China-Kontakte des Saarbrücker Helmholtz-Zentrums für Informationssicherheit (Cispa) haben ein Nachspiel. Nach Informationen des Handelsblatts hat sich das Bundesforschungsministerium eingeschaltet und erste Konsequenzen angeordnet.

Wie das Handelsblatt aus Regierungskreisen erfuhr, wird ein unabhängiger Sonderprüfer eingesetzt. Der Zentrumsleiter Michael Backes ist bis zum Abschluss der Prüfungen von seinen Aufgaben freigestellt.

Das Cispa selbst teilte mit, dass Backes bis zum Abschluss der Prüfung von den operativen Aufgaben als wissenschaftlicher Geschäftsführer freigestellt sei. „Seine Bestellung als Geschäftsführer bleibt hiervon explizit unberührt“, hieß es weiter. Backes begrüße die Sonderprüfung im Interesse einer lückenlosen Aufklärung.

Aus Ministeriumskreisen hieß es, das Forschungszentrum sei „zur umfassenden Zusammenarbeit verpflichtet“. Die Sonderprüfung solle klären, ob sicherheitsrelevante Forschungsergebnisse an ausländische Stellen gelangt seien, ob dabei Rechtsverstöße vorlägen, welche Rolle die Leitung des Zentrums gegebenenfalls gespielt habe und ob die bestehenden Maßnahmen zur Forschungssicherheit ausreichten. Die jetzige Maßnahme diene der unabhängigen Aufklärung und stelle keine Vorverurteilung dar.

Bis zum Abschluss der Prüfung würden alle Forschungsprojekte mit Partnern aus der Volksrepublik China pausiert, teilten die Gesellschafterinnen mit. Sie stünden in engem Austausch mit den Sicherheitsbehörden des Bundes.

Der Bund hält 90 Prozent an den Helmholtz‑Zentren der Helmholtz‑Gemeinschaft. Die Bundesländer sind jeweils mit zehn Prozent beteiligt. Im Fall des in Saarbrücken angesiedelten Cispa ist auch das Saarland Gesellschafterin. Bund und Land sind im Aufsichtsrat vertreten.

Bundeskanzler Merz hatte im vergangenen August das Cispa besucht

Das Handelsblatt hatte über die China-Nähe des Cispa berichtet. Demnach hat das Institut mit Wissenschaftlern aus dem Umfeld des chinesischen Militärs zusammengearbeitet. Darunter sind nach Recherchen des Handelsblatts mehrere Hochschulen, die auf Sanktionslisten der USA stehen. Andere Universitäten forschen explizit für die Landesverteidigung und kooperieren mit Chinas Rüstungsindustrie.

In Ministeriumskreisen hieß es, nach Abschluss der Sonderprüfung würden gegebenenfalls Konsequenzen gezogen. „Die Gesellschafterinnen bekennen sich ausdrücklich zur Freiheit von Wissenschaft und Forschung. Gleichzeitig tragen sie die Verantwortung dafür, dass wissenschaftliche Zusammenarbeit nicht zulasten der Sicherheitsinteressen Deutschlands geht“, hieß es.

Die Freiheit von Wissenschaft und Forschung sei zwar durch das Grundgesetz geschützt. Dazu gehörten auch internationale Kooperationen und die freie Wahl von Forschungspartnern. „Diese Freiheit endet jedoch dort, wo Sicherheitsinteressen der Bundesrepublik Deutschland gefährdet werden“, hieß es aus den Kreisen weiter.

Insgesamt identifizierte das Handelsblatt 123 wissenschaftliche Veröffentlichungen des Cispa mit und von Chinesen kritischer Universitäten aus den Jahren 2020 bis 2025, die sich mit Themen aus sicherheitsrelevanten Bereichen befassen. In den Arbeiten geht es unter anderem um Gesichtserkennung, Angriffe auf KI-Modelle, Desinformationskampagnen, Schwachstellenanalysen und mögliche Hintertüren in digitalen Systemen. China hat seit 2017 seine Bürger per Gesetz dazu verpflichtet, bei Bedarf mit den Nachrichtendiensten zusammenzuarbeiten.

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Das Forschungszentrum hatte dazu erklärt, Kooperationen und Projekte würden nach rechtlichen und anderen Vorgaben geprüft und bewertet. Es sei ein Beauftragter für Forschungssicherheit eingesetzt worden, und der Aufsichtsrat habe am 10. Juni turnusgemäß die neue Forschungssicherheitsstrategie beschlossen.

Auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte im vergangenen August das Cispa besucht, das als Leuchtturmprojekt im Saarland gilt. In den Neubau in St. Ingbert fließen rund 350 Millionen Euro aus dem saarländischen Transformationsfonds. Das Zentrum war 2019 in die Helmholtz-Gesellschaft aufgenommen worden.

Cispa-Gründungsdirektor Michael Backes: Bis zum Abschluss der Prüfungen freigestellt. Foto: CISPA/Jennifer Weyland

Melanie Maas‑Brunner, neue Präsidentin des Stifterverbands und ehemalige Technologiechefin bei BASF, forderte als Konsequenz aus den Vorgängen um das Cispa strengere Vorschriften. „In der Tat gibt es Risiken“, sagte sie dem Handelsblatt. „Deshalb brauchen wir klare Regeln, wie wir mit einem Land wie China richtig umgehen.“ Es müsse an Universitäten Vorgaben geben, wie Kooperationen mit Chinesen „strukturiert“ werden.

„Es muss eine Due Diligence geben, damit wirklich ganz klar ist, was wir wie machen, was erlaubt und was verboten ist“, sagte Maas-Brunner. „Und wir müssen wissen: Warum machen wir es, wo ist unser Vorteil?“ Nur unter diesen Umständen seien Kooperationen sinnvoll.

Wie sicherheitssensibel Kontakte mit China sein können, zeigt die aktuelle Gefährdungslage. Auf Nachfrage erklärte der saarländische Verfassungsschutz: „Im Saarland sind zahlreiche Forschungsinstitute ansässig, die in einer der zehn strategischen Zukunftsbranchen forschen und daher im Interesse chinesischer Nachrichtendienste stehen dürften.“

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Dazu zählen demnach unter anderem Einrichtungen aus dem Bereich Informations- und Kommunikationstechnologie wie das Cispa – Helmholtz Center for Information Security, das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI), das Max-Planck-Institut für Informatik, das Max-Planck-Institut für Softwaresysteme und das Leibniz-Zentrum für Informatik.

Betroffen sein könnten nach Angaben des Verfassungsschutzes zudem Forschungsinstitute und Lehrstühle der Universität des Saarlandes in den Bereichen Biotechnologie, Medizintechnik sowie Energie- und Umwelttechnologie. Das Cluster gilt als führend im Bereich der Informatik.

Cispa: Reisen nach China waren „wissenschaftspolitisch ausdrücklich erwünscht“

China habe bereits 2015 mit seinem Programm „Made in China 2025“ und dem aktuellen Fünfjahresplan zehn strategisch wichtige Zukunftsbranchen festgelegt, erklärte die Behörde. Gerade in diesen Bereichen sei Peking nach Einschätzung des Verfassungsschutzes bereit, Wissen auf legalem und illegalem Weg zu beschaffen, um wirtschaftlich und technologisch weltweit führend zu werden.

Das Handelsblatt hatte nach ihm vorliegenden Informationen berichtet, dass das Cispa seit Jahren intensiv mit chinesischen Wissenschaftlern zusammenarbeitet. Die Forscher stammen demnach von Universitäten, die mit dem chinesischen Militär in Verbindung stehen. Einige der Universitäten stehen auf Sanktionslisten der USA. Für einige Forschungsprojekte gab es aus chinesischen Förderprogrammen finanzielle Unterstützung. Immer wieder ging es um sicherheitsrelevante Themen.

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Die umfangreiche Recherche ergab auch Hinweise darauf, wie China bei Forschungszusammenarbeiten und -kooperationen strategisch vorgeht. Den Informationen zufolge soll im Falle des Cispa die Nähe zu China in der Gründungsphase 2019 entstanden sein. Zu der Zeit bemühte sich der Gründungsdirektor Michael Backes um chinesische Wissenschaftler und fuhr auch in das Land.

Das Cispa kündigte sogar eine Kooperation mit der chinesischen Akademie der Wissenschaften an. Auch Kontakt zur Zhejiang-Universität entstand. Sie wird überwacht von der chinesischen Regulierungsbehörde Sastind, der auch der Verteidigungskomplex unterstellt ist.

Das Cispa bestätigte, dass es in den Jahren um 2019 „wissenschaftliche Vorstellungsreisen, wie sie für eine im Aufbau befindliche Forschungseinrichtung üblich sind“, gegeben habe. Ziel sei es gewesen, das Cispa, seine Forschenden und seine Forschung „international sichtbar zu machen“, sagte ein Cispa-Sprecher dem Handelsblatt. Solche Reisen hätten an Wissenschaftsstandorte weltweit stattgefunden, „nicht allein nach China“.

Cispa-Gäste haben „keinen Zugang zu internen Systemen“

Derartige Reisen seien zu der Zeit „wissenschaftspolitisch ausdrücklich erwünscht“ gewesen. „Dass sich im Anschluss Nachwuchswissenschaftler auf Stellen am Cispa beworben haben, war ein willkommener Nebeneffekt und entspricht dem normalen Verlauf wissenschaftlicher Personalgewinnung.“ Daran sei damals „nichts ungewöhnlich“ gewesen. Es habe auch den geltenden Rahmenbedingungen entsprochen.

Chinesische Doktoranden und Postdoktoranden kamen laut den Informationen, die dem Handelsblatt vorliegen, ans Cispa. Ein Doktorand etwa blieb 2022 ein Jahr lang und wurde laut dessen Lebenslauf vom Cispa-Chef persönlich betreut. Der Gastwissenschaftler arbeitete an seiner Doktorarbeit und gelangte so in den „Zhejang-Cispa-Publikationsstrom“, wie Sicherheitsexperten den Weg zu einem möglichen Wissensabfluss nennen. Er publizierte auch mit Backes.

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Finanziert wurde der Chinese nach den dem Handelsblatt vorliegenden Informationen über den staatlichen China Scholarship Council (CSC). Die Stipendien verpflichten Empfänger zur Staatstreue, zu regelmäßigen Kontakten zur Botschaft und zur Rückkehr in die Heimat. Als Bürgen müssen Familienmitglieder benannt werden.

Der Chinese kehrte vom Cispa zurück in seine Heimat. Dort wurde er Assistenzprofessor an einer Universität, die der Regulierungsbehörde unterstellt ist. Der ehemalige Gastforscher am Cispa ist nach den dem Handelsblatt vorliegenden Informationen auch stellvertretender Abteilungsdirektor an einem Cybersicherheitsforschungsinstitut der Universität und besitzt den Status „Excellent Young Talent“ (Kategorie A). Er gibt in seinem Lebenslauf an, vier Patente zu besitzen.

Im November 2025 soll er laut den Informationen auf Empfehlung seiner Uni vom National Postdoctoral Management Committee Office in der Disziplin „Cyberspace Security“ für ein weiteres Auslandsjahr ausgewählt worden sein. Zuvor habe er Studenten beim Sommercamp 2025 zur KI-Sicherheit betreut. Das Camp war demnach von der University of Electronic Science and Technology of China (UESTC) und chinesischen Sicherheitsfirmen organisiert.

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Das Cispa erklärte: „Die durch den Forscher in seinem Aufenthalt am Cispa geleistete Forschung (Thema: „reinforcement learning“) ist unabhängig von den angesprochenen Patenten. Folglich ist das Cispa an den angesprochenen Patenten auch nicht beteiligt.“ Grundsätzlich würden Gäste überprüft und hätten „keinen Zugang zu internen Systemen“. Die spätere berufliche Entwicklung liege „außerhalb unseres Einflussbereichs“. Ob über den persönlichen Kontakt wieder neue Mitarbeiter rekrutiert werden, beantwortete das Cispa nicht.

Experten schildern, dass es China nicht darum gehe, einzelne Forscher oder Erkenntnisse zu unterstützen. Vielmehr solle eine öffentlich finanzierte, westliche Forschungseinrichtung langfristig dazu beitragen, die Fähigkeiten Chinas bei der Entwicklung in den Bereichen der Cybersicherheit und der Künstlichen Intelligenz zu erhöhen. Dies geschieht nicht nur an Helmholtz-Einrichtungen, sondern auch an deutschen Exzellenzuniversitäten.

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„Die Beziehung funktioniert durch offenen wissenschaftlichen Austausch auf der einen Seite und eine staatsgesteuerte Talent- und Technologiestrategie auf der anderen“, fassen es Sicherheitsexperten zusammen. „Kollektiv betrachtet funktionieren diese Kollaborationen als nachhaltiger Pfad für den Transfer von Expertise in Feldern mit klarer nationaler Sicherheitsrelevanz.“

Entsprechend warnt auch das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV): „China betreibt seit Jahren ein umfassendes System des Technologie- und Know-how-Transfers, welches im Zentrum der chinesischen Wissenschaftsspionage steht, um seine wirtschaftliche und militärische Entwicklung voranzutreiben“, teilte die Behörde auf Anfrage des Handelsblatts mit.

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Die Beschaffung von Technologie und Know-how erfolgt nach Angaben der Geheimdienstler über nachrichtendienstliche Netze, aber häufig auch „auf überwiegend legalem Wege“, etwa über wissenschaftliche Austausch- und Kooperationsprogramme mit deutschen Universitäten und Spitzenforschungseinrichtungen.

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Erstpublikation: 22.06.2026, 14:34 Uhr.

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Perspective IA — des possibilités, pas des certitudes

  • Konsequenzen werden nach Abschluss der Sonderprüfung gezogen.

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Questions ouvertes

  • Sind sicherheitsrelevante Forschungsergebnisse nach China gelangt?
  • Welche Rolle spielte die Cispa-Leitung?
  • Sind die bestehenden Maßnahmen zur Forschungssicherheit ausreichend?

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